Sudan

Ärzte ohne Grenzen behandelt 3.000 mangelernährte Kinder - Interview

Mittels eines speziellen Bandes (MUAC) wird der Oberarmumfang eines Kindes gemessen, woraus sich ablesen lässt, ob es mangelernährt ist.

Die Ernährungskrise in der afrikanischen Sahelzone hat dazu geführt, dass sich dort Mangelernährung ausbreitet. Insbesondere Kinder sind davon betroffen. Im Sudan hat Ärzte ohne Grenzen daher in zwei Regionen Al Gedarefs im Osten des Landes in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Gesundheitsministerium ein Ernährungsprogramm gestartet. Die Ärztin Esther Sterk, die den Einsatz als medizinische Koordinatorin betreut, berichtet im Interview von den schwierigen Bedingungen und den Herausforderungen der kommenden Wochen vor der Ernte.

Esther, wie sieht die Situation in eueren Einsatzgebieten aus?

Die Menschen in Gala Al-Nahal und in Al-Quereisha sind arm und leben mehrheitlich von der Landwirtschaft. Ihr Haupteinkommen beziehen sie vom Verkauf von Vieh und von landwirtschaftlichen Produkten. Im vergangenen Jahr hat es nur wenig geregnet, und die Ernte fiel schlecht aus. Die Menschen konnten somit auf den Märkten weniger Produkte verkaufen. Zudem sind aufgrund der letztjährigen Dürreperiode zahlreiche Kühe, Ziegen und Schafe an Mangelernährung oder Krankheiten gestorben. Die Menschen mussten von ihren Ersparnissen leben, um die Trockenzeit zu überbrücken. Und obwohl die Regenzeit dieses Jahr großzügig ausfällt, haben viele Menschen bereits ihre gesamten Nahrungsmittel vom vergangenen Jahr aufgebraucht, und es bleibt den Dorfbewohnern nicht mehr viel, um die Trockenzeit zu überstehen. Die Dörfer liegen weit auseinander, und der Regen hat die Straßen für Autos unpassierbar gemacht. Für die Behandlung akuter Mangelernährung sind die Bewohner in diesen Gebieten ganz auf die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen angewiesen. Es gibt keine Verkehrsmittel und die Distanzen sind zu groß, um sie zu Fuß zurückzulegen.

Wie sieht die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen konkret aus?

Ärzte ohne Grenzen hat vier Ernährungszentren eingerichtet und vier mobile Einsatzteams in abgelegene Regionen entsandt, um dort Nahrungshilfe zu leisten. Bisher sind 3.000 akut mangelernährte Kinder bei uns in Behandlung. Wir können uns in diesem Gebiet jedoch nur schwer mit herkömmlichen Fahrzeugen fortbewegen. Die Straßen sind verschlammt, und die Mitarbeiter müssen Nahrungsmittel und Medikamente in Traktoren transportieren, um die betroffene Bevölkerung zu erreichen. Bislang haben wir über 290.000 Kisten mit therapeutischer Fertignahrung verteilt, und alle registrierten Patienten konnten von einem Arzt besucht und behandelt werden. Das Team arbeitet eng mit dem Gesundheitsministerium und den Gemeinden zusammen. Das Engagement der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und der Helfer, die aufgrund der miserablen Wetterbedingungen auf Traktoren ausweichen mussten, hat mich sehr beeindruckt. Zudem sind ihre Lebensbedingungen vor Ort sehr hart.

Du arbeitest seit sechs Jahren für Ärzte ohne Grenzen. Wie siehst du diese Noteinsätze?

Die Tatsache, dass wir einige Gebiete durch den schlechten Zustand der Straßen und die Distanzen nicht erreichen konnten, hat mich sehr getroffen. Wir wissen, dass unsere Hilfe an vielen Orten benötigt wird, wir können jedoch nicht überall sein. Manche Mütter haben mit ihren sehr geschwächten Kindern über zehn Stunden Weg auf sich genommen, um in unsere Behandlungszentren zu kommen. Ärzte ohne Grenzen konnte einen Weg finden, um die Hungerzeit vor der neuen Ernte für zahlreiche gefährdete Kinder in diesen abgelegenen und harschen Gebieten zu überbrücken. Ich hoffe, dass wir in den kommenden Monaten noch viele weitere Kinder ins Programm aufnehmen können.