Jemen

Ärzte ohne Grenzen fordert mehr Schutz für die Zivilbevölkerung

Zivilisten zahlen höchsten Preis, so auch der 7-jährige Tamer. Im Traumazentrum des Mutter-Kind-Krankenhauses in Tais behandeln wir seine Schrapnellverletzungen. Seit 2017 ist der Jemen-Konflikt noch einmal eskaliert.

Ärzte ohne Grenzen ruft anlässlich aktuell stattfindender Gespräche zum Jemen in Stockholm alle Kriegsparteien auf, das Leid der jemenitischen Bevölkerung zu lindern. Zudem muss der Schutz von Krankenhäusern und Gesundheitspersonal gewährleistet sein. „Geld allein ist nicht genug. Wir brauchen sowohl Zugang für humanitäre Helfer, um die Bedürftigsten zu erreichen, als auch Zugang der Bevölkerung zu den Gesundheitseinrichtungen“, sagt Jana Brandt, die für Ärzte ohne Grenzen von Berlin aus die Projekte im Jemen mitkoordiniert.

Zivilisten zahlen in diesem Konflikt den höchsten Preis. Sie werden bei einer Reihe schwerer Luftangriffe, insbesondere in den nördlichen Teilen des Jemen, verletzt und getötet. Sie werden Opfer von Bodenkämpfen an mehreren aktiven Frontlinien. Die begrenzte Anzahl von funktionsfähigen Krankenhäusern und das Fehlen von medizinischem Personal, Medikamenten und medizinischen Hilfsgütern sind ein zusätzliches Risiko für Tausende Menschen.

In den ersten zwei Novemberwochen behandelten Teams von Ärzte ohne Grenzen im Jemen 510 Patienten mit Kriegswunden in Hudeida, Abs, Hajjah und Mocha. Von den Verwundeten kamen viele so spät in die Klinik, dass sie nicht mehr gerettet werden konnten.

„Da viele Gesundheitseinrichtungen stark beschädigt oder zerstört wurden, müssen die meisten Jemeniten weite Strecken zurücklegen, um versorgt zu werden“, sagt Jana Brandt. „Schwangere mit Komplikationen kommen zu spät, was die Überlebenschancen für Mutter und Kind verringert. Menschen mit kriegsbedingten Verletzungen verlieren wertvolle Minuten, bevor sie stabilisiert werden, was sie ihr Leben kosten kann."

Es gibt noch weitere Folgen des Krieges und der mangelnden Gesundheitsversorgung: mehrere große Ausbrüchen von Cholera, Diphtherie und Masern, die vor allem Kleinkinder und Schwangere schwer treffen.
Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen Organisationen, die mit jemenitischen und internationalen Mitarbeitern in elf Provinzen des Landes arbeiten. Seit Beginn der Kämpfe im März 2015 wurden bereits sechs Mal Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen von den Kriegsparteien getroffen.