Sudan - Südsudan - Tschad
Der Krieg im Sudan sorgt für Krisen, weit über die eigenen Grenzen hinaus. Die Länder Sudan, Südsudan und Tschad sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden: durch familiäre Netzwerke, grenzüberschreitenden Handel und große Fluchtbewegungen infolge verschiedener Konflikte. Die aktuelle Gewalt im Sudan hat deshalb unmittelbare Folgen für seine Nachbarländer.
Flucht und Vertreibung: Auf der Suche nach Sicherheit
Im Sudan spielt sich derzeit die größte humanitäre Krise der Welt ab. In der Folge sind mehr als 13 Millionen Sudanes*innen auf der Flucht, die meisten innerhalb des Landes. Viele andere haben in Nachbarländern Schutz gesucht. So sind mehr als eine Million Menschen seit Beginn des Krieges im Tschad angekommen und im Südsudan mehr als eine halbe Million. Hinzu kommen südsudanesische Rückkehrende, die früher aus ihrer Heimat in den Sudan geflohen waren und nun erneut fliehen müssen. Im Südsudan selbst sind mehr als 1,8 Millionen Menschen infolge von Gewalt oder Überschwemmungen vertrieben.
Die meisten Geflüchteten leben in provisorischen Camps oder bei Aufnahmegemeinden. Doch diese Gemeinden sind vielerorts selbst nur unzureichend versorgt. Für viele Menschen endet die Flucht vor der Gewalt deshalb nicht in Sicherheit, sondern in neuer Not.
Druck auf Gesundheitsversorgung, Wasser und Ernährung
Im Tschad treffen Geflüchtete aus dem Sudan auf ein bereits stark belastetes Gesundheitssystem. Zugleich fehlt es vielerorts an sauberem Wasser, Sanitäranlagen und ausreichend Nahrungsmitteln. In den engen Camps können sich Krankheiten wie Masern oder Diphtherie schnell ausbreiten. Weil auch das Gesundheitssystem im Tschad selbst überlastet ist, bleiben Ausbrüche oft nicht auf die Camps beschränkt, sondern gefährden auch die Aufnahmegemeinden. In Adré, einem wichtigen Ankunftsort für Geflüchtete aus dem Sudan, hat sich die Bevölkerung seit Beginn des Krieges versechsfacht. Dort leben inzwischen rund 200.000 Menschen.
Wir unterstützen im Tschad sowohl Geflüchtete als auch Aufnahmegemeinden mit medizinischer Versorgung. Dabei helfen wir dort, wo wir die Gesundheitsbehörden sinnvoll unterstützen und kritische Versorgungslücken schließen können. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Mutter-Kind-Versorgung, denn der Tschad gehört zu den Ländern mit der höchsten geburtsbedingten Sterblichkeit weltweit.
Auch im Südsudan ist das Gesundheitssystem chronisch unterfinanziert. Zunehmend werden Gesundheitseinrichtungen angegriffen und medizinische Hilfe behindert. Gewalt, Vertreibung und die Folgen der Klimakrise verschärfen die Lage weiter. Überschwemmungen zerstören Felder, Häuser und andere Lebensgrundlagen. Das treibt die Ernährungsunsicherheit an und erhöht das Risiko für Krankheiten wie Cholera und Malaria. In vielen Regionen ist medizinische Versorgung kaum noch verfügbar oder bereits zusammengebrochen.
Unsere Teams leisten Nothilfe, etwa durch den Bau von Brunnen, die Versorgung mit Wasser und die Behandlung mangelernährter Menschen. Zugleich unterstützen wir langfristig die Gesundheitsversorgung, zum Beispiel durch die Ausbildung von Fachpersonal.
Im Tschad und im Südsudan verschärft der Krieg im Sudan die Lage in Gesundheitssystemen, die bereits überlastet oder kaum noch funktionsfähig sind. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Hilfe.
Die Gewalt in den Grenzregionen nimmt zu
Besonders in Nord-Darfur im Sudan, nahe der Grenze zum Tschad, treffen schwere Angriffe immer wieder auch die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur. Viele Menschen fliehen daraufhin über die Grenze ins Nachbarland – oft auch Verletzte, die dringend medizinische Hilfe brauchen.
Auch in Richtung Südsudan weitet sich der Konflikt aus. Gleichzeitig ist die Sicherheitslage im Südsudan seit der Unabhängigkeit 2011 äußerst fragil. Rivalisierende bewaffnete Gruppen, Gewalt, Flucht und Rückkehrbewegungen überlagern sich und verschärfen die Spannungen im Land zusätzlich.
Kürzungen internationaler Hilfe verschärfen die Krise
Während sich in der Region mehrere Krisen überlagern, geht die internationale Hilfe zurück. Mittel werden gekürzt – auch durch den Wegfall der Finanzierung USAID. Zugleich erreicht immer weniger Unterstützung die Menschen, weil das humanitäre Völkerrecht zunehmend missachtet wird und Angriffe auf Helfende oft folgenlos bleiben. Hilfsorganisationen sehen sich deshalb gezwungen, ihre Arbeit einzuschränken oder sich ganz zurückzuziehen.
Dabei ist internationale Hilfe unverzichtbar. Im Südsudan etwa leisten internationale Organisationen mehr als 80 Prozent aller Gesundheitsdienste. Fällt diese Unterstützung weg, können lokale Strukturen die Lücke nicht schließen.
Der Krieg im Sudan braucht mehr internationale Aufmerksamkeit. Der Sudan-Krieg betrifft die gesamte Region. Internationale Geber müssen deutlich mehr Mittel für medizinische und humanitäre Hilfe bereitstellen.
Häufige Fragen
Sudan und Südsudan sind zwei eigenständige Staaten. Südsudan wurde 2011 unabhängig. Sudan liegt nördlich von Südsudan, die Hauptstadt ist Khartum. Südsudan liegt südlich von Sudan, die Hauptstadt ist Juba.
Nein. Südsudan ist seit 2011 ein unabhängiger Staat.
Viele Menschen fliehen aus Sudan in den Südsudan oder kehren dorthin zurück. Zusätzlich ist Südsudan wirtschaftlich eng mit Sudan verbunden, unter anderem über Öltransportwege. Der Krieg belastet daher Versorgung, Wirtschaft und Sicherheit.
Viele Menschen fliehen aus Darfur und anderen Regionen im Westen Sudans in den Tschad, weil dieser geografisch nahe liegt. Besonders der Osten des Tschad ist dadurch stark belastet.
Nachbarländer können Schutz bieten, humanitären Zugang ermöglichen und diplomatisch Einfluss nehmen. Gleichzeitig sind sie selbst von Fluchtbewegungen, Sicherheitsrisiken und wirtschaftlichen Folgen betroffen.
Ein Kriegsende könnte Fluchtbewegungen reduzieren und humanitären Zugang verbessern. Die Folgen des Krieges würden aber weiter bestehen: zerstörte Infrastruktur, Hunger, Krankheiten, Traumata und wirtschaftliche Schäden müssten langfristig bewältigt werden.
-
Unsere Hilfe im Sudan
Durch den Krieg im Sudan sind Millionen auf Hilfe angewiesen, während 80 % der medizinischen Einrichtungen nicht funktionsfähig sind.
-
Unsere Hilfe im Südsudan
Wir leisten medizinische Hilfe - auch für Geflüchtete aus dem Sudan -, versorgen mangelernährte Kinder und impfen sie.
-
Unsere Hilfe im Tschad
Wir handeln angesichts der anhaltenden Gesundheitskrise - z.B. leisten wir Unterstützung bei Epidemien & Ernährungsnotständen.
So können Sie helfen
Werden Sie aktiv und unterstützen Sie unsere weltweite humanitäre Arbeit.