Ebola in Guinea

Ebola: „Die Betroffenen zu isolieren, hat oberste Priorität“ - Interview

Nach 30 Minuten in dem Spezial-Anzug, bei einer Durchschnittstemperatur von 30°C, sind die Helfer erschöpft. Dennoch müssen sie das aufwändige Verfahren gewissenhaft durchführen und sich die dafür benötigte Zeit nehmen.

Guinea in Westafrika ist zum ersten Mal von einer Ebola-Epidemie betroffen. Der Ausbruch wurde am 22. März offiziell vom Gesundheitsministerium des Landes bestätigt. Nach Angaben der Behörden gibt es bislang 86 Verdachts- und 59 Todesfälle. Für die Helfer vor Ort hat es nun oberste Priorität, Patienten mit Ebola-Symptomen auszumachen und zu isolieren. Gleichzeitig geht es darum, die Erkrankten so gut wie möglich zu versorgen. Zusammen mit dem Gesundheitsministerium hat Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Guéckédou eine Isolierstation aufgebaut und tut dies nun auch in Macenta. Beide Städte liegen in der Urwaldregion im Süden Guineas. Mobile Teams beobachten außerdem die Situation in den Orten Kissidougou und Nzérékoré in der näheren Umgebung sowie in den Nachbarstaaten. Insbesondere sind dies Sierra Leone und Liberia, von wo Verdachtsfälle gemeldet wurden.

„Bei Ebola bricht jedes Mal Panik aus“

Esther Sterk ist Spezialistin für tropische Krankheiten bei Ärzte ohne Grenzen. Während ihrer zahlreichen Einsätze führten sie Ebola-Ausbrüche mehrmals nach Uganda und in die Demokratische Republik Kongo. Zuletzt war das im Sommer 2012 der Fall.

Was ist das Besondere an Ebola?

Es ist eine sehr seltene Krankheit. Obwohl die Ausbrüche von begrenztem Ausmaß sind, bricht jedes Mal Panik aus. Das liegt daran, dass das Ebola-Fieber in 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Nach einer Inkubationszeit zwischen zwei und 21 Tagen verursacht die Krankheit plötzliches hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und allgemeines Unwohlsein. In einer zweiten Phase folgen Erbrechen, Durchfall und manchmal ein Hautausschlag. Das Virus breitet sich über das Blut aus und schaltet das Immunsystem aus. Ebola wirkt auch deshalb so  erschreckend, weil der Organismus die Viren nicht sofort wahrnimmt. Bis der Körper reagiert, ist es oftmals schon zu spät. Die Patienten bluten stark, auch aus der Nase und der Harnröhre. Die Krankheit wird durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten von infizierten Menschen oder Tieren, wie Urin, Schweiß, Blut oder Muttermilch übertragen. Familienangehörige und Pflegepersonal, die an Ebola Erkrankte pflegen, sind einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Die hohe Sterblichkeit und die starken Blutungen sind so furchterregend, dass es häufig vorkam, dass das Pflegepersonal die Flucht ergriffen und die Patienten ihrem Schicksal überlassen hat. Auch Beerdigungsrituale in afrikanischen Gemeinden, während denen Angehörige die Verstorbenen waschen, bergen ein hohes Ansteckungsrisiko.

Es gibt keine Behandlung gegen Ebola – was also macht Ärzte ohne Grenzen?

Auch wenn es keine Behandlung gibt, können wir die sehr hohe Sterblichkeit reduzieren, indem wir die Symptome behandeln. Wir versorgen die dehydrierten Patienten mit Infusionen und prüfen, ob sie weitere Krankheiten wie Malaria oder andere bakterielle Infektionen wie Typhus haben. Zudem können Vitamine und Schmerzmittel sinnvoll sein. Wenn ein Patient bewusstlos wird und heftig blutet, gibt es keine Hoffnung. In solchen Fällen machen wir eine Schmerzbehandlung und begleiten ihn bis zum Tod.

Ärzte ohne Grenzen war in den vergangenen Jahren immer beteiligt, wenn es darum ging, eine Ebola-Epidemie zu bekämpfen. Sobald der erste Fall durch einen Bluttest bestätigt ist, müssen alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt einen Schutzanzug tragen, Handschuhe und eine Maske mit einer Schutzbrille. Sie müssen extrem vorsichtig sein. Zwischen der Isolierstation, in der sich die Patienten befinden und der externen Umgebung wird eine Dekontaminationskammer eingerichtet. Um die Epidemie einzugrenzen, ist es ganz wichtig, die gesamten Übertragungswege nachzuverfolgen. Alle, die Kontakt mit einem Patienten hatten und sich daher möglicherweise angesteckt haben, werden beobachtet und beim ersten Anzeichen einer Infektion sofort isoliert. Die betroffenen Gemeinden müssen über die Krankheit informiert werden und darüber, welche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen. Schon grundlegende Hygieneregeln wie das Waschen der Hände können die Übertragungsgefahr deutlich reduzieren.

Wie sehen die Perspektiven beim Kampf gegen Ebola aus?

Es gibt einige Länder, die sich im Zusammenhang mit dem Schutz gegen biologische Waffen und Bioterrrorismus dafür interessieren. Wegen der wenigen Epidemien und geringen Patientenzahlen ist die Forschung begrenzt. Sie befasst sich unter anderem mit der Herkunft des Virus und mit Fledermäusen, die als natürliche Träger des Virus vermutet werden.

In den vergangenen Jahren hat Ärzte ohne Grenzen bei sämtlichen Ebola-Epidemien geholfen, das Virus zu bekämpfen. Es sind jeweils auch andere Akteure anwesend, aber wir haben viel Erfahrung. Es wird eine große Menge an Material benötigt, um die Patienten zu isolieren und um eine Ansteckung des Pflegepersonals zu vermeiden. Wir versuchen, bei einem Ebola-Ausbruch unsere Reaktionsfähigkeit zu erhöhen. Das ist das Allerwichtigste: Sobald der erste Fall bestätigt ist, muss man so schnell wie möglich handeln. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass Ebola oft in sehr abgelegenen Orten auftritt. Es braucht seine Zeit, bis die Krankheit festgestellt werden kann und bis die Gesundheitsbehörden in Kenntnis gesetzt sind. Außerdem ähneln die ersten Symptome stark denen von Malaria. Aus diesem Grund bilden wir das Gesundheitspersonal so aus, dass es rasch handeln kann.

 

Fakten zu Ebola

Ebola ist die Bezeichnung für mehrere Stämme desselben Virus. Beim Menschen wurde das Virus zum ersten Mal 1976 entlang des Ebola-Flusses in der Demokratischen Republik Kongo sowie im Sudan festgestellt. Die Viren sind die Ursache für das hämorrhagische Fieber Ebola, eine verheerende Krankheit, die mit inneren und äußeren Blutungen einhergeht und meist tödlich verläuft. Die Symptome ähneln denen einer Infektion mit dem Marburg-Virus. Es gibt weder eine spezifische Therapie noch eine Impfung gegen Ebola.
Es wird vermutet, dass bestimmte Fledermausarten aus den Regenwäldern Zentral- und Westafrikas die natürlichen Träger des Virus sind.  Als solche weisen sie keinerlei Symptome auf und scheinen aber große Affen und Menschen über ihren Kot oder durch Bisse anzustecken. Das Virus kann sich auf den Menschen auch nach dem Kontakt mit toten oder lebenden infizierten Tieren oder mit anderen infizierten Personen übertragen.
Den letzten Ebolaausbrüchen sind im Spätsommer 2012 mehrere Dutzend Menschen in Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo zum Opfer gefallen. So gefährlich die Krankheit ist, so selten ist sie glücklicherweise. Seit der Entdeckung des Virus im Jahr 1976 wurden ungefähr 2.200 Fälle erfasst, wovon mehr als 1.500 tödlich verliefen. Allerdings muss man von einer höheren Dunkelziffer  ausgehen. Es gilt beinahe als sicher, dass sporadische Fälle oder gar Epidemien unentdeckt bleiben, da sie in sehr abgelegenen Orten vorkommen können, wo die Bevölkerung keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hat.