Jemen

Krieg im Jemen: Bericht zeigt tödliche Konsequenzen für Mütter und Kinder

Ein zu früh geborenes Zwillingspaar wird in der Mutter-Kind-Klinik in Tais, Jemen besonders engmaschig untersucht. Die umliegenden Krankenhäuser wurden im Krieg zerstört.

Berlin/Sanaa, 24. April 2019. Der Krieg im Jemen hat dramatische Auswirkungen auf Schwangere und Babys. Das geht aus einem Bericht hervor, den Ärzte ohne Grenzen heute veröffentlicht. Aufzeichnungen aus einem von der internationalen Hilfsorganisation betriebenen Krankenhaus in Tais und einer von ihr unterstützten Klinik in Abs zeigen, wie tödlich die Konsequenzen des Konflikts für Mütter und Kinder sind.

Laut dem Bericht „Complicated delivery“ registrierten die Krankenhäuser in Al-Huban, einem Vorort der Großstadt Tais, und in der Stadt Abs zwischen 2016 und 2018 den Tod von 36 Müttern und 1529 Kindern, darunter 1018 Neugeborene. Fast ein Drittel der Todesfälle in der Klinik in Tais-Al-Huban waren Neugeborene, die bereits bei der Ankunft tot waren. Die Todesursachen bei den Neugeborenen waren vor allem Frühgeburt, Sauerstoffmangel bei der Geburt und schwere Infektionen.

Die Kriegsparteien im Jemen und ihre internationalen Unterstützer haben den Zusammenbruch des öffentlichen Gesundheitssystems herbeigeführt, das die Bedürfnisse der 28 Millionen Menschen im Land nicht mehr decken kann. Um eine funktionierende Gesundheitseinrichtung zu erreichen, in der sie sich die Behandlung auch leisten können, müssen viele Jemeniten Frontlinien überqueren oder mehrere Checkpoints passieren. Vor dem Konflikt konnten die Bewohner von Al-Huban in zehn Minuten ein öffentliches Krankenhaus im Stadtzentrum von Tais erreichen. Heute kann der Weg sechs Stunden dauern – und das für Schwangere oder Neugeborene in kritischem Zustand.  

„Luftangriffe und Kämpfe verhindern, dass Patienten aus dem Haus gehen, aus Angst vor Angriffen. Einmal wurde ein Auto aus der Luft getroffen und alle Insassen wurden getötet", berichtet eine Hebamme im Krankenhaus von Abs. Die schwierige Sicherheitslage trifft nicht nur Menschen, die medizinische Versorgung benötigen, sondern auch das medizinische Personal. „Unser Krankenhauspersonal zieht es vor, eine 14-stündige Nachtschicht statt einer 8-stündigen Tagesschicht zu arbeiten, um Fahrten nachts zu vermeiden", sagt Jana Brandt aus der Projektabteilung in Berlin, die die Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Tais-Al-Huban kürzlich einen Monat lang geleitet hat. Auch die Sorge vor Angriffen auf das Krankenhaus ist groß. Das Krankenhaus in Abs wurde bereits einmal getroffen.

Ärzte ohne Grenzen fordert alle Kriegsparteien auf, den Schutz von Zivilisten und medizinischem Personal zu gewährleisten und Verwundeten und Kranken den Zugang zu medizinischer Hilfe zu ermöglichen. Einschränkungen für humanitäre Organisationen müssen gelockert werden, damit diese schnell auf die massiven Bedürfnisse reagieren können. Internationale Hilfsorganisationen müssen ihre humanitäre Hilfe verstärken und mehr erfahrene Mitarbeiter in Gebiete mit dem größten Bedarf schicken.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Jemen mit mehr als 2.200 Mitarbeitern in 12 Krankenhäusern und Gesundheitszentren und unterstützt mehr als 20 Gesundheitseinrichtungen in 11 Provinzen: Abjan, Aden, Amran, Hadscha, Hodeida, Ibb, Lahdsch, Saada, Sanaa, Schabwa und Tais.