Demokratische Republik Kongo

Ausweitung der Aktivitäten zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie – inmitten politischer Spannungen nach Wahlen

Schutzanzüge gehören beim Ebola-Einsatz zur Grundausstattung. Leider machen sie den Kontakt zu den ohnehin schon isolierten Patienten noch unpersönlicher. Beim Bau unseres neuen Behandlungszentrums haben wir uns daher etwas einfallen lassen ...

Auch nach Monaten ist der zweitgrößte je aufgetretene Ebola-Ausbruch nicht unter Kontrolle. Der Kampf gegen das Virus in der Demokratischen Republik Kongo ist in einer kritischen Phase. Die politischen Spannungen haben sich nach der Präsidentschaftswahl intensiviert, das Auffinden von infizierten Personen und das Nachverfolgen der Übertragungsketten wird dadurch immer schwieriger. 16 Gesundheitszonen sind betroffen, in zehn von ihnen gab es im vergangenen Monat neue Ebola-Patienten. Sorgen bereitet Ärzte ohne Grenzen auch das Fortschreiten der Krankheit in der Region um Butembo in der Provinz Nord-Kivu, einer Stadt mit einer Million Einwohnern.

“Es geht um eine Bevölkerung, die unter einem jahrelangen Konflikt zu leiden hat. Nun kommt noch der tödlichste Ebola-Ausbruch hinzu, den das Land je erlebt hat. Die Unruhen der vergangenen Wochen verstärken die Notlage, in der sich die Menschen befinden, da ihr Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung weiter eingeschränkt wird”, erklärt Laurence Sailly, Leiterin unseres Noteinsatzes in Beni. “In dieser Situation haben die Menschen oft keine andere Wahl, als medizinische Hilfe in Gesundheitszentren in Anspruch zu nehmen, die keine geeigneten Triage-Maßnahmen oder Infektionsprävention und -kontrolle vornehmen, dadurch wird das Risiko der Ausbreitung größer.”

Hohe Ansteckungsgefahr bei Ebola macht menschlichen Kontakt schwierig

Seit der Ausbruch am 1. August 2018 offiziell erklärt wurde, haben wir unsere Aktivitäten permanent ausgebaut, um der wachsenden Zahl bestätigter Fälle gerecht zu werden. Jüngste Beispiele dafür sind die Gesundheitszone von Butembo, wo wir im Ebola-Behandlungszentrum die Bettenzahl von 64 auf 96 erhöht haben sowie die Eröffnung eines neuen Behandlungszentrums in der östlich von Butembo gelegenen Gesundheitszone von Katwa. Zudem haben wir in Bwana Sura (Provinz Ituri), in der Gesundheitszone Komanda, ein Transitzentrum eröffnet, wo sich Verdachtsfälle häuften.

„Da mehr und mehr Fälle aus der Stadt Butembo kommen, die fast eine Million Einwohner hat, war es nötig, schnell ein zweites Behandlungszentrum zu errichten”, erzählt Emmanuel Massart, unser Projektkoordinator für Katwa. „Aufgesetzt haben wir das Behandlungszentrum, damit es mehr Kapazitäten zur Behandlung von Patienten gibt. Wir kommunizieren das auch an die betroffenen Gemeinden, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Die im Zentrum eingebauten großen Fenster ermöglichen es den Patienten, die Gesichter der Ärzte und des Krankenpflegepersonals zu sehen. Sie machen es auch den Familien leichter, wieder mehr in Kontakt mit ihren Angehörigen zu kommen, der in Ebola-Behandlungszentren so schwer aufrecht zu erhalten ist.”

Die Aussetzung der Wahlen hat für die Bekämpfung von Ebola Folgen

Eine der größten Herausforderungen ist es, die Bevölkerung über Maßnahmen zu informieren, die die Ausbreitung des Virus verhindern. Am 26. Dezember kündigte die nationale Wahlkommission (CENI) der D. R. Kongo an, dass die Wahlen in drei Regionen, darunter Beni und Butembo, unter anderem wegen des anhaltenden Ebola-Ausbruchs verschoben würden. In der Folge kam es, insbesondere in Beni, zu gewaltsamen Protesten, bei denen am 27. Dezember auch das von uns betriebene Transitzentrum angegriffen und verwüstet wurde. In Folge der aufgeschobenen Wahlen ist es noch schwieriger geworden, die Gemeinden zu erreichen: Die Menschen sind nun Präventions- und Kontrollmaßnahmen gegenüber noch zurückhaltender. Dabei geht es darum zu vermitteln, dass würdevolle Begräbnisse auch sicher begangen werden müssen, um eine Übertragung des Virus zu verhindern. Dekontamination von Kliniken und Haushalten gehören ebenfalls zu den Maßnahmen, die vor Ort akzeptiert werden müssen.

“Behandlungszentren allein sind nicht ausreichend. Um den Ebola-Ausbruch wirklich unter Kontrolle zu bringen, muss man Beziehungen zu den Gemeinden aufbauen und so gegenseitiges Vertrauen schaffen‘‘, erklärt Andrew Wright, einer unserer Anthropologen in Katwa. „Es ist wichtig, dass wir unsere Bemühungen verstärken, die Bevölkerung als aktiv Beteiligte in die Bekämpfung des Ausbruchs einzubinden. Dazu gehört auch, dass wir die Bedürfnisse der Menschen stärker berücksichtigen. Beispielsweise haben wir Ende Dezember Verbandsmaterial an lokale Gesundheitszentren verteilt, damit sie Verletzte nach Gewaltausbrüchen besser versorgen können. Unsere Transitzentren sind darüber hinaus nicht nur damit beschäftigt, Ebola-Patienten und Patientinnen zu identifizieren und sie an die Behandlungszentren zu überweisen. Sie kümmern sich auch um andere Gesundheitsprobleme der Bevölkerung.“

Seit die Ebola-Epidemie am 1. August 2018 offiziell ausgerufen wurde, sind unsere Teams in Nord-Kivu und der Nachbarprovinz Ituri im Einsatz. Wir betreiben Ebola-Behandlungszentren in Butembo und Katwa, Transitzentren in Beni und Bwana Sura (Gesundheitszone Komanda) und eine Isolierstation in Bunia. Ärzte ohne Grenzen ist auch an den Impfkampagnen von Gesundheitspersonal beteiligt und betreibt Infektionsprävention und -kontrolle sowie Informationskampagnen für Gesundheitspersonal und betroffene Gemeinden.