Demokratische Republik Kongo

Ärzte ohne Grenzen muss Hilfe im Epizentrum der Ebola-Epidemie einstellen – andernorts gehen Aktivitäten weiter

Bei zwei Angriffen auf unsere Ebola-Behandlungseinrichtungen in Katwa und Butembo wurden Brände gelegt.

Nach Angriffen auf die Ebola-Behandlungszentren in Katwa und Butembo muss Ärzte ohne Grenzen die Hilfe im Epizentrum der Epidemie aussetzen. Die Aktivitäten zur Unterstützung des Gesundheitsministeriums der D. R. Kongo und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen aber andernorts in den beiden betroffenen Provinzen Ituri und Nord-Kivu weiter. Denn noch ist der zweitgrößte je aufgetretene Ebola-Ausbruch nicht unter Kontrolle. Die fragile Sicherheitslage macht eine effektive Bekämpfung der Epidemie immer schwieriger. Insbesondere die Aufklärung der Bevölkerung über die Wirkweise von Ebola und über notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus kann zurzeit nur schwer durchgeführt werden. 867 Menschen haben sich seit Ausbruch der Epidemie bereits mit Ebola infiziert, 587 sind verstorben (Stand: 14.3.2019).

Nach einem Überfall am 24. Februar auf das Ebola-Behandlungszentrum in Katwa, einem östlichen Vorort der Großstadt Butembo, kam es am 27. Februar zu einem weiteren Angriff auf eine Einrichtung in Butembo selbst. Unbekannte zündeten Teile des Behandlungszentrums und Fahrzeuge an. Während der beiden Angriffe wurden keine Mitarbeitenden, Patienten oder Patientinnen verletzt. Die Vorfälle waren jedoch traumatisierend für alle, die sich während der Angriffe in den Ebola-Behandlungszentren befanden. 

Die Bekämpfung der Ebola-Epidemie, die sich bereits seit dem 1. August 2018 ausbreitet, wird dadurch noch einmal erschwert, wie Hugues Robert, Leiter der Notfallabteilung in unser Genfer Einsatzzentrale, erklärt: “Angesichts dieser beiden gewalttätigen Vorfälle haben wir keine andere Wahl als unsere Arbeit hier bis auf weiteres einzustellen. Für uns als medizinische Nothelfer ist es sehr schmerzhaft, unsere Patienten, ihre Familien und andere Mitglieder der lokalen Bevölkerung während dieser kritischen Phase des Ebola-Einsatzes im Stich lassen zu müssen.”

„Den Kampf gegen Ebola gewinnt man nur gemeinsam mit der Bevölkerung“   

Seit Beginn des Ausbruchs unterstützen wir das Gesundheitsministerium der D. R. Kongo und die WHO darin, die Bevölkerung über notwendige Schritte zur Eindämmung des Virus zu informieren. "Aufklärungsarbeit ist ein essentieller Bestandteil, damit Impfungen, die einzelnen Behandlungsschritte oder Verhaltensratschläge verstanden und akzeptiert werden können“, erklärt Sevim Tuglaci. Sie ist Ärztin und gehörte zum Team in Katwa, das nach den Angriffen evakuiert werden musste. Insbesondere sei es wichtig, die Punkte zu erklären, die die Traditionen und Lebensgewohnheiten der Menschen berühren, wie sichere Begräbnisse oder die Dekontamination von Häusern. 

Die Ärztin ist überzeugt, dass angesichts der Rückschläge in der Bekämpfung der Ebola-Epidemie noch mehr in die Aufklärungsarbeit investiert werden muss: "Das mit Vorurteilen vermischte Wissen über Ebola bei den Menschen lässt immer wieder Ängste und Gerüchte aufkommen." Das führt dazu, dass viele sich nicht zur Behandlung in die entsprechenden Einrichtungen trauen oder gar eine Ablehnung gegen die Behandlungszentren entwickeln. „Den Kampf gegen Ebola gewinnt man nur gemeinsam mit der Bevölkerung“, ist Tuglaci überzeugt.

Ärzte ohne Grenzen ist in der D. R. Kongo im Kampf gegen Ebola weiter aktiv

Von der Ebola-Epidemie sind bisher die beiden Provinzen Nord-Kivu und Ituri betroffen. Nach dem Ausbruch der Epidemie in der kleinen Stadt Mangina im August 2018 verlagerte sich das Epizentrum weiter nach Süden und liegt aktuell in der Region um Butembo, in der Provinz Nord-Kivu. Hier leisten wir noch Hilfe in den Ortschaften Kayna und Lubéru. Zudem unterstützen wir in der Großstadt Goma die Ebola-Notfallvorsorge. In der Provinz Ituri betreibt Ärzte ohne Grenzen zwei Ebola-Behandlungszentren in den Städten Bwanasura und Bunia. 

Seit die Ebola-Epidemie am 1. August 2018 offiziell ausgerufen wurde, sind unsere Teams in Nord-Kivu und der Nachbarprovinz Ituri im Einsatz. Wir betreiben Ebola-Behandlungszentren und unterstützen reguläre Gesundheitseinrichtungen. Zusätzlich haben wir uns an den Impfkampagnen von Gesundheitspersonal beteiligt. Wichtige Aufgaben, die wir darüber hinaus übernommen haben, sind die Infektionsprävention und -kontrolle sowie Informationskampagnen für Gesundheitspersonal und betroffene Gemeinden.