Syrien

Nordost-Syrien: Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz der Zivilbevölkerung

Berlin, 11. Oktober 2019. Nach dem Start der türkischen Militäroperationen sorgt sich Ärzte ohne Grenzen um das Schicksal der Menschen in Nordost-Syrien. Die internationale Hilfsorganisation fordert alle Konfliktparteien auf, den Schutz der Zivilbevölkerung, einschließlich des Gesundheitspersonals und der Patienten, zu gewährleisten. Die Konfliktparteien müssen lebensrettende humanitäre Hilfe und unparteiische medizinische Versorgung überall in der Region ungehindert ermöglichen.

„Diese Eskalation kann das Trauma, das die syrische Bevölkerung durch jahrelangen Krieg und ein Leben unter prekären Bedingungen erlitten hat, nur noch verschlimmern", sagte Robert Onus, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Syrien. „Vertreibung und kampfbedingte Verletzungen drohen die vorhandenen, ohnehin knappen Ressourcen in den Krankenhäusern zusätzlich zu belasten."

In der Grenzstadt Tal Abjad hat die Bombardierung die überwiegende Mehrheit der Menschen gezwungen, zu fliehen. Das dortige einzige öffentliche Krankenhaus, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wurde, ist geschlossen, da der Großteil des medizinischen Personals mit seinen Familien die Stadt verlassen hat. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind umgezogen, um den Bedarf in anderen Teilen der Region zu decken.

„Unsere Mitarbeiter in Tal Abjad erlebten, wie die Stadt, die einst mit Leben erfüllt war, plötzlich völlig verlassen war", sagte Onus. „Nach acht Jahren Krieg war das syrische Volk wieder einmal gezwungen, seine Häuser und Besitztümer zu verlassen, um Sicherheit zu suchen."

In Tal Tamer, einer kleinen Stadt im Westen der Al-Hasaka-Provinz, haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen fast 2000 Menschen angetroffen, die aus Ras Al-Ain vertrieben wurden. Die Teams verteilen Hilfsgüter an die Menschen, die in Schulen, Bürogebäuden, Geschäften und in den Häusern von Verwandten und helfenden Bewohnern der Stadt Zuflucht suchen.

Ärzte ohne Grenzen ist auch besorgt darüber, dass die vielen tausend Frauen und Kinder, die in Lagern wie Al-Hol und Ain Issa leben, jetzt besonders gefährdet sind, da humanitäre Organisationen gezwungen waren, ihre Hilfe auszusetzen oder einzuschränken.

Teams von Ärzte ohne Grenzen sind weiterhin in Nordost-Syrien präsent - in Ain Al-Arab (Kobane), Ain Issa, Al-Mallikeyeh (Derek), Tal Tamer, Ta; Kosher, Al-Hol und Rakka.