Indien

Tuberkulose-Überlebende fechten Medikamentenpatent von Johnson & Johnson an

In Indien behandeln wir Patienten mit extrem resistenter Tuberkulose. Für sie ist der Zugang zu neuen TB-Medikamenten enorm wichtig. Gemeinsam mit Aktivistinnen kämpfen wir gegen ein Patent von Johnson & Johnson (Archivbild 2016).

Mumbai/Kapstadt, 8. Februar 2019. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Patentklage zweier Tuberkulose-Überlebender in Indien. Die beiden Aktivistinnen wollen den Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) daran hindern, sein Monopol auf das wichtige Tuberkulose-Medikament Bedaquilin auszuweiten. Eine Ausweitung würde günstigere Nachahmerprodukte auf Jahre hin verhindern und hunderttausenden Patienten die beste Behandlung verwehren.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Bedaquilin als Kernstück einer Therapie gegen antibiotikaresistente Tuberkulose (DR-TB). Es soll bislang verwendete Medikamente ersetzen, die täglich injiziert werden müssen und schwerwiegende Nebenwirkungen wie den Verlust des Hörvermögens haben. 2017 entwickelten schätzungsweise 558.000 Menschen DR-TB, doch nur 25 Prozent von ihnen (etwa 140.000) wurden überhaupt behandelt. Das empfohlene Bedaquilin erhielten bis November 2018 weltweit lediglich 28.700 Menschen.

Nandita Venkatesan aus Mumbai (Indien) und Phumeza Tisile aus Khayelitsha (Südafrika), die die Patentklage beim Patentamt Mumbai eingereicht haben, überlebten beide resistente TB – jedoch für einen hohen Preis. Seitdem kämpfen sie dafür, dass für andere Patienten eine verträglichere Behandlung bezahlbar wird. „Ich verlor mein Gehör wegen der brutalen Nebenwirkung eines injizierten DR-TB-Medikaments, als ich 24 Jahre alt war", sagt Nandita Venkatesan, die ihre Behandlung 2015 abschloss. „Ich war am Boden zerstört und finanziell, emotional und mental schwer belastet. Wie viele Menschen müssen noch sterben oder taub werden und auf Medikamente warten, die ihr Leben ohne verheerende Nebenwirkungen retten können?“

Die angefochtene Patentanmeldung bezieht sich auf die Salzform von Bedaquilin, die nach dem indischen Patentrecht eigentlich keine Patentierung rechtfertigt. Im Falle einer Erteilung würde der bislang bis 2023 geltende Patentschutz von J&J bis 2027 verlängert, was den Markteintritt von Generika um vier weitere Jahre verzögern würde. Eine Verhinderung des ungerechtfertigten Patents dagegen würde TB-Medikamentenhersteller aus Indien ermutigen, Generika auf den Markt zu bringen und zu niedrigen Preisen an nationale TB-Programme und Behandlungseinrichtungen weltweit zu liefern.

„Die verbesserten Heilungs- und Überlebensraten für Menschen mit resistenter TB, die mit Bedaquilin behandelt werden, sind eindeutig belegt", sagt Dr. Anja Reuter, TB-Spezialistin von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. „Wenn diese Patentanmeldung abgelehnt wird, könnten generische Versionen des Medikaments früher und zu bezahlbaren Preisen erhältlich sein, hunderttausende Menschen retten und immenses Leid auf der ganzen Welt lindern." Sie wünsche niemandem, das durchzumachen, was sie durchgemacht habe, sagt Phumeza Tisile. Sie wurde 2013 von extrem resistenter TB (XDR-TB) geheilt.