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Madagaskar

Ernährungskrise in Madagaskar: Ärzte ohne Grenzen weitet Projekte aus

Im Süden Madagaskars sind wegen der schweren Ernährungskrise bereits Tausende Kinder schwer erkrankt. Viele Familien sind in extreme Armut abgerutscht. Seit März 2021 haben Teams von Ärzte ohne Grenzen mehrere mobile Kliniken eingerichtet und leisten in verschiedenen Distrikten der Region humanitäre und medizinische Hilfe.

„Wir sehen mangelernährte Kinder, die nach wochenlanger Behandlung in unseren mobilen Kliniken darum kämpfen, wieder an Gewicht zuzulegen“, sagt die Leiterin der Nothilfeprogramme von Ärzte ohne Grenzen, Bérengère Guais. „Die medizinische Versorgung, die wir leisten, und die halben Rationen, die verschiedene Organisationen verteilt haben, reichen nicht aus, um den Trend umzukehren. Es gibt einfach zu wenig Zugang zu Lebensmitteln. Eine massive Aufstockung der Nahrungsmittelnothilfe hat absolute Priorität."

Nach Jahren aufeinanderfolgender Dürren sind die Aussichten für die Ernte, die in normalen Zeiten bereits in vollem Gange wäre, extrem schlecht – laut des Famine Early Warning System Network (FEWS NET) wird erwartet, dass die Nahrungsmittelproduktion bis zu 70 Prozent unter dem vergangenen Fünfjahresdurchschnitt liegt. Auch wenn es Unterschiede zwischen den Distrikten gibt, ist die Situation in der Region, in der die Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten, weiterhin katastrophal.

Ärzte ohne Grenzen hat im Juni begonnen, Lebensmittelrationen an die Familien mangelernährter Patient*innen zu verteilen, um ihnen den Zugang zu Nahrung wieder zu ermöglichen, und ihre medizinischen Komplikationen behandelt. Dabei wurden rund 104 Tonnen Lebensmittel verteilt. Darüber hinaus sind mobile Kliniken, die Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen gegen akute Mangelernährung anbieten, an mehr als 15 Standorten in den Regionen Anôsy und Androy eingerichtet worden. Seit Beginn der medizinischen Hilfe Ende März haben Teams von Ärzte ohne Grenzen 4.339 Menschen behandelt, die an Mangelernährung leiden.

Eine Reihe von Begleiterkrankungen verschlimmert den Zustand der mangelernährten Kinder. Vor allem von Malaria sind 22 Prozent der jungen Patient*innen betroffen, aber sie leiden auch an Atemwegsinfektionen (18 Prozent) und Durchfallerkrankungen (14 Prozent).

Ein Drittel der mangelernährten Kinder, die in den mobilen Kliniken im Bezirk Amboasary behandelt werden, leiden zudem entweder an Durchfall oder Parasitose, was auf eine mangelnde Versorgung mit sauberem Wasser hindeutet. Ärzte ohne Grenzen hat daher seit März 190 Kubikmeter Wasser, 2.872 Kanister und 3.870 Stücke Seife verteilt.

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Holger Vieth
- Pressestelle