Demokratische Republik Kongo

Nicht unter Kontrolle: Beni neues Epizentrum des aktuellen Ebola-Ausbruchs

Dr. Théophile Lukambé führt durch unser Ebola-Behandlungszentrum in Mangina. In den Behandlungszentren integrierte Testlabore ermöglichen eine deutlich schnellere Bestimmung, ob ein Patient sich mit Ebola infiziert hat.

Am 1. August 2018 wurde im Nordosten der D.R. Kongo offiziell ein Ebola-Ausbruch verkündet. Inzwischen steigen die Ebola-Fallzahlen wieder an. Bereits zehn Gesundheitsbezirke in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri sind betroffen. Mit Stand 30.10.2018 wurden insgesamt 241 Fälle von Ebola bestätigt. Hinzu kommen 35 wahrscheinliche Ebola-Fälle. 174 Menschen sind bisher leider verstorben. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen unterstützen das Gesundheitsministerium unter anderem durch präventive Maßnahmen, wie Schulungen des kongolesischen Gesundheitspersonals und Impfungen von Risikogruppen. Zudem unterstützen wir durch Ebola-Tests und Behandlung von Patienten.

In der Demokratischen Republik Kongo ist dies der zehnte Ebola-Ausbruch. Momentan scheint es, als stünden wir bei dieser Epidemie dem zweiten Anstieg der Fallzahlen gegenüber. In den ersten Wochen war die Stadt Mangina in der Provinz Nord-Kivu Epizentrum der Epidemie, nun hat sich dieses in die deutlich größere Stadt Beni verlagert. Sie zählt mehr als 400.000 Einwohner und liegt näher an der ugandischen Grenze. Auch die Fallzahlen in der südlich gelegenen Millionenstadt Butembo stiegen im Oktober leicht an. Hinzu kommen Ebola-Fälle, die aus der weiter nördlich gelegenen Provinz Ituri in den Städten Tchomia und Komanda bestätigt wurden. Das Auftauchen von Ebola-Fällen in Städten, die mehr als 100 Kilometer vom Epizentrum entfernten sind, zeigt die besonderen Herausforderungen und Bedingungen dieser Ebola-Epidemie. Hinzukommt die fragile Sicherheitslage in mehreren Gegenden aufgrund gewalttätiger Konflikte.

Ebola-Übertragungsketten nur schwer vollständig zu erfassen

Einer der wichtigsten Schritte in der Bekämpfung eines Ebola-Ausbruchs ist die Nachverfolgung der konkreten Übertragungsketten. Die betroffenen Regionen sind dicht besiedelt und geprägt von hoher Mobilität. Epidemiologen des kongolesischen Gesundheitsministeriums haben zwar seit August bereits mehr als 8.000 Kontaktpersonen von Ebola-Patienten identifiziert und mehr als 2.700 nachverfolgt. Doch viele der neu bestätigten Ebola-Fälle waren nicht unter diesen bekannten, gefährdeten Personen. Hinzukommt eine fragile Sicherheitslage in mehreren Gegenden aufgrund gewalttätiger Konflikte.

Die hohe Mobilität und die Unzugänglichkeit mancher Gebiete erschweren eine flächendeckende Nachverfolgung von Ebola-Fällen sowie effektive Aufklärungsarbeit. Aufgrund der konfliktreichen Jahre in der D. R. Kongo herrscht in der Bevölkerung zudem ein grundlegender Mangel an Vertrauen gegenüber offiziellen Institutionen – eine der wichtigsten Voraussetzungen für die effektive Bekämpfung eines Ebola-Ausbruchs. Denn nur so können die notwendigen Maßnahmen, wie Isolation und Behandlung, Überwachung, Aufklärung, Nachverfolgung der Kontakte, sichere Beerdigungen und Schutz der regulären Gesundheitseinrichtungen, erfolgreich sein. Eine wichtige Aufgabe, die unsere Mitarbeiter übernehmen, ist daher Aufklärungsarbeit zu Ebola-Prävention und -Behandlung.

Schnelle Einsatzteams, neue Ebola-Medikamente und Impfung von Risikogruppen

Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind darüber hinaus im Einsatz in Ebola-Behandlungszentren in Mangina und Butembo in Nord-Kivu sowie in Tchomia in der Provinz Ituri. „Ein Schlüssel zum Erfolg im Kampf gegen Ebola ist eine schnelle Reaktion“, erläutert Laurence Sailly, unsere Notfallkoordinatorin vor Ort. „Immer wenn ein Ebola-Fall entdeckt wird, wird ein kleines multidisziplinäres Einsatzteam, bestehend aus einer Krankenschwester, einem Epidemiologen, einer Logistikerin, einem Gesundheitspromoter und einer Ärztin schnellstmöglich entsandt, um an diesem neuen Ort zu arbeiten und einen größeren Einsatz vorzubereiten.“

In jedem Ebola-Behandlungszentrum wurde ein Labor integriert. So können Verdachtsfälle schneller getestet und eine Behandlung, wenn nötig, eingeleitet werden. Zum ersten Mal werden auch neue Medikamente eingesetzt. Dazu unsere Ärztin und Ebola-Expertin Hilde de Clerk: „Es ist gut, dass inzwischen fünf vielversprechende Wirkstoffmoleküle gefunden wurden, auch wenn deren Wirksamkeit bislang noch nicht abschließend wissenschaftlich bestätigt wurde. Aber es ist ein Schritt vorwärts. Wir können Ebola-Patientinnen und –Patienten Zugang zu potentiell lebensrettenden Medikamenten bieten, während wir uns auf die klinischen Studien vorbereiten, die hoffentlich deren Wirksamkeit und Sicherheit bestätigen werden.“

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen das Gesundheitsministerium der D. R. Kongo und die WHO weiterhin dabei, Menschen aus Risiko-Berufsgruppen mit dem Ebola-Impfstoff rVSVDG-ZEBOV zu impfen. Hierzu zählen Menschen, die unmittelbar mit Ebola-Patienten in Kontakt kommen, wie Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen, Bestattungsunternehmen oder Taxidiensten. Ziel der Impfungen ist es, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Vorsichtshalber haben wir aber auch auf ugandischer Seite in den Städten Bwera und Hoima Ebola-Isolationszelte aufgebaut und unsere regulären Projekte in Nord-Kivu und Ituri mit angepassten Material- und Medikamentenvorräten ausgestattet.