Sri Lanka

Medizinische Prioritäten von Ärzte ohne Grenzen im Norden

Ärzte ohne Grenzen leistet noch immer chirurgische und medizinische Hilfe für die Vertriebenen im Distrikt Vavuniya im Norden Sri Lankas. Einige kriegsverletzte Patienten benötigen spezielle Pflege, beispielsweise orthopädische Chirurgie. Etwa 95.000 Menschen sind noch in dem Lager Manik Farm. In den Gegenden, in die die Vertriebenen zurückkehren, ist zusätzliche medizinische Hilfe nötig.

Nach der offiziellen Entlassung der verbliebenen 125.000 Vertriebenen aus Manik Farm am 1. Dezember haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen, die im benachbarten Krankenhaus arbeiten, bemerkt, das viele der Vertriebenen im Lager geblieben sind und darauf warten, dass sie umgesiedelt werden. Ein paar Tausend haben das Lager mit dem vorläufigen Pass verlassen, hauptsächlich um die Familien in der näheren Umgebung zu suchen. Die meisten Vertriebenen haben keine Mittel und sind auf Hilfe angewiesen, um zu reisen und ihr Leben in der heimatlichen Region wieder aufbauen zu können.

Zehntausende Vertriebene sind während der vergangenen zehn Monate in andere Distrikte umgesiedelt worden, hauptsächlich nach Jaffna und Mannar. Einige sind in Dörfer in der Region Vanni zurückgekehrt. Vanni ist die ehemalige Kriegszone, in der die meisten Gesundheitseinrichtungen während des Konfliktes zerstört wurden.

Medizinische Bedürfnisse verschieben sich von Vavuniya in Umsiedlungsgebiete

Ärzte ohne Grenzen hat mit dem Gesundheitsministerium die medizinische Hilfe diskutiert, die die Organisation in den Rückkehrgebieten leisten könnte. Auf der Halbinsel Jaffna, auf der kürzlich Zehntausende Vertriebene aus den Lagern in Vavuniya angekommen sind, arbeitet Ärzte ohne Grenzen seit mehreren Jahren im Krankenhaus der Stadt Point Pedro mit dem Gesundheitsministerium zusammen. Außerdem hat die Organisation in der Region Vanni aufgrund früherer Projekte in den Städten Mannar, Mullaitivu und Kilinochi Erfahrungen.  Der Aufbau der Gesundheitsdienste ist nach vielen Jahren des Konflikts eine immense Herausforderung. Die Gesundheitsbehörden haben ihren Willen bekundet, diese Aufgabe zu bewältigen. Ärzte ohne Grenzen erwartet, dass der Bedarf nach Gesundheitsversorgung steigen wird und ist darauf vorbereitet, das Gesundheitssystem während der Wiederaufbauphase zu unterstützen.

Behandlung von Kriegsverletzten geht weiter

Orthopädische Behandlungen und Rehabilitierung sind weiterhin eine wichtige medizinische Priorität der sri-lankischen Chirurgen und der Teams von Ärzte ohne Grenzen im allgemeinen Krankenhaus in Vavuniya und im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen. Im ayurvedischen Krankenhaus in der Stadt Pompaimadhu werden mehr als 50 Patienten mit Rückenmarksverletzungen behandelt und vor einem Monat haben die Mitarbeiter dort mit Rehabilitierungsmaßnahmen begonnen.

Die chirurgische Unterstützung für mehrere Tausend Kriegsverletzte war eine der Hauptaufgaben während der vergangenen sechs Monate, in Ergänzung zu oder aber in den Krankenhäusern des Gesundheitsministeriums. Die Hauptursache für die Aufnahme der etwa 3.000 Patienten im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen zwischen Juni bis November sind Traumata und Wunden. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben in diesem Krankenhaus mehr als 500 Traumafälle behandelt, die Folge des Konflikts waren. Mehr als 200 von ihnen benötigten mindestens einen chirurgischen Eingriff, um beispielsweise Granatsplitter zu entfernen. 

Gesundheitsversorgung in Vavuniya

Die Mitarbeiter haben im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Vavuniya in der Zeit von Juni bis November 1.350 chirurgische Eingriffe vorgenommen.  Jede Woche werden etwa 150 Patienten im Krankenhaus aufgenommen. Die meisten Patienten, die aufgenommen werden, kommen aus den Zonen des Lagers Manik Farm. Sie werden von medizinischen Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums überwiesen, die in den medizinischen Einrichtungen im Lager arbeiten.

Die Zahl der ambulanten Behandlungen hat kontinuierlich zugenommen, seit August werden durchschnittlich 750 Patienten pro Woche behandelt. In den vergangenen Wochen kamen auch Patienten aus dem Dorf Manik Farm. Die meisten Patienten, die ambulant behandelt werden, haben Atemwegsinfektionen (20 Prozent), während nahezu ein Viertel der Patienten kommt, um die Wunden verbinden zu lassen.

Seit November arbeiten Spezialisten von Ärzte ohne Grenzen mit sri-lankischen Psychologen und dem Gesundheitsministerium zusammen, um den vom Krieg traumatisierten Menschen professionelle psychologische Hilfe anzubieten. Es ist sieben Monate nach Beendigung der Kämpfe für die Bevölkerung, die in der Region Vanni war, wichtig, dass sie nicht nur im Krankenhaus Zugang zu dringend benötigter psychiatrischer und psychologischer Hilfe hat.

Ärzte ohne Grenzen hat im Distrikt Vavuniya darüber hinaus ein Ernährungsprogramm für die schutzlose Bevölkerung und stellt in einigen Zonen sauberes Trinkwasser zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium haben die Teams außerdem einen Notfallplan erarbeitet, um auf Epidemien während des Monsuns reagieren zu können.