Demokratische Republik Kongo

„Wir müssen die Ebola-Bekämpfung radikal ändern“

Im Kampf gegen Ebola ist Aufklärung ein essentieller Bestandteil. Denn nur, wenn die Menschen den HerlferInnen vertrauen, kann die Epidemie eingedämmt werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Ebola-Epidemie in der D. R. Kongo mit Beschluss vom 12. April nicht als eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit von internationaler Bedeutung deklariert. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht, wie Gwenola Seroux, Leiterin der Ebola-Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen, kommentiert: „Das Virus hat sich bisher nicht auf die Nachbarländer ausgebreitet, aber die Möglichkeit besteht.“ In der D. R. Kongo haben sich bei dem bisher größten Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes bisher 1220 Menschen infiziert, von denen 772 leider verstarben (Stand: 12.4.2019). 

Die Zahl der neu gemeldeten Ebola-Fälle ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen und hat den höchsten Stand seit dem Ausbruch der Epidemie erreicht. Dennoch hat ein Expertengremium der WHO den Ausbruch nicht als internationalen Gesundheitsnotfall eingestuft. Dazu erklärt Gwenola Seroux, Leiterin der Ebola-Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen:

„Unabhängig von der offiziellen Einstufung: Der Ebola-Ausbruch ist nicht unter Kontrolle. Deshalb brauchen wir bessere gemeinsame Anstrengungen, um ihn zu bekämpfen. Wenn wir die Kontrolle über diese Epidemie gewinnen wollen, müssen wir die Art und Weise, wie wir ihr begegnen, radikal ändern.

Wir müssen die Ebola-Bekämpfung an die Bedürfnisse der Menschen anpassen

Zudem müssen wir die Maßnahmen gegen Ebola in das lokale Gesundheitssystem integrieren, besser mit der Bevölkerung vor Ort zusammenarbeiten und auch den Einsatz weiterer vielversprechender Impfstoffe prüfen, um die Prävention zu verbessern.

Wir müssen die Entscheidung, wie die Krankheit bekämpft werden soll, wieder in die Hände der Patienten und deren Familien legen“, meint Seroux: „Zum Beispiel, indem wir ihnen ermöglichen, zur Behandlung in ihre lokalen Gesundheitseinrichtungen zu kommen anstatt in spezielle Ebola-Zentren. Das schulden wir unseren Patientinnen und Patienten.“

Die Schwierigkeit, vor der die Ebola-Helfer stehen, ist, dass viele Menschen sich nicht in die spezialisierten Einrichtungen trauen oder gar eine Abneigung dagegen entwickelt haben. Die Hälfte aller gemeldeten Todesfälle ereignet sich in regulären Gesundheitseinrichtungen, nicht in den spezialisierten Ebola-Behandlungszentren.

Weitere Herausforderungen dieses Ebola-Einsatzes

Seit Beginn der offiziellen Erklärung des Ebola-Ausbruchs am 1.8.2018 unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Gesundheitsministerium der D. R. Kongo und die WHO in dessen Bekämpfung. Dabei erschwert die fragile Sicherheitslage in Teilen der betroffenen Provinzen Ituri und North-Kivu die Bedingungen. Nach gewaltsamen Angriffen auf unsere Einrichtungen in Katwa (24.2.19), Butembo (27.2.2019) und Benia (28.2.2019) mussten wir unsere Ebola-Aktivitäten in diesen Orten vorerst einstellen.

Auch das Nachverfolgen von Ebola-Übertragungsketten ist mangels Sicherheit und Vertrauen der Bevölkerung nur schwer möglich. Die Polizei wurde zur Unterstützung bei der Nachverfolgung von Kontakten hinzugezogen. Leider fördert der Einsatz von Sicherheitskräften in Konfliktgebieten, für andere Aufgaben als den Schutz der Bevölkerung, oft das Misstrauen gegenüber medizinisch notwendigen Maßnahmen, Einrichtungen und Helfenden bei der Ebola-Bekämpfung.

Aktuell betreiben wir Ebola-Transitzentren in Kayna und Bwana Sura sowie ein Isolationszentrum in Bunia. Zudem unterstützen wir ein Ebola-Behandlungszentrum in der Großstadt Goma und reguläre Gesundheitseinrichtungen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen übernehmen die spezielle Schulung von Gesundheitspersonal. Zusätzlich setzen wir gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium der D. R. Kongo Impfkampagnen von Gesundheitspersonal um. Insgesamt konnten so schon mehr als 90.000 Menschen geimpft werden.