Südsudan

Mitarbeiterporträt Stefan Cordes, Technischer Logistiker

Alter:

43

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Leitender Angestellter bei RKM Personaldienstleistungen (vorwiegend Bereich Luftfahrt)

Ausbildung:

Fluggerätmechaniker, Hubschraubermechaniker, Industriemeister Metall

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen

2013 für acht Monate im Südsudan

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

Vorwiegend kurze Geschichten. Nichts Bestimmtes.

Ich schreibe selbst gern. Vor Ort habe ich interessante Erfahrungen zusammentragen und eine Art kleines Tagebuch geführt.

Musik, die ich gehört habe:

Da bin ich sehr flexibel, von Klassik über Pop, EBM bis Heavy Metal. Auch gerne griechische Musik. Ich lebe auf der griechischen Insel Kreta und liebe die Musik dort.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ärzte ohne Grenzen betreibt in Nasir im Südsudan ein Krankenhausprojekt, um den Menschen vor Ort eine gewisse medizinische Grundversorgung zu ermöglichen. Die Abläufe ähneln sehr einem Krankenhaus, wie wir es im Westen kennen. Alles ist aber sehr viel einfacher. Das Team von Ärzte ohne Grenzen stellt das komplette Management für das Krankenhaus. Das Team unterteilt sich in medizinische und logistische Mitarbeiter. Ich war im logistischen Team tätig. Die Menschen leben dort unter einfachsten Bedingungen in Strohhütten. Sie ernähren sich viel von Fisch aus einem nahegelegenen Fluss. In dem Fluss reinigen sie sich und ihre Kleidung und nutzen dieses Wasser ebenso für den Haushalt. Elektrischen Strom und trinkbares Wasser gibt es dort nicht. Ärzte ohne Grenzen muss es für sein Krankenhaus in eigener Regie verfügbar machen. Dies war mit Teil meiner Arbeit vor Ort. Ebenso ist die fachgerechte Müllentsorgung ein großes Thema. Da z.B. mit Artikeln wie Spritzen oder Skalpells gearbeitet wird, muss eine sichere, für Dritte nicht zugängliche Entsorgung gewährleistet werden. Viele Müllartikel werden verbrannt und anschließend im Erdreich verschlossen.

Für mich als Technischen Logistiker (TechLog) gab es im Grunde keinen normalen Berufsalltag. Ich war für Bereiche wie Wasserversorgung, Stromversorgung, Fuhrpark mit Autos und Booten, Flugzeugverkehr, Kühlkette, Reparatur von Geräten, Bau von Häusern, Transporte, Sicherheit etc. verantwortlich. All diese Themen wollten jeden Tag, ganz nach den Erfordernissen im Krankenhaus und seinem Umfeld befriedigt werden. Ob in der Woche oder am Wochenende. Die Tage waren somit gut ausgefüllt, es hat aber unwahrscheinlich viel Spaß gemacht.

Hin und wieder wurde jedoch dieser recht flexible "Alltag" unangenehm erweitert. Die Menschen in Nasir leben unter sehr einfachen Verhältnissen. Kühe sind das höchste Gut und wesentlich wertvoller als z.B. bares Geld. Dies führt dazu, dass es gelegentlich zu unschönen Überfällen durch fremde ethnische Gruppen kam. Sie stehlen die Kühe der Bewohner kleiner Dörfer und töten oder verletzten in diesem Zuge viele Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, ohne irgendeine Rücksicht. Nach solchen Überfällen wurden wir gerufen und mussten die Verletzten bergen. Das kostet viel Kraft und ist sehr traurig. Glücklicherweise waren diese Einsätze die Ausnahme.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Wenn es die Zeit erlaubte habe ich entspannt, meditiert, bin mit Kollegen und Kolleginnen spazieren gegangen. Oft hab ich auch mit meinen Kollegen Essen gekocht. Das war meist sehr lustig nach einem langen arbeitsreichen Tag. Spaghetti Bolognese kam immer super an.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Vielfalt der Tätigkeiten, denen man als Technischen Logistiker gegenübersteht. Es war von Anfang bis Ende eine große und tolle Herausforderung, Schwerpunkte zu setzen, und viele verschiedenste Projekte mit dem eigenen Team von Mitarbeitern durchzuführen. Ich habe dadurch echt viel gelernt!

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Da ich vorwiegend auf Kreta lebe, frisches gutes Essen vom Meer und vom Baum. Darüber hinaus meine Freunde und Familie, sowie die Stille meiner Insel.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte weiter für Ärzte ohne Grenzen arbeiten, um Bedürftigen in der Not zu helfen. Darüber hinaus möchte ich auf Kreta einen Platz schaffen, an dem Menschen sich erholen können und die Möglichkeit haben, sich selber wieder ein Stück näher zu kommen.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Es gibt viele sehr schöne Erinnerungen. Einige ragen jedoch heraus. Es gab eine Situation, in der wir einen Konvoi mit zehn vollbeladenen LKW aus dem 1.200 Kilometer entfernten Logistikzentrum Lokkichogio in Kenia für unser Krankenhausprojekt in Nasir erwarteten. Aufgrund der kurzen Trockenperiode ist das Zeitfenster für Transporte dieser Art im Südsudan sehr eingeschränkt. Die LKW konnten an einer gut 100 Kilometer von unserem Projekt entfernten Flusssenke nicht weiterfahren, da die Brücke zerstört war. Ich bin mit meinem Team mit 15 Mitarbeitern dorthin gefahren und wir haben eine neue temporäre Brücke gebaut. Wir konnten somit die Weiterfahrt der LKW gewährleisten, und ansonsten entstandene, sehr lange Verzögerungen, sowie massive Kosten vermeiden. Das gab mir ein sehr gutes Gefühl!