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Ebolafieber: Als Kleinkind allein auf der Isolierstation

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Portrait der Autorin

Rupa Narra

Ich arbeite seit mehr als 15 Jahren als Kinderärztin für Ärzte ohne Grenzen. Mein 24. Einsatz führte mich zum Ebolafieber-Behandlungszentrum in Butembo, einer Stadt in der Demokratischen Republik Kongo.

Achtung: Der folgende Text beschreibt den Tod von Kleinkindern und kann emotional stark belasten.

Als ich Mitte August 2026 in Butembo ankam, ahnte ich noch nicht, dass mich dort mein bisher schwerster Einsatz erwarten würde. 

„Es tut mir zutiefst leid, aber Ihr Kind wird die Nacht wahrscheinlich nicht überleben.“ 

Viel zu oft musste ich diesen Satz über die Lippen bringen. Während meiner Zeit dort wurden etwa 30 Kinder im Behandlungszentrum für Ebolafieber aufgenommen. Darunter waren mehrere Neugeborene, der Großteil kaum älter als 1,5 Jahre. Nur 6 von ihnen überlebten.

Viele der Kinder wurden in einem sehr kritischen Zustand zu uns gebracht. Deshalb zeige ich keine Bilder von ihnen in diesem Blogartikel.

Wenn Schutz heißt, selbst Babys zu isolieren

Sobald sie in unserer Einrichtung ankamen und positiv auf die Ebola-Krankheit getestet wurden, durften keine Familienangehörigen ohne Symptome sie begleiten. Diese Regel wird vom Gesundheitsministerium festgelegt, um weitere Ansteckungen in den Familien zu verhindern. Ich verstehe diese Entscheidung. In der Realität bedeutete es jedoch, ein Baby oder Kleinkind über lange Zeiträume allein in einem Zimmer zurückzulassen. Das ist fast unmöglich zu begreifen und noch schwerer zu akzeptieren.

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Zwei Menschen in Schutzbekleidung untersuchen eine erkrankte Person
Jeder Körperkontakt kann zur Ansteckung führen und muss daher vermieden werden. Auch, wenn es sich um ein krankes Kind handelt.
© Augustin Mudiayi/MSF

Viele dieser Kinder waren von Anfang an allein auf der Station, weil sonst niemand in ihrer Familie infiziert war. Sicher belegen lässt sich die Ursache nicht. Es gibt jedoch plausible Erklärungen: Manche Angehörige sind während der Ebola-Epidemie 2018 geimpft worden und könnten dadurch geschützt sein. Ebenso denkbar ist, dass sich die Kinder bei der Behandlung von weitverbreiteten Erkrankungen wie Durchfall oder Malaria in anderen Gesundheitseinrichtungen angesteckt haben.

 

Chlorgeruch und fremde Gestalten

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2 Personen in Schutzkleidung
Wir desinfizieren z.B. die Kleidung von infizierten Patient*innen in chloriertem Wasser.
© Paul Lorgerie/MSF

Stellen Sie sich vor: Sie liegen allein mit hohem Fieber im Krankenzimmer. Alles riecht nach Chlor. Hin und wieder betreten Menschen in Ganzkörperanzügen den Raum. Hinter Schutzbrillen und Masken sind ihre Gesichter kaum zu erkennen. Was für Erwachsene schon herausfordernd klingt, kann Kindern große Angst bereiten – und ist trotzdem notwendig beim Trösten, Füttern und Windeln wechseln.

 

Ebolafieber ist hochansteckend. 

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Eine Frau hält ein Baby auf dem Arm
Diese ehemalige Ebola-Patientin kümmerte sich um ein infiziertes Neugeborenes auf der Station. Wir wissen noch nicht, ob genesene Menschen erneut erkranken können – dieses Risiko nahm sie in Kauf.
© Lucie Ringué/MSF

Jede Person, die den Hochrisikobereich betritt, trägt spezielle Schutzkleidung. Die Arbeit in Schutzanzügen ist unglaublich anstrengend: Sie sind schwer und es wird darin schnell sehr heiß - insbesondere bei hohen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Aus Sicherheitsgründen dürfen unsere Mitarbeitenden die Schutzausrüstung daher nicht länger als eine Stunde am Stück tragen. Das machte eine durchgängige Betreuung der infizierten Kinder im Behandlungszentrum äußerst schwierig. Um die Kinder in der Hochrisikozone rund um die Uhr zu betreuen, hätten wir bei voller Auslastung täglich mindestens 24 Mitarbeitende gebraucht. Die gab es nicht.

Manchmal wurde uns geraten, Kinder in die Obhut erwachsener Patient*innen zu geben. Doch die meisten davon waren selbst zu krank, um sich aufzusetzen oder zu trinken. Undenkbar, sich in diesem Zustand um ein lebhaftes Kleinkind zu kümmern.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen 

Die kongolesischen medizinischen Fachkräfte, mit denen ich im Behandlungszentrum zusammenarbeitete, waren hochqualifiziert. Allerdings hatten die meisten von ihnen wenig Erfahrung in der Pädiatrie. Sie behandelten Kinder wie kleine Erwachsene, und das war nicht ihre Schuld. Entweder waren sie nicht für die Versorgung von Kindern ausgebildet, oder es standen ihnen keine geeigneten Behandlungsmethoden zur Verfügung.  

Ich etablierte daher 3 einfache, aber entscheidende Maßnahmen: 

  • die Verwendung von Infusionssets speziell für Kinder, da ein Infusionsset für Erwachsene einem Kind 20- bis 80-mal zu viel Flüssigkeit zuführen kann  
  • die Behandlung von Unterzuckerung mit 10-prozentiger Glukose statt mit 50-prozentiger, um die Venen der Kinder zu schonen 
  • die kindgerechte Verabreichung von Sauerstoff

 

Besonders in Krisen brauchen Kinder unsere Aufmerksamkeit

Ich denke noch oft an die Kinder von Butembo – viele von ihnen starben allein. Trotz all unserer Bemühungen ist die Sterblichkeitsrate zwar zurückgegangen, aber noch immer viel zu hoch. Damit sich das ändert, müssen die Bedürfnisse von Kindern bei jedem nächsten Schritt mitgedacht werden: bei der Entwicklung von Therapien, bei klinischen Studien und bei jeder anderen Initiative, die sie betrifft. Zum Beispiel werden allzu oft Kinder und schwangere Frauen bei Studien zu Impfstoffen oder Behandlungsmethoden vernachlässigt und profitieren so weniger oder deutlich zeitverzögert von medizinischer Forschung.

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Mehrere Frauen stehen um ein junges Mädchen herum
Momente der Hoffnung: Die 3-jährige Furaha darf wieder nach Hause, nachdem sie die Krankheit überlebt hat. (Mongbwalu, ca. 300 km nördlich von Butembo)
© Alexis Huguet/MSF

Sie wollen helfen? Sprechen Sie mit ihrem Umfeld über das den aktuellen Ebolafieber-Ausbruch in der DR Kongo. Damit schaffen Sie Aufmerksamkeit und geben den Kindern von Butembo eine Stimme.

 

So können Sie helfen

Wir bieten Ihnen vielseitige Möglichkeiten, unsere humanitäre medizinische Arbeit zu unterstützen.