Jemen

Leichen von 60 Flüchtlingen an der Südküste gefunden

Immer wieder landen Boote mit Flüchtlingen an der Südküste des Jemen. Ärzte ohne Grenzen versorgt die Überlebenden medizinisch.

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hat von Freitag, den 31. Oktober, bis Sonntag, den 2. November, an der Südküste Jemens die Leichen von 60 Flüchtlingen gefunden und überlebende Bootsflüchtlinge medizinisch versorgt. Die Flüchtlinge kommen nach eigenen Angaben aus der somalischen Hafenstadt Bosasso, von wo sie vor Krieg und extremer Armut geflohen seien. Ihre Reise über den Golf von Aden in Schmugglerbooten dauerte zwei Tage.

"Während der Anfahrt auf die Küste um acht Uhr abends sahen die Schmuggler ein Licht an Land. Weil sie Angst hatten, von der Küstenwache entdeckt zu werden, zwangen sie uns, ins Meer zu springen. Einige Flüchtlinge konnten nicht schwimmen und ertranken. Eine hochschwangere Frau verletzte sich schwer an der Schiffsschraube," schildert ein Überlebender die Überfahrt.

Ärzte ohne Grenzen hat an der Küste ein weiteres Boot mit einer Gruppe Somalis und Äthiopiern gefunden, die seit mehreren Stunden nahe der Küste trieben, nachdem ihr Boot gekentert war. Die Teams leisteten den Überlebenden erste Hilfe, bevor die Flüchtlinge für weitere medizinische Versorgung in das Aufnahmezentrum in Ahwar kamen.

Geschichten wie diese sind alltäglich an der Südküste des Jemen. Mehr als 32.000 Menschen haben nach Angaben der Vereinten Nationen seit Beginn des Jahres einen Fluchtversuch gewagt. Flüchtlinge aus Somalia und Äthiopien fliehen vor Krieg und extremer Armut, weil sie keine andere Chance sehen, als ihr Leben zu riskieren. Die Bedingungen auf der Überfahrt sind sehr hart und die Zahl der Todesopfer hoch. Seit September 2008 sind mindestens 114 Flüchtlinge in der Region Abyan tot aufgefunden worden.

"Viel Aufmerksamkeit ist zuletzt der Piraterie am Horn von Afrika geschenkt worden. Dagegen wird das Drama der Flüchtlinge, die dieselben Gewässer unter schrecklichen Umständen überqueren, leider völlig ignoriert", sagt Francis Coteur, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Jemen.

Ärzte ohne Grenzen bietet seit September 2007 an der Südküste Jemens medizinische und humanitäre Hilfe für Flüchtlinge an. In diesem Jahr haben die Teams bisher 7.000 Menschen versorgt. Im Juni 2008 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen den Bericht "No choice", der die Umstände der gefährlichen Überfahrten über den Golf von Aden dokumentiert und mehr Hilfe für Tausende von Flüchtlingen und Migranten fordert.