Haiti

Die Zeltkrankenhäuser ziehen um - Übergang zu dauerhaften Gesundheitsstrukturen

Haiti: Die Zeltkrankenhäuser ziehen um - Übergang zu dauerhaften Gesundheitsstrukturen
Am 12. Januar 2010 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 7 große Teile der Hauptstadt Port-au-Prince und angrenzender Orte. Hunderttausende Menschen kamen um, geschätzte 300.000 Menschen wurden verletzt, 1,5 Millionen Menschen obdachlos. Nur kurze Zeit darauf forderte eine Cholera-Epidemie im Land weitere 5.000 Menschenleben.
Ärzte ohne Grenzen begann unmittelbar nach dem Beben mit der Hilfe für die Erdbebenopfer und hat in 2010 für die Projekte dort 100 Mio. Euro ausgegeben. Für 2011 ist ein Budget von 50 Mio. Euro vorgesehen, denn auch eineinhalb Jahre nach der Katastrophe gibt es einen enormen Bedarf an medizinischer Unterstützung in dem Land.

Insbesondere in der Chirurgie, postoperativen Pflege und Geburtshilfe gibt es großen Bedarf.

Auch die Cholera-Epidemie ist noch nicht ausgestanden. Ärzte ohne Grenzen verzeichnete in den Behandlungszentren Mitte Mai 2011 wieder wachsende Patientenzahlen. 130.000 Cholera-Patienten haben die Teams seit dem Ausbruch der Epidemie im Oktober behandelt.

In den Monaten nach dem Erdbeben hatte Ärzte ohne Grenzen fünf Krankenhäuser eröffnet - zunächst mit provisorischem Charakter.

 

Das Krankenhaus von Saint-Louis wurde kurz nach dem Beben als Zeltkrankenhaus auf einem Sportplatz von Port-au-Prince errichtet, es diente als Trauma-Zentrum.

Am 9. Mai 2011 konnte es in den Norden der Stadt verlegt werden. Ärzte ohne Grenzen informiert die Bewohner der Camps über den Umzug des Krankenhauses.

Der Schwerpunkt orthopädische Chirurgie des Saint-Louis-Krankenhauses bleibt auch in der neuen Einrichtung erhalten. Zudem werden Physiotherapie und psychologische Betreuung angeboten.

Die Behandlungsbereiche sind aus Holz konstruiert, für die technischen Bereiche des neuen 170-Betten-Krankenhauses wurden modulare Elemente aus umgebauten Containern eingesetzt.

Noch im Bau befindet sich ein medizinisch-chirurgisches Zentrum in Tabarre. Ärzte ohne Grenzen will das 115-Betten-Krankenhaus im Osten von Port-au-Prince bis Ende 2011 fertigstellen.

 

Zudem wurde in der Hauptstadt am 8. März 2011 ein Referenzkrankenhaus mit Geburts- und Neugeborenenhilfe eröffnet.

Haiti hat die höchste Müttersterblichkeitsrate des Kontinents, mit mehr als 600 Todesfällen auf 100.000 Geburten. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei mehr als 50 Todesfällen auf 1.000 Geburten.

Das Krankenhaus von Bicentenaire im Süden von Port-au-Prince – ebenfalls von Ärzte ohne Grenzen als Notfallkrankenhaus kurz nach dem Erdbeben eingerichtet – soll noch in diesem Jahr geschlossen werden, sobald die neuen dauerhaften Krankenhaus-Strukturen in Betrieb sind.

Erhalten bleiben soll dagegen das Krankenhaus in Léogane, das Ärzte ohne Grenzen wenige Tage nach dem Erdbeben aufgebaut hatte. Die westlich von Port-au-Prince in unmittelbarer Nähe des Epizentrums gelegene Region war zu 80 Prozent zerstört worden.

Das 150-Betten-Krankenhaus ist nach wie vor das einzige in der Gegend und soll an das Gesundheitsministerium übergeben werden.

250 internationale und 3.000 haitianische Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind zurzeit in Haiti im Einsatz.