Nothilfe für Flüchtlinge auf dem Mittelmeer und in Europa

Warum fliehen die Menschen und wo kommen die meisten Geflüchteten unter? Zehn wichtige Fakten zum Thema Flucht und Migration nach Europa. ...

Jedes Jahr versuchen Hunderttausende Menschen auf der Flucht vor Gewalt, Unsicherheit und Verfolgung in ihren Heimatländern nach Europa zu gelangen. Auf der gefährlichen Reise über Nordafrika und das Mittelmeer verlieren dabei unzählige ihr Leben. Die europäische Politik führt zu einer dramatischen Verschärfung dieser so genannten Flüchtlingskrise. Die Menschen werden zur gefährlichen Flucht über das Mittelmeer gedrängt. Dort starben 2016 mehr als 5.000 Menschen. Im letzten Jahr haben wir über 30.000 Menschen in Seenot geholfen. 

Mit mehr als 5.000 Toten war das Mittelmeer 2016 der tödlichste Migrationsweg. Trotzdem nehmen immer mehr Menschen die Gefahr auf sich und versuchen auf diesem Weg nach Europa zugelangen. Das ist auch der restriktiven EU-Politik geschuldet. Die EU und die europäischen Regierungen haben bislang weder an den innereuropäischen Grenzen noch an den europäischen Außengrenzen angemessen auf die humanitären und medizinischen Bedürfnisse von Flüchtlingen und Migranten reagiert. Statt legale und sichere Flucht- und Migrationswege zu schaffen, setzen sie auf Abschreckungspolitik und schließen Abkommen mit Drittländern. Deals wie das EU-Türkei-Abkommen werden der Öffentlichkeit als Erfolg präsentiert, während sie die humanitäre Lage nur verschlechtern. Internationale Schutzverpflichtungen und europäische Menschenrechtstandards werden von den EU-Ländern außer Kraft gesetzt.

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In Griechenland sind nach dem Abkommen mehr als 60.000 Menschen gestrandet. Besonders auf den Inseln herrschen drastische Lebensbedingungen in den Unterkünften. Auch in Serbien müssen Tausende bei Minusgraden in provisorischen Unterkünften ausharren. Statt sich um die humanitären und medizinischen Bedürfnisse der Menschen zu kümmern, setzen die Grenzbehörden die Menschen weiterhin schlimmen Lebensbedingungen aus. Teilweise erleiden sie Inhaftierung, Kriminalisierung und Gewalt. Um den Menschen in den EU-Hotspots und Flüchtlingslagern auf der Balkanroute zu helfen, liefern Teams von Ärzte ohne Grenzen vor Ort dringend benötigte medizinische und psychologische Hilfe sowie Hilfsgüter.

Seenotrettung von Ärzte ohne Grenzen

Aktuell ist Ärzte ohne Grenzen nur mit einem medizinsichen Team auf der von der Organisation SOS Méditerranée betriebene Aquarius im zentralen Mittelmeer im Einsatz. Von März bis Oktober 2017 war Ärzte ohne Grenzen mit einem eigenen Schiff aktiv, der Prudence. Die Aktivitäten auf der Prudence wurde aufgrund der sinkenden Anzahl von Booten mit Geflüchteten, welche die internationalen Gewässer des Mittelmeers erreichen, im Herbst 2017 beendet.

Von April bis Ende November 2016 waren wir mit drei Booten zur Seenotrettung unterwegs: der Dignity 1, der Bourbon Argos und der Aquarius. Da die Anzahl der Überfahrten im Winter rückläufig war, war in den Wintermonaten 2016 nur die zusammen mit SOS Méditerranée betriebene Aquarius im Einsatz.

Im vergangenen Jahr retteten unsere Teams mehr als 21.000 Menschen aus dem Wasser und kümmerten sich insgesamt um rund 30.000 Menschen in über 200 Einsätzen. Viele der Geretteten brauchen schnelle medizinische Versorgung. Unser erfahrenes Team besteht aus Ärzten, Krankenpflegern und Hebammen, aber auch Logistikern und interkulturellen Vermittlern. Im Rahmen der Seenotrettung leisten sie medizinische Erstversorgung und behandeln Beschwerden wie Dehydration, Verbrennungen, Unterkühlung oder Hautkrankheiten.

Um Leben zu retten und das Leid der Flüchtenden zu lindern, fordert Ärzte ohne Grenzen:

  • eine Umkehrung der EU-Flüchtlingspolitik und das Einrichten einer Migrationspolitik, die Rechte und Gesundheit der Menschen achtet,
  • das Einhalten des Rechts auf Asyl für alle Menschen und die Möglichkeit, Asylanträge an den EU-Außengrenzen zu stellen,
  • die Bereitstellung sicherer und legaler Flucht- und Migrationswege,
  • effektive Such- und Rettungsmaßnahmen, bei denen proaktiv versucht wird, Menschenleben zu retten,
  • eine humane und würdevolle Behandlung aller Menschen bei ihrer Ankunft, während des Asylverfahrens sowie im Falle einer Rückführung und
  • das Ende der Inhaftierung von Schutzbedürftigen und die Schaffung genereller Alternativen zur Migrationshaft.

In dem Bericht „Obstacle Course to Europe – A Policy-Made Humanitarian Crisis at EU Borders“ hat Ärzte ohne Grenzen im Januar 2016 die Folgen der europäischen Abschottungspolitik für Menschen auf der Flucht beschrieben.

Unser Pressereferent Stefan Dold berichtet im Juli/August 2017 für ein paar Wochen direkt vom Rettungsschiff Prudence im Mittelmeer.
Die Krankenschwester Heidi Anguria bloggte bis März 2017 von ihrem Einsatz auf dem Rettungschiff Aquarius im Mittelmeer.

10. Januar 2017