Die elfte Ebola-Epidemie

"Die logistischen Herausforderungen sind gewaltig."

Die elfte Ebola-Epidemie hat bisher 47 Todesopfer gefordert. Da entlegene Gebiete betroffen sind, ist die Bekämpfung schwierig.

Während man im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo noch gegen die zehnte Ebola-Epidemie kämpfte, wurde am 1. Juni 2020 in der Provinz Äquator ein neuer Ausbruch gemeldet. Diese elfte Ebola-Epidemie ereignet sich inmitten der Covid-19-Pandemie und betrifft bereits elf Gesundheitszonen innerhalb der Provinz - eine Provinz, die viermal so groß wie Belgien ist.

Seit Ausbruch der 11. Ebola-Epidemie am 1. Juni 2020 starben 41 Menschen an dem Virus.

Insgesamt haben sich bei dieser Ebola-Epidemie bisher 110 Menschen mit dem Virus infiziert.

Wir unterstützen neun Behandlungs- und Isolationszentren in fünf Gesundheitszonen.

Ebola in den entlegensten Gebieten

"Um auf medizinische Nothilfeeinsätze reagieren zu können, verfügt unser Team über ein Lager mit Fahrzeugen, Motorrädern und Außenbordmotoren, die auf Booten oder Kanus installiert werden können", erklärt Mathias Dembo, Logistikkoordinator bei Ärzte ohne Grenzen. "Wir setzen diese Bestände je nach den Herausforderungen der Gebiete ein. Und in der Provinz Äquator sind die Herausforderungen gewaltig!“ 

Zu manchen vom Ebola-Ausbruch betroffenen Dörfern gelangt man ausschließlich über den Fluss mit Kanus. „Um zum Beispiel die Gesundheitszone von Bolomba zu erreichen, musste unser gesamtes Team, mitsamt Ausrüstung, in Kanus den Fluss Likelemba hinauffahren“, erzählt Mathias Dembo. Andere Gesundheitszonen erfordern einen stundenlangen, schwierigen Transport auf unbefestigten Straßen durch den Dschungel. 

"Wir beschränken uns nicht auf die Bekämpfung von Ebola"

Seit dem 1. September 2020 unterstützen wir neun Behandlungs- und Isolationszentren in fünf Gesundheitszonen, um die Versorgung der Patient*innen dort zu gewährleisten, wo sie von Ebola betroffen sind. In Bolomba helfen unsere Teams zum Beispiel im Ebola-Behandlungszentrum im allgemeinen Krankenhaus, haben aber auch zwei kleine Behandlungs- und Isolationszentren in den abgelegenen Gebieten Boso Mondomba und Yuli eingerichtet. 

"Die Epidemie wandert mit den Menschen auf dem Land- und Flussweg in entlegene Gebiete", beschreibt unsere medizinische Koordinatorin Dr. Maria Mashako die Herausforderung. "Deshalb reagieren wir mit einem dezentralisierten Programm und entsenden unsere Teams in die entlegensten, am stärksten betroffenen Gesundheitszonen. Dort arbeiten wir in kleinen Strukturen, sodass sie für die Gemeinden leicht zugänglich sind.“

Dabei geht es nicht nur um den direkten Einsatz gegen Ebola. Ebenso wichtig ist es, die Gesundheitszentren in den am stärksten betroffenen Gebieten und entlang der Hauptwege zu unterstützen, damit grundlegende medizinische Dienste für die Menschen weiter zugänglich sind.  Zudem ermöglicht die Arbeit in den regulären Gesundheitseinrichtungen die Früherkennung von Ebola-Verdachtsfällen. Wir unterstützen unter anderem mit Medikamentenspenden und der Weiterbildung von medizinischem Personal.

Das Wissen über Ebola stärken

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die erfolgreiche Bekämpfung dieses elften Ebola-Ausbruchs ist die Aufklärungsarbeit. "Meine Tochter ist an Ebola gestorben. Zwei Tage später wurde auch ich ins Krankenhaus eingeliefert", erzählt die Patientin Samwengi Bokuma. "Ich hatte mehr Glück, ich habe überlebt. Um weitere Tragödien in der Gemeinde zu verhindern, schloss ich mich dem Einsatzteam von Ärzte ohne Grenzen an, um meine Geschichte mit meiner Gemeinde zu teilen. Ihnen zu erklären, was die Symptome der Krankheit sind".

Nur wenige Menschen in der Provinz Äquator kennen sich mit dem Ebola-Virus aus oder die erforderlichen Maßnahmen, um seine Ausbreitung zu stoppen. Darum unterstützen wir das Gesundheitsministerium in seinen Bemühungen, das Bewusstsein der Menschen für die Situation zu schärfen. In Bolomba, Bikoro und Monieka ist dies eine der Schlüsselaktivitäten von Ärzte ohne Grenzen.

"Dieser gemeinschaftliche Ansatz ermöglicht es den Gemeinden, Verdachtsfälle zu erkennen und Warnungen schnell weiterzugeben", erklärt Dr. Mashako. "Innerhalb einer Gemeinden schafft das zudem ein Gefühl der Verantwortung und Kontrolle über die Reaktion auf die Epidemie.“ Diese dezentralisierten und gemeindebasierten Ansätze zur Reaktion auf den Ausbruch werden durch ein Impfprogramm ergänzt, das auch von anderen Akteuren in der Epidemie-Bekämpfung unterstützt wird. 

Aktuelle Pressemeldungen

7. September 2020: D. R. Kongo: Reaktion auf den neuen Ebola-Ausbruch in der Provinz Äquator