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Entlassung von 18 Mitarbeitenden im Tschad nach Missbrauchsfällen

16. Juni 2026

Ende des Jahres 2024 haben aus dem Sudan geflüchtete Frauen im Osten des Tschad schwere Vorwürfe sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs gegen Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen erhoben. Als Reaktion entsandte Ärzte ohne Grenzen sofort mehrere Teams, um diese Fälle zu identifizieren und zu untersuchen.

Die Untersuchungen dauerten mehrere Monate und haben 59 Vorwürfe von Fehlverhalten identifiziert, darunter sexuelle Belästigung, Ausbeutung und Missbrauch. Die Vorwürfe betreffen Mitarbeitende aus verschiedenen Beschäftigungsgruppen, einschließlich fest angestellten Mitarbeitenden, temporär Beschäftigten, externen Auftragnehmern sowie Lieferanten.

Während die Untersuchungen die Vorwürfe in Teilen belegen konnten, blieben einige Fälle ungeklärt, da weder die Betroffenen noch die mutmaßlichen Täter identifiziert werden konnten. Wo die Untersuchungen schwerwiegendes Fehlverhalten nachgewiesen haben, haben wir umgehend disziplinarische Maßnahmen ergriffen. In Folge wurden 18 Mitarbeitende entlassen und arbeiten künftig nicht mehr für Ärzte ohne Grenzen.

„Diese Fälle von Fehlverhalten stellen schwere Verstöße gegen die Werte von Ärzte ohne Grenzen und gegen die Verantwortung dar, die unsere Organisation trägt“, sagt Laura Leyser, Generalsekretärin von Ärzte ohne Grenzen International. „Wir sehen den Schmerz, den Schaden und das Leid der Betroffenen und bedauern zutiefst, dass dies in unseren Projekten geschehen ist. Wir haben die Verantwortung, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Fehlverhalten zu verhindern und entschlossen darauf zu reagieren, wenn es vorkommt.“

Ärzte ohne Grenzen hat den Betroffenen entsprechend ihrer Bedürfnisse und Wünsche Unterstützung angeboten. Diese umfasst unter anderem die Vermittlung von psychologischer und medizinischer sowie bei Bedarf auch juristischer Hilfe.

Wir können keine Details zu einzelnen Fällen veröffentlichen, auch nicht in Form einer Aufschlüsselung nach Beschäftigungsgruppen. Grund dafür ist der Schutz der Vertraulichkeit, der Privatsphäre und der Sicherheit der Betroffenen. Es folgt unserem Ansatz, der die Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt.

Nach Abschluss der Untersuchungen passte Ärzte ohne Grenzen im Osten des Tschad Maßnahmen und Verfahren an. Dazu zählen

  •    verbesserte Einstellungsverfahren sowie die Prüfung von Referenzen für lokal angestellte Mitarbeitende und temporär Beschäftigte,  
  •    verbesserte Verfahren zur Identifikation von Mitarbeitenden,  
  •    verbesserte Beschwerdeverfahren,  
  •    verstärkte Maßnahmen zur Aufdeckung von Fehlverhalten in den Projekten sowie
  •    spezielle Ressourcen für Schutz- und Prävention.  

Dafür wurden unter anderem die Teams im Personalbereich gestärkt.

Die Untersuchungen im Tschad halfen uns, die Situation besser zu verstehen, Schwachstellen zu identifizieren und diesen zu begegnen. Sie sind Ausdruck unserer Selbstverpflichtung, Missbrauch entschlossen und proaktiv entgegenzutreten.  

Seit 2018 erfassen und veröffentlichen wir Daten zu Beschwerden über Fehlverhalten innerhalb von Ärzte ohne Grenzen. Die Daten decken verschiedene Formen von Missbrauch und unangemessenem Verhalten ab – unter anderem sexuelle Ausbeutung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Belästigung – und werden jährlich veröffentlicht. Zum Schutz der Betroffenen und um eine mögliche Identifikation von Personen oder Orten zu vermeiden, veröffentlichen wir in der Regel keine länderspezifischen Aufschlüsselungen.

„Ärzte ohne Grenzen hat sich dazu verpflichtet, ein Arbeitsumfeld frei von Ausbeutung, Missbrauch und Belästigung zu schaffen“, sagt Leyser. „Wir ermutigen Mitarbeitende, Patient*innen sowie Mitglieder der Gemeinschaften, in denen wir arbeiten, jedes Fehlverhalten zu melden. Wir arbeiten weiterhin daran, sicherzustellen, dass unsere Beschwerdewege sicher, zugänglich und vertraulich sind.“

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 im Tschad, um Versorgungslücken im Gesundheitswesen zu schließen und auf Notlagen zu reagieren. Die Teams bieten unter anderem Impfungen an, arbeiten im Bereich Ernährung und stellen allgemeine Gesundheitsversorgung für Geflüchtete, Vertriebene und Aufnahmegemeinden an. In den Hilfsprogrammen im ganzen Land beschäftigt Ärzte ohne Grenzen 872 lokal angestellte Mitarbeitende und 81 internationale Mitarbeitende. Darüber hinaus erhalten 390 nicht fest angestellte medizinische Arbeitskräfte Bezahlung von Ärzte ohne Grenzen.