Griechenland/Serbien

Erste staatliche Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge in der Kälte – aber Hilfe ist weiterhin völlig ungenügend

Menschen stehen bei Schnee und Kälte für Essen an. Sie sind ein einem ehemaligen Lagerhaus in Belgrad untergebracht. Mehr als 1.700 Flüchlinge leben in der Stadt in verlassenen Gebäuden, bei Temperaturen bis -20 Grad.

Tausende Migranten und Flüchtlinge sitzen in Griechenland und den Balkanländern mitten im Winter in unzureichend ausgestatteten Lagern fest. Vorbereitungen für die Wintermonate fehlten bislang – erste staatliche Hilfsmaßnahmen haben jetzt begonnen. Nach wie vor ist die Hilfe aber völlig ungenügend.

In Serbien halten sich derzeit laut inoffiziellen Informationen der dortigen Behörden mehr als 8.500 Flüchtlinge und Migranten auf. In den Aufnahmezentren des Landes sind laut offiziellen Angaben nur 6.000 Plätze verfügbar. Davon sind nur 3.140 winterfeste Unterkunftsplätze.

An der Grenze zu Ungarn wurden rings um die Stadt Subotica heute morgen informelle Flüchtlings-Camps aufgelöst. Die Bewohner wurden in vier Bussen nach Presevo an der Grenze zu Mazedonien im Süden Serbiens gebracht.

Medizinische Hilfe wegen Unterkühlung

In Belgrad waren am Freitag 2.000 Menschen in Lagerhallen gezählt worden, in denen viele Flüchtlinge und Migranten ausharren. 91 Bewohner wurden während des Wochenendes in drei verschiedene Zentren in Serbien gebracht. Medizinische Teams von Ärzte der Welt und Ärzte ohne Grenzen haben sieben Bewohner wegen Unterkühlung behandelt. Viele Bewohner leiden wegen der Kälte und den schlechten Lebensbedingungen an Atemwegserkrankungen und Hautkrankheiten.

Ärzte ohne Grenzen hatte den serbischen Behörden angeboten, Notunterkünfte aufzubauen. Unsere Teams warten weiter auf eine offizielle Antwort der Behörden. Wetterprognosen gehen davon aus, dass die Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts für mindestens eine Woche anhalten.

Zelte brachen unter der Last des Schnees zusammen

In Griechenland hat sich auf den Inseln in der Ägäis das Wetter etwas verbessert. Doch am EU-Hotspot Moria auf Lesbos ist es weiterhin matschig und nass. Die Asylbewerber dort frieren. Viele Zelte sind am Wochenende durch das Gewicht des Schnees und durch den anschließenden Regen zusammengebrochen und unbrauchbar. Einige Asylbewerber sind in neu geschaffene Plätze in Containern innerhalb des Hotspots umgezogen. Bis zum Dienstagabend konnten aber erst 50 von geplanten 150 Bewohnern dort einziehen. Ärzte ohne Grenzen hat für diesen Bereich 100 Stockbetten zur Verfügung gestellt.

Auch im EU-Hotpot auf Samos leben viele Bewohner weiterhin in Zelten im Matsch. Die lokalen Behörden verteilen Decken, die Ärzte ohne Grenzen ihnen im August 2016 gespendet hatte, an Flüchtlinge und bedürftige Griechen auf der Insel. Ärzte ohne Grenzen hat 23 weitere Bewohner des Hotspots in der Notunterkunft der Organisation aufgenommen. Insgesamt wohnen dort jetzt 84 besonders schutzbedürftige Menschen – Familien, Schwangere und Neugeborene.

„Es ist völlig inakzeptabel, dass für diese Menschen keine winterfesten Unterkünfte geschaffen wurden“

Die EU-Hotspots auf den griechischen Inseln sind derzeit doppelt überbelegt. Ärzte ohne Grenzen fordert die griechischen Behörden und die EU auf, umgehend alle Bewohner der Hotspots, für die die Unterbringungskapazitäten auf den Inseln nicht ausreichen, in sichere und geheizte Unterkünfte auf dem Festland zu bringen. „Im März hat die EU auf Betreiben von Bundeskanzlerin Merkel das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei abgeschlossen. Wegen dieses Deals sitzen jetzt mehr als 15.000 Menschen unter inakzeptablen Verhältnissen in den doppelt überbelegten EU-Hotspots auf den griechischen Inseln in der Kälte fest“, erklärt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland: „Unter den Schutzsuchenden sind Schwangere, Minderjährige, Gewaltopfer und Kranke. Es ist völlig inakzeptabel, dass für diese Menschen nicht rechtzeitig winterfeste Unterkünfte geschaffen wurden.“

Die Infrastruktur wurde durch die Kälte beschädigt

In Thessaloniki sind gestern 15 cm Schnee gefallen. Die Straßen sind blockiert, und die Gemeinde hat kein Salz mehr, um die Straßen in der Gegend zu streuen. Die mobilen Teams von Ärzte ohne Grenzen mussten darum ihre psychologische Hilfe für die Menschen unterbrechen. Unsere Teams haben daraufhin einen Geländewagen gemietet und so versucht, die 13 Lager zu erreichen, die derzeit Geflüchtete beherbergen. Die Bedingungen sind insbesondere im Softex-Lager schlecht. Rohre sind eingefroren, es gibt keine Elektrizität und die Heizungen fallen aus oder es gibt gar keine. Die Infrastrukturen wurden zumeist aufgrund der niedrigen Temperaturen beschädigt oder zerstört und müssen nach dem Ende der Kälteperiode komplett ausgetauscht werden.

In der vergangenen Nacht war Athen von einer dicken Schneeschicht überzogen, so auch die Zelte der mehr als 400 Menschen, die auf dem Baseballfeld im ehemaligen Olympiastadion Ellinikon schlafen. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat Strom und Heizungen für die Zelte installiert. Die Zelte sind aber nass und werden noch mehr Wasser ziehen, sobald der Schnee schmilzt. Diese Orte werden schlammig und unbewohnbar, wenn die Temperaturen steigen.