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Covid-19: Verhandlungen über Trips-Waiver nicht weiter verschleppen

Genf/Berlin, 26. Juli 2021. Anlässlich des morgigen WTO-Treffens fordert Ärzte ohne Grenzen die Europäische Union, Norwegen, Großbritannien und die Schweiz auf, ihre Blockade des Trips-Waivers für eine Aussetzung von Patenten aufzugeben. „Wir sind in einem Wettlauf gegen die Zeit, um die Ausbreitung von Covid-19 und die Entstehung neuer gefährlicher Varianten zu stoppen”, sagt Tom Ellman, medizinischer Leiter von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. „Viele Länder in Afrika brauchen angesichts der hohen Zahl an Infektionen dringend Impfstoffe, Tests, Sauerstoff und andere Materialien, um Patient*innen zu retten.”

Auch neue Medikamente zur Behandlung von Covid-19 sind in den Ländern des Globalen Südens für die meisten Erkrankten unerreichbar und unbezahlbar. So kostet etwa eine Dosis der viel versprechenden Mittel Casivirimab und Imdevimab, patentiert von der Firma Regeneron, in Indien 820 US-Dollar. Ähnliche Barrieren gibt es für die von der WHO empfohlenen Medikamente Tocilizumab and Sarilumab, patentiert von Roche und Regeneron.

Die Länder, die den Trips-Waiver blockieren, verweisen auf freiwillige Kooperationen der Hersteller. „Doch tatsächlich haben die Unternehmen hier versagt”, kritisiert Ellman. „Sie betreiben weiter ‚business as usual‘, sichern sich ihre Monopole und verlangen exorbitante Preise.” Biontech etwa hat, anstatt seine Technologie über den mRNA-Hub der WHO zur Verfügung zu stellen, nur mit einem einzigen Unternehmen in Südafrika eine Kooperation vereinbart.

Der Trips-Waiver würde für Länder des Globalen Südens die Rechtssicherheit schaffen, eigene Produktionen von Covid-19-Materialien auf- oder auszubauen. Bisher unterstützen ihn mehr als 100 Länder. Aktuell verzögert vor allem die EU-Kommission den Prozess, indem sie auf dem WTO-Treffen einen eigenen Vorschlag einbringt, der kaum Neues enthält und vermutlich dazu dient, die Verhandlungen zum Trips-Waiver zu blockieren. „Es ist empörend, dass einige Länder diesen wichtigen Schritt verhindern, der die globale Produktion erhöhen würde“, sagt Ellman. Auch Bundeskanzlerin Merkel hat sich entschieden gegen eine Patentaussetzung ausgesprochen.

Da das Virus weiterhin Millionen Menschenleben auf der ganzen Welt fordert, darf nicht noch mehr wertvolle Zeit verloren gehen. Alle Wege, die zur weltweiten Eindämmung der Pandemie beitragen, müssen so schnell wie möglich genutzt werden. Dazu gehört auch eine zeitlich begrenzte Aussetzung der Patente.

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Holger Vieth
- Pressestelle