Hepatitis C

Bei einem Hepatitis C-Patienten aus Pakistan wird in seiner ersten Behandlungswoche getestet, wie er auf die Behandlung anspricht.

71 Millionen Menschen weltweit sind an Hepatitis C erkrankt. Die Krankheit ist heilbar und es gibt wirksame Medikamente. Doch die Medikamente sind so teuer, dass Millionen von Patientinnen und Patienten sich die Behandlung nicht leisten können.

Hepatitis C ist eine Infektionskrankheit, die zu schweren Leberschäden führt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben daran jedes Jahr circa 490.000 Menschen. Das Hepatitis C-Virus (HCV) wird meist über das Blut übertragen. Die Betroffenen infizieren sich unter anderem durch verunreinigte und nicht sterile medizinische Instrumente, unzureichend kontrollierte Bluttransfusionen und Organtransplantate sowie beim Drogengebrauch. Zusätzlich sind schätzungsweise zwischen vier und fünf Millionen Menschen weltweit mit HIV und Hepatitis C ko-infiziert. HIV beschleunigt das Voranschreiten der Hepatitis C-Erkrankung. In reicheren Ländern ist Hepatitis C die häufigste Todesursache von Menschen, die mit HIV leben.

Fortschritte in der Hepatitis C-Behandlung - für viele Menschen unbezahlbar

Durch die Behandlung mit so genannten „direct acting antivirals“, also direkt wirkenden antiviralen Medikamenten (DAAs), haben sich die Behandlungsmöglichkeiten von Hepatitis C seit 2013 deutlich verbessert. Vor der Einführung der DAAs bestand die Therapie aus Injektionen und Tabletten. Die neuen Medikamente setzen nun direkt bei der Virusvermehrung an. Die Injektionen fallen weg, die Behandlung erfolgt nur noch mit Tabletten. Außerdem ist die Behandlungsdauer kürzer, die Heilungschancen sind größer und die Nebenwirkungen geringer. Doch aufgrund extrem hoher Preise der neuen Medikamente sind diese für den Großteil der Erkrankten unbezahlbar. Das bekannteste Beispiel ist das Medikament Sofosbuvir, das die Grundlage der meisten Hepatitis C-Kombinationstherapien bildet.

Behandlung von Hepatitis C: Die 1000-Dollar-Pille Sofosbuvir

Der Hersteller Gilead Sciences brachte das Medikament Sofosbuvir zur Behandlung von Hepatitis C in den USA anfänglich zu einem Preis von 1.000 US-Dollar pro Pille auf den Markt. In Europa schwanken die Kosten für eine zwölfwöchige Behandlung mit Sofosbuvir stark. Während eine Behandlung in Griechenland etwa 11.000 Euro kostet, variieren die Preise in Frankreich zwischen 27.800 und 41.000 Euro. In Deutschland kostet die Behandlung sogar rund 50.400 Euro. Bereits eine Tablette kostet etwa 600 Euro. Würden alle 300.000 Hepatitis-C-Patienten in Deutschland mit Sofosbuvir behandelt, würde das die deutschen Krankenkassen 15 Milliarden Euro kosten. Das wäre fast die Hälfte aller Ausgaben für Arzneimittel der gesetzlichen Krankenversicherungen im Jahr 2016.

Studien belegen inzwischen, dass sich die Herstellungskosten allerdings nur auf einen US-Dollar pro Pille belaufen. Die exorbitanten Preise führen weltweit zu erheblichen Zugangsbeschränkungen. Hepatitis C-Medikamente werden in einigen Ländern rationiert und nur die gravierendsten Fälle behandelt. Gleichzeitig sind wegen des Patentschutzes auf das Medikament Sofosbuvir in vielen Ländern keine kostengünstigen Generika erhältlich – obwohl diese bereits hergestellt werden. Uns ist es gelungen, für die Patienten in unseren weltweiten Projekten generische Präparate für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises zu beziehen. Dadurch kostet eine zwölfwöchige Behandlung nur noch 120 US-Dollar. Im Jahr 2015 mussten wir dafür noch zwischen 1.400 und 1.800 US-Dollar bezahlen. Doch weltweit haben viele Betroffene immer noch keinen Zugang zu den vergünstigten Medikamenten.

Schätzungen zufolge wurden bis Ende 2016 nur 2,1 Millionen Menschen mit neueren, auf Sofosbuvir basierenden Behandlungsmethoden behandelt. Doch noch immer warten mehr als 68,9 Millionen Menschen auf den Zugang zu den neuen direkt wirkenden antiviralen Medikamenten wie Sofosbuvir.

Patentanfechtung: neue Medikamente – alte wissenschaftliche Verfahren

Von der chemischen Wirkungsweise unterscheidet sich das Hepatitis C-Medikament Sofosbuvir kaum von seinen Vorgängerpräparaten. Revolutionär ist vielmehr die hohe Wirksamkeit des Medikaments. Da es der Rezeptur von Sofosbuvir somit an ausreichender Innovation mangelt, sind nicht alle Bedingungen einer Patenterteilung erfüllt. Deswegen haben wir im März 2017 zusammen mit 17 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen beim Europäischen Patentamt Einspruch gegen das Patent von Gilead Sciences für Sofosbuvir eingelegt. Die nächste Verhandlung zu dem Patent des Pharmakonzerns findet am 13. und 14. September 2018 in München statt. Dann entscheidet das Amt, ob das Patent aufrechterhalten, geändert oder widerrufen wird.

Wenn das Patent und das anschließende Monopol aufgehoben würden, wäre dies ein wichtiger Schritt, um die Herstellung oder den Import von erschwinglichen generischen Versionen von Sofosbuvir in Europa zu ermöglichen. Dies würde mehr Menschen den Zugang zur Behandlung ermöglichen, Gesundheitssysteme vor einer großen finanziellen Belastung durch hohe Preise bewahren und einen starken Präzedenzfall schaffen. In China und der Ukraine wurden Patente auf Sofosbuvir bereits aufgehoben. In weiteren Ländern, darunter Argentinien, Brasilien, Russland und Thailand, laufen die Verfahren noch.

Ein erfolgreicher Einspruch wäre ein Signal für andere Regionen und Länder, in denen die hohen Preise den Zugang zu effektiven Behandlungen einschränken. Patentanfechtungen stellen eine wichtige Möglichkeit dar, die Marktmacht solcher Patente einzuschränken, indem ihre Dauer verkürzt oder die Gültigkeit des Patentschutzes aufgehoben wird. Ein Wettbewerb mit Generika-Herstellern wird so möglich und die Preise sinken.