Afghanistan

Ärzte ohne Grenzen verurteilt Angriff auf Schwangere, Mütter und Neugeborene

Der Eingang des vom Angriff gezeichneten Dasht-e-Barchi-Krankenhauses. Wir leisten in Afghanistan umfangreiche Hilfe und setzt alles daran, auch die Neugeborenen in der Entbindungsstation in Kabul weiter zu betreuen.

Aktualisierte Informationen finden Sie in diesem Artikel.

Kabul/Berlin, 14. Mai 2020. Ärzte ohne Grenzen verurteilt den Anschlag auf schwangere Frauen, Mütter und Neugeborene in der Entbindungsstation des Krankenhauses Dasht-e-Barchi in Kabul. 

Die schwangeren Frauen, Mütter und Neugeborenen befanden sich in der Entbindungsstation des Krankenhauses, während eine unbekannte Anzahl von Angreifern die Station stürmte. Die Betroffenen waren über Stunden Schüssen und Explosionen ausgesetzt.

Die Entbindungsstation befindet sich in einem Stadtteil im Westen Kabuls, in dem mehr als 1,5 Millionen Menschen leben. In einem Kontext, in dem der Zugang zu medizinischer Versorgung ohnehin stark eingeschränkt ist, haben viele Frauen und Kinder nun keine Möglichkeit mehr, eine medizinische Grundversorgung in Anspruch zu nehmen.

Ärzte ohne Grenzen trauert um die Patient*innen, die bei diesem Angriff ums Leben gekommen sind. Es gibt auch Hinweise darauf, dass ebenfalls mindestens eine afghanische Fachkraft von Ärzte ohne Grenzen getötet wurde. Zum jetzigen Zeitpunkt herrscht noch viel Ungewissheit, aber das medizinische Team vor Ort setzt alles daran, die Neugeborenen in der Entbindungsstation weiter zu betreuen und eine bestmögliche Versorgung der Patientinnen und der Verletzten zu gewährleisten. Zudem betreuen sie das betroffene Personal und die Hinterbliebenen psychologisch.

Während der Angriff andauerte, brachte eine Frau ihr Baby zur Welt. Beiden geht es den Umständen entsprechend gut. Das Personal von Ärzte ohne Grenzen, bestehend aus Hebammen, Ärzt*innen, Reinigungspersonal, Krankenschwestern, Köch*innen, Wächtern und Verwaltungspersonal, leistet eine unschätzbare Arbeit in Afghanistan. Vorläufig wurden die medizinischen Aktivitäten in der Entbindungsstation von Dasht-e-Barchi ausgesetzt, wenngleich die Station nicht geschlossen wurde. Die Patient*innen wurden vorerst in umliegende Krankenhäuser gebracht und auch das Personal wurde in Sicherheit gebracht. 

Mehr denn je drückt Ärzte ohne Grenzen seine Solidarität gegenüber der afghanischen Bevölkerung aus.

Ärzte ohne Grenzen eröffnete die 55-Betten-Entbindungsstation im Krankenhaus Dasht-e-Barchi in Kabul im Jahr 2014. Seither kamen 5.401 Babys auf der Entbindungsstation zur Welt. Darüber hinaus wurden hier 524 Babys behandelt, zahlreiche davon intensivmedizinisch. 

Ärzte ohne Grenzen hat 1980 mit seinem Engagement in Afghanistan begonnen. Nach der Ermordung von fünf Mitarbeitern in der Provinz Badghis zog sich die Organisation zwischen 2004 bis 2009 aus dem Land zurück. Die Organisation kehrte anschließend wieder in das Land zurück. Allein im Jahr 2019 betrieb Ärzte ohne Grenzen sieben Hilfsprojekte in sechs Provinzen des Landes. Die Organisation führte dabei mehr als 100.000 ambulante Untersuchungen durch, unterstützte außerdem mehr als 60.000 Entbindungen und führte fast 10.000 chirurgische Eingriffe durch. Für die Arbeit in Afghanistan nimmt Ärzte ohne Grenzen keine Regierungsgelder an und finanziert sich ausschließlich durch private Spenden.