Demokratische Republik Kongo

Tausende fliehen nach erneuten Kämpfen

Vertriebene bei Kibati lassen sich am Straßenrand nieder.

Nach erneuten Kämpfen in Nord-Kivu im Nordosten Kongos verschlechtert sich die Lage zusehends und verändert sich von Stunde zu Stunde. Tausende fliehen vor den Gefechten in der Nähe der Provinzhauptstadt Goma, unzählige Menschen sind bereits seit Wochen auf der Flucht und wurden erneut vertrieben. Ärzte ohne Grenzen leistet unabhängige medizinische Nothilfe für Menschen in Städten und Lagern im gesamten Krisengebiet. In Kitchanga, Masisi, Mweso und Rutshuru ist Ärzte ohne Grenzen derzeit die einzige internationale Organisation, die vor Ort medizinische und humanitäre Hilfe leistet. Teils finden die Teams verlassene Dörfer vor, in denen sie in der Woche zuvor noch Hilfe geleistet haben.

Am Sonntag haben Mitarbeiter in der Stadt Rutshuru 70 Kriegsverletzte versorgt und sind seitdem rund um die Uhr im Einsatz. Die Teams leisten auch Hilfe in Nyanzale und Kayna. In der Nähe von Kibumba, einem Dorf zwischen Rutshuru und Goma, brachen am Montag heftige Gefechte aus. Tausende Menschen aus Kibumba und naheliegenden Vertriebenencamps sind in zwei bereits bestehende Lager nach Kibati geflohen, das etwa zwölf Kilometer von Goma entfernt ist.

"Sobald wir von der Situation in Kibati erfahren haben, haben wir Teams geschickt, um die Lage zu prüfen", erklärt Marie-Noëlle Rodrigue, Leiterin der Noteinsätze von Ärzte ohne Grenzen in Paris. "Wir konnten beobachten, dass sich viele Menschen aus der Region um Kibumba am Straßenrand niedergelassen haben. Die meisten von ihnen sind schon einmal geflohen und haben bereits in Vertriebenencamps gelebt. Jetzt müssen sie schon wieder fliehen. Für sie ist die Situation extrem schwierig, da sie nur das mitnehmen konnten, was sie tragen konnten. Sie brauchen Unterkünfte, Essen und sauberes Wasser - und das so schnell wie möglich. Wir sind dabei, uns ein Bild der Lage zu verschaffen, um möglichst schnell angemessen reagieren zu können."

Ärzte ohne Grenzen ist in drei Krankenhäusern in Nord-Kivu tätig und unterstützt mehrere Gesundheitsstationen bei der Grundversorgung von Patienten. Darüber hinaus betreibt die Organisation so genannte mobile Kliniken, um bedürftige Menschen medizinisch zu versorgen, die aus verschiedenen Gründen nicht selbst zu den Gesundheitsstationen kommen können. Ärzte ohne Grenzen schickt nun weitere internationale Helfer in die Region und errichtet eine neue Basis in Bukavu in Süd-Kivu, um die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen.

"Es ist nicht immer leicht, die vertriebenen Menschen zu finden"

"Sowohl in den Gebieten um Kitchanga und Mweso als auch rund um Masisi und Nyanzale haben wir mobile Kliniken im Einsatz, um die Menschen zu erreichen, die selbst nicht zu uns kommen können", sagt Annie Desilets, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Kitchanga. "Es ist nicht immer leicht, die vertriebenen Menschen zu finden. In einer Woche versorgen wir Menschen in einem Dorf, das in der nächsten oftmals schon verlassen ist. Ob sie in einem Zentrum, einem Dorf oder einem Camp sind, wo wir sie medizinisch versorgen können? Oder sich vielleicht im Busch verstecken, wo wir sie nicht erreichen können? Wir wissen es nicht."