Demokratische Republik Kongo

Ärzte ohne Grenzen hilft Tausenden Vertriebenen in der isolierten Region Shabunda in der Provinz Süd-Kivu

Leere Dörfer in der Region Shabunda: Tausende Dorfbewohner fliehen vor Zusammenstößen zwischen Armee und bewaffneten Gruppen.

Heftige Kämpfe zwischen der kongolesischen Armee (FARDC) und verschiedenen bewaffneten Gruppen haben Tausende Menschen gezwungen, aus ihren Dörfern in der Region Shabunda in der kongolesischen Provinz Süd-Kivu zu fliehen. Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Nothilfe für die Vertriebenen und behandelt Cholera-Patienten.

Seit Anfang August kommt es im Norden der kongolesischen Provinz Süd-Kivu zu intensiven Kämpfen. Mehr als 20 Dörfer wurden geplündert und niedergebrannt, mehr als 25.000 Menschen mussten in Angst um ihr Leben in die Städte Shabunda und Katshungu oder in die umliegenden Wälder fliehen.

Teams von Ärzte ohne Grenzen waren bereits vor Ort, als die Kämpfe ausbrachen, da sie seit Ende Juni medizinische Hilfe für 20.000 Vertriebene in der Region leisten. Als nach den Kämpfen von Anfang August die zweite Welle von Vertriebenen Katshungu und Shabunda erreichte, konnte Ärzte ohne Grenzen schnell mit dem Aufbau zweier Gesundheitszentren reagieren. "Seit Eröffnung der Gesundheitszentren kümmern sich unsere Teams täglich um zahlreiche Patienten. In jedem Zentrum führen sie jeden Tag ca. 200 Konsultationen durch", berichtet Patrick Wieland, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo. "In erster Linie behandeln wir Atemwegserkrankungen, sexuell übertragbare Krankheiten und Wurminfektionen, die mit den schlechten Lebensbedingungen der Vertriebenen in Zusammenhang stehen."

Ärzte ohne Grenzen behandelt immer mehr Cholera-Patienten

In Shabunda führten der Mangel an sauberem Trinkwasser und die schlimmen Lebensbedingungen der Vertriebenen außerdem zu einem Cholera-Ausbruch. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen errichteten sofort nach Bekanntwerden der ersten Fälle ein Cholera-Behandlungszentrum im Shabunda-Krankenhaus, wo täglich ca. 30 neue Patienten aufgenommen werden. Bis zum 29. August hat Ärzte ohne Grenzen hier 290 Cholera-Patienten versorgt, zwei Menschen starben bisher an der Krankheit. Die meisten der Patienten sind Vertriebene, die bei Gastfamilien in der Stadt leben, manche kommen aus dem Umland von Shabunda.

Da die Zahl der Cholera-Fälle weiter steigt, plant Ärzte ohne Grenzen einen Ausbau der Hilfsmaßnahmen - den schwierigen Umständen zum Trotz: "Die größte Herausforderung ist die Logistik", erklärt Wieland. "Shabunda liegt extrem isoliert. Die einzige Möglichkeit, Mitarbeiter und medizinische Güter hierher zu bringen, ist per Frachtflugzeug. Wegen des Cholera-Ausbruchs haben wir bereits drei Flugzeuge mit insgesamt mehr als acht Tonnen Material hierher gebracht, ein weiterer Versorgungsflug ist geplant. Es gibt keine Autos in Shabunda, und die Straßen sind in enorm schlechten Zustand. Unsere Teams bewegen sich mit Motorrädern oder Fahrrädern."

Derzeit ist Ärzte ohne Grenzen die einzige humanitäre Hilfsorganisation, die in der Region Shabunda medizinische Notversorgung leistet. Hauptsächlich aufgrund der logistischen Hürden ist es schwierig, humanitäre Hilfe in diese isolierte Gegend zu bringen. "Die medizinischen Bedürfnisse der Vertriebenen in Shabunda sind enorm. Es muss mehr getan werden.", sagt Wieland.

Ärzte ohne Grenzen leistet in den Regionen Nord- und Süd-Kivu medizinische Notversorgung in Krankenhäusern und mittels mobiler Kliniken, führt Impfkampagnen und Cholera-Programme durch und leistet medizinische und psychologische Behandlung von Opfern sexueller Gewalt.