Libyen

Kämpfe in Tripolis: Libyen ist kein sicherer Ort für Flüchtlinge

Libyen ist von Konflikten zerrissen, wie die jüngsten Kämpfe in Tripolis zeigen. Dort werden Flüchtlinge und Migranten ohne Rechtsgrundlage unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert. Das Foto zeigt ein Internierungslager für Frauen.

Tripolis/Berlin, 31. August 2018. Die jüngsten Kämpfe in der libyschen Stadt Tripolis gefährden Tausende in Internierungslagern gefangene Flüchtlinge und die Bevölkerung. Die Kämpfe zwischen verfeindeten bewaffneten Gruppen waren am Sonntag ausgebrochen und spielten sich auch in Wohnvierteln ab, in denen sich Internierungslager für rund 8.000 Flüchtlinge und Migranten befinden. Dies zeigt einmal mehr, dass Libyen kein sicherer Ort ist. Die deutsche Bundesregierung und die anderen europäischen Regierungen müssen dies anerkennen und mehr dafür tun, dass Flüchtlinge Libyen verlassen können.

Einige der Flüchtlinge und Migranten waren mehr als 48 Stunden lang ohne Nahrungsmittel in einem Lager eingesperrt, in dessen Umgebung schwere Kämpfe stattfanden. Andere Gefangene wurden zwar frei gelassen, konnten aber lediglich in Gegenden fliehen, in denen sie Gefahr liefen, bei Schusswechseln getroffen zu werden.

„Viele Flüchtlinge in Libyen sind aus Kriegsländern geflohen oder waren monatelang unter furchtbarsten Bedingungen in der Gewalt von Menschenhändlern, bevor sie in die Internierungslager kamen“, sagt Ibrahim Younis, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Libyen. „Diese Menschen sind bereits extrem schutzbedürftig und finden sich nun in einem neuen Konflikt wieder, dem sie nicht entkommen können. Sie dürfen nicht eingesperrt werden, nur weil sie Schutz suchen. Sie sollten sofort frei gelassen und in Länder gebracht werden, in denen sie sicher sind.“

Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten medizinische Hilfe und verteilen Nahrungsmittel und Wasser an Menschen, die noch in den Internierungslagern gefangen sind. Ärzte ohne Grenzen und andere humanitäre Organisationen haben allerdings nur sehr eingeschränkten Zugang zu den Lagern. Auch die libysche Bevölkerung in und um Tripolis ist von den Kämpfen betroffen und erhält zu wenig medizinische Versorgung.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) handelt es sich bei rund der Hälfte der Menschen in den Internierungslagern um Flüchtlinge aus Konfliktländern wie Eritrea, Äthiopien, Somalia und dem Sudan. Diese Menschen haben nach internationalem Recht ein Anrecht auf Schutz. Doch die libyschen Behörden, Regierungen von sicheren Staaten sowie die Vereinten Nationen haben keinerlei Möglichkeiten für diese Menschen geschaffen, Asylanträge zu stellen. Europäische Staaten haben stattdessen sogar Mechanismen geschaffen, die Flüchtlinge daran hindern, Libyen zu verlassen. Dabei geht es unter anderem darum zu verhindern, dass Menschen das Mittelmeer überqueren.

Bei der großen Mehrheit derjenigen, die sich derzeit in Internierungslagern befinden, handelt es sich um Menschen, die auf See aufgegriffen wurden. Die von Europa unterstützte libysche Küstenwache bringt sie an die libysche Küste zurück. Auch die Bundesregierung ist für diese Maßnahmen und die Unterstützung der libyschen Küstenwache mitverantwortlich. Die ohnehin schlechten Lebensbedingungen in den völlig überfüllten Lagern in Tripolis haben sich so noch verschlimmert. Es gibt zu wenig Trinkwasser, Sanitäranlagern und medizinische Versorgung, was die Inhaftierten körperlich und seelisch krankmacht.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2011 in Libyen tätig. Seit 2016 leisten die Teams in Internierungslagern in Tripolis Hilfe. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige Organisation, die Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber aus Internierungslagern in Notfällen in Krankenhäuser überweist. Die Organisation ist ebenfalls in Internierungslagern in Khoms, Sliten und Misrata tätig und leistet medizinische Versorgung in Bani Walid.