MEXIKO

US-Maßnahmen gegen Asylsuchende verschärfen Krise entlang der Grenze

In der Kleinstadt Coatzacoalcos in Süd-Mexiko kommen täglich hunderte Migranten und Geflüchtete an. Von hier aus nutzen sie "La Bestia", den Frachtzug der von der Südgrenze bis zur Nordgrenze Mexikos fährt.

Mexiko-City/Berlin, 14. Dezember 2018. Asylsuchende aus Mittelamerika sind durch die verschärften US-Asylbestimmungen zunehmend Gewalt durch Kriminelle in Mexiko ausgesetzt. Die neuen Regelungen schränken den Zugang zum Asylsystem deutlich ein und verzögern das Verfahren, wodurch Tausende in der Grenzregion festsitzen.

„Viele unserer Patienten aus Mittelamerika vermeiden nun, über die Grenze zu gehen“, sagt Sergio Martín, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Mexiko. „Es sind Menschen, die dringend Schutz und Asyl benötigen. Viele von ihnen sind sowohl in ihren Herkunftsländern als auch in Mexiko gefährdet. Sie zu zwingen, in Mexiko zu bleiben, ist unmenschlich und illegal.“

Medizinische Daten von Ärzte ohne Grenzen zeigen, dass 68 Prozent der behandelten Flüchtlinge und Migranten auf ihrem Weg durch Mexiko Gewalt erlitten haben. Ein Drittel der Frauen wurde sexuell missbraucht. Diese ungewöhnlich hohen Zahlen zeigen deutlich, dass Migranten gezielt Opfer von Gewalt werden. Sie sind Erpressung, Menschenhandel, Entführungen und Folter durch kriminelle Organisationen ausgesetzt, die die Routen kontrollieren. Dies widerspricht der Darstellung, Mexiko sei ein sicheres Land für Migranten.

Die Gefahren haben sich in den letzten Monaten verschärft, da viele Asylbewerber die Risiken einer Einreise in die USA fürchten.  Sie sehen sich daher gezwungen, sich für Wochen oder gar Monate unter prekären Bedingungen in Mexiko aufzuhalten. Allein in der Stadt Nuevo Laredo an der Grenze zu Texas hat in den vergangenen zwei Monaten jeder vierte Patient, der bei Ärzte ohne Grenzen in psychologischer Behandlung war, eine Entführung durchgemacht.

Ärzte ohne Grenzen leistet in Mexiko humanitäre Hilfe für Menschen, die vor Gewalt aus El Salvador, Honduras und Guatemala geflohen sind. Ein Großteil der Menschen hat schon in diesen Herkunftsländern die Tötung von Familienmitgliedern, Entführungen, Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen, Erpressung und sexuelle Gewalt erfahren. Viele von ihnen fürchten Gewalt und Tod, sollten sie gezwungen werden, nach Hause zurückzukehren.

Ärzte ohne Grenzen hält die jüngsten Maßnahmen der USA zur Abschreckung und zur Begrenzung der Migration für inakzeptabel. Diese beinhalten die Schließung und Militarisierung der Grenze zu Mexiko, die Abschaffung der Asylgründe Bandengewalt und häusliche Gewalt, die Trennung von Familien und unbegleiteten Minderjährigen in US-Haftanstalten, die Massenabschiebungen von Migranten an Orte, an denen ihr Leben in Gefahr ist, sowie die wiederholten Bemühungen, Mexiko zu einem sicheren Land für Asylsuchende zu erklären. Sowohl die Flüchtlingskonvention als auch die Erklärung von Cartagena garantieren das Recht auf Schutz vor Gewalt. Sie verbieten Abschiebungen in Fällen, in denen das Leben der Betroffenen in Gefahr ist, sowie die Überstellung in ein Drittland gegen ihren Willen.

Seit 2012 bietet Ärzte ohne Grenzen medizinische und psychologische Versorgung entlang der mexikanischen Migrationsroute für Migranten und Flüchtlinge, die hauptsächlich aus Honduras, Guatemala und El Salvador stammen. Unsere Teams haben in 11 mexikanischen Bundesstaaten Hilfe geleistet.