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Sudan: „Wir haben Sicherheit gesucht, stattdessen sind wir wieder in einem Konflikt gefangen."

"Wir haben Angst", berichtet Moulay Alm Asmlash aus Äthiopien. "Wir sind vor dem Krieg in unserer Heimat in den Sudan geflohen, aber jetzt ist die Lage hier auch schwierig. Die meisten Organisationen haben aufgrund der Gewalt und der Kämpfe ihre Arbeit eingestellt. Ich habe Angst, dass auch Ärzte ohne Grenzen gezwungen sein könnte, das Geflüchteten Camp zu verlassen, in dem wir leben. Das ist für uns die einzige Möglichkeit, medizinische Versorgung zu erhalten."

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Porträt eines Vaters mit seiner Familie
Moulay Alm Asmlash und seine Familie kamen 2020 im Geflüchteten-Camp in Um Rakuba an.
© MSF

Der 53-jährige Vater litt lange Zeit an Diabetes und suchte unser Krankenhaus im Geflüchteten-Camp in Um Rakuba auf, um sich behandeln zu lassen. Seither werden er und seine Familie regelmäßig in unserem Krankenhaus behandelt.

Die Bevölkerung lebt in Lebensgefahr

Seitdem am 15. April im Sudan Kämpfe ausgebrochen sind, ist die Lage für die Bevölkerung lebensbedrohlich. Unsere Teams sind vor Ort und leisten weiter Nothilfe: Wir versorgen Verwundete in Nord-Darfur notfallmedizinisch, spenden Hilfsgüter an Gesundheitseinrichtungen in Khartum, setzen die medizinische Versorgung in Zentral- und West-Darfur sowie im Bundesstaat Blauer Nil fort und reagieren auf Notfälle im Bundesstaat al-Dschasira. 

Insbesondere bemühen wir uns, schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen zu helfen, wie etwa Binnenvertriebenen und Geflüchteten aus den Nachbarländern, die nun im Sudan in eine weitere Gewaltspirale geraten sind. Die anhaltenden Kämpfe haben zu einer regelrechten Vertreibungskrise geführt.

4 Millionen Menschen sind im Sudan auf der Flucht

Der Sudan beherbergt mehr als eine Million Menschen aus Nachbarländern wie dem Südsudan und Äthiopien. Die meisten von ihnen waren bereits vor der Gewalt in ihrer Heimat geflohen. Für sie ist es nun noch schwieriger geworden, mit dem Leben als Geflüchtete zurechtzukommen. 

Wir sind auf der Suche nach Sicherheit in den Sudan gekommen, stattdessen sind wir jetzt wieder in einem Konflikt gefangen.

Familien, die bereits vorher vor großen Herausforderungen standen, kämpfen jetzt einmal mehr ums Überleben und sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hat sich die Zahl der Binnenvertriebenen innerhalb einer Woche verdoppelt - inzwischen sind es mehr als 700.000 Menschen. Zusammen mit den zuvor bereits vertriebenen 3,7 Millionen Menschen, sind jetzt mehr als 4 Millionen Menschen im Sudan auf der Flucht.

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Geflüchteten-Camp in Ost Darfur, Sudan
Im Sudan gibt es mehrere solcher Camps, in denen Tausende Vertriebene ausharren.
© Nargiz Koshoibekova

Die Versorgung muss aufrecht erhalten werden!

Im Bundesstaat al-Kadarif bieten wir in den Geflüchtetencamps Tunaydba und Um Rakuba weiterhin medizinische Versorgung für Geflüchtete aus Äthiopien und die lokale Bevölkerung an.

In den vergangenen Jahren haben unsere Teams im Camp Um Rakuba grundlegende medizinische Versorgung, einschließlich psychosozialer Unterstützung angeboten. Aufgrund der jüngsten Kämpfe sind unsere Aktivitäten von Lieferproblemen betroffen und die Aufnahmekriterien mussten eingeschränkt werden. Der Schwerpunkt hat sich auf lebensrettende Sofortmaßnahmen verlagert, vor allem in den Bereichen Kinderheilkunde und Mangelernährung.

Porträt der Missionsleiterin im Sudan
Francesca Arcidiacono, unsere Landeskoordinatorin im Sudan

“Vergangene Woche war ich im Vertriebenencamp in Um Rakuba und im dortigen Krankenhaus. In Gesprächen haben Geflüchtete von ihrer Angst vor der Zukunft berichtet. Sie fühlen sich gefangen, sie können nicht reisen. Sie erzählten von einem Rückgang der humanitären Aktivitäten, von Versorgungsengpässen und von großer Ungewissheit darüber, wie es weitergehen wird. Wir setzen alles daran, die medizinische Versorgung der Menschen im Camp zu gewährleisten.” 

Porträt von einem unserer Mitarbeiters im Camp Um Rakuba
Mohamed Omar Mohamed, unser Projektkoordinator im Vertriebenencamp in Um Rakuba

„Als in Khartum die Kämpfe ausbrachen, wurden in den meisten Bundesstaaten des Landes Lieferketten unterbrochen. Seither fehlt es überall an Medikamenten, Nahrungsmitteln und Erdöl – insbesondere Produkte, die normalerweise aus Khartum kommen, sind knapp geworden. Viele Familien aus Khartum haben sich in Bundesstaaten wie al-Kadarif niedergelassen. Das erhöht den Druck auf die dortigen Gesundheitseinrichtungen. Gleichzeitig lässt die starke Inflation Marktpreise in die Höhe schießen.“  

Krieg im Sudan: Es braucht mehr humanitäre Hilfe!

Jede*r Zweite im Sudan ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, jede*r Dritte von Hunger betroffen. Vielerorts sind wir die einzige Hilfsorganisation.