Mosambik

Hunderttausende Vertriebene von Krankheiten wie Malaria und Covid-19 bedroht

Ärzte ohne Grenzen versucht vertriebene Menschen mit Hilfe von mobilen Kliniken zu erreichen, um die medizinische Grundversorgung zu gewährleisten.

Im Norden von Mosambik werden Hunderttausende Vertriebene des eskalierenden Konflikts von Krankheiten wie Malaria und Covid-19 bedroht. Ein Großteil von ihnen lebt unter prekären humanitären Bedingungen. In der Provinz Cabo Delgado sind laut Regierungsschätzungen mehr als 400.000 Menschen vor der eskalierenden Gewalt geflohen. Hauptkonfliktparteien sind bewaffnete Gruppen sowie das mosambikanische Militär. Ärzte ohne Grenzen hat trotz Einschränkungen die medizinische Hilfe ausgeweitet, ruft aber auch die Behörden zu größeren Anstrengungen auf.

 

„Allein in der vergangenen Woche kamen ungefähr 10.000 Menschen per Boot in der Provinzhauptstadt Pemba an“, sagt Joaquim Guinart, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen. „Sie waren dehydriert. Frauen haben auf dem Meer Kinder zur Welt gebracht. Es gibt Fälle lebensgefährlicher schwerer Durchfallerkrankungen. Die Belastung der Gesundheitseinrichtungen ist enorm. Allein 20.000 Menschen sind im vergangenen Monat in Pemba angekommen, und es werden immer mehr.“

 

Fast 100.000 Vertriebene haben in und um Pemba Zuflucht gesucht, manche in provisorischen Lagern, etwa in Schulgebäuden, manche bei Familien. Die Bevölkerung der Stadt ist dadurch um ein Drittel angestiegen. Viele Menschen verfügen über kein sauberes Trinkwasser, leben in unhygienischen, beengten Verhältnissen und sind gefährdet, an Malaria, Masern, Durchfallerkrankungen oder Covid-19 zu erkranken.

 

Ärzte ohne Grenzen betreibt in Pemba ein Behandlungszentrum für Durchfallerkrankungen und hilft bei der Bereitstellung von Trinkwasser und bei der Abwasserentsorgung in den Vertriebenenlagern und den Gesundheitseinrichtungen. In dem an Pemba angrenzenden Bezirk Metuge bieten zwei mobile Kliniken der Organisation eine medizinische Grundversorgung an. Die Teams hoffen, so mehr Menschen in den entlegeneren Gebieten zu erreichen. Mit der Unterstützung von Partnern baut die Organisation Latrinen und manuelle Wasserpumpen und stellt fünf Wasserversorgungssysteme wieder her. Doch das deckt nur einen Bruchteil des ständig wachsenden Bedarfs. Auch auf Grund verwaltungstechnischer Einschränkungen und der Reisebeschränkungen wegen Covid-19 wird die Arbeit erschwert, und Ärzte ohne Grenzen kann nur noch mit reduzierter Kapazität arbeiten.

 

„Wir sind zutiefst besorgt über die anhaltende Gewalt und die sich verschlechternden Bedingungen in Cabo Delgado und die schnell wachsende Zahl der Vertriebenen, insbesondere da nun die Regenzeit beginnt. Die Grundbedürfnisse der Vertriebenen bleiben trotz der bestehenden Bemühungen um humanitäre Hilfe weitgehend unerfüllt", sagt Alain Kassa, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen für Mosambik. „Ohne sofortige Maßnahmen wird sich die Situation rasch verschlechtern. Wir rufen die mosambikanischen Behörden zur Unterstützung bei der unverzüglichen Mobilisierung von zusätzlichem Personal und Hilfsgütern auf.“

 

In Cabo Delgado wird schon seit Oktober 2017 gekämpft und ein Ende ist nicht in Sicht. Fast ein Fünftel der Bevölkerung musste sein Zuhause verlassen und hat so gut wie keinen Zugang zum Gesundheitssystem oder anderen Dienstleistungen. Ärzte ohne Grenzen musste bereits im März ihre medizinischen Aktivitäten in Mocimboa da Praia einstellen. Im Mai folgte ein Angriff von Aufständischen in Macomia, bei dem ein Gesundheitszentrum, in dem auch Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiteten, geplündert und angezündet wurde. Insgesamt wurden während des Konflikts schätzungsweise 20 Gesundheitseinrichtungen zerstört.