Demokratische Republik Kongo

Kinderärztin ohne Grenzen - Senftenbergerin berichtet in der Wendischen Kirche von Afrika-Einsatz

Die Kinderärztin Eva Matzker mit Müttern und einem Neugeborenen.

Von Benjamin Wünsch

Senftenberg. Dr. Eva Matzker hatte sich gut auf ihren Einsatz in Afrika vorbereitet. "Das Leiden wirklich hautnah zu erleben, war dann aber doch nochmal etwas ganz Anderes" , sagt die aus Senftenberg stammende Kinderärztin. Die anfängliche Verzweiflung war schnell verflogen. Durch ihre Arbeit konnte vielen das Leben gerettet werden. "Da weiß man, warum man Arzt ist." Heute Abend will sie im Bürgerhaus Wendische Kirche von ihren Erfahrungen berichten.

Neun Monate war Dr. Eva Matzker mit der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Seit Jahren flammen dort immer wieder gewaltsame Konflikte auf. Chronische Mangelernährung, Malaria und schwere Infektionen prägen den Alltag - gerade den der Kinder. "Als ich im Mai des vergangenen Jahres in die Provinzhauptstadt Bunia kam, war die Lage besonders dramatisch. Täglich starben Kinder, meist weil nicht genügend Bluttransfusionen zur Verfügung standen oder weil sie nach langen Fußmärschen aus ihren Dörfern ganz einfach zu spät kamen. Oft war es ein regelrechter Wettlauf gegen die Zeit" , erzählt die 31-Jährige.

In den ersten Tagen stand die Lausitzerin der Situation ziemlich hilflos gegenüber. Doch die einheimischen Schwestern und Pfleger sorgten dafür, dass sie sich schnell zurecht fand. "Man muss einfach improvisieren und das Beste draus machen. Die Fälle, mit denen ich es zu tun bekam, waren meist sehr ernst, aber manchmal konnte den Patienten schon mit geringen Mitteln geholfen werden" , sagt Dr. Eva Matzker.

Schwerpunkt: Hilfe für Kinder

Seit dem Jahr 2003 unterhält "Ärzte ohne Grenzen" in Bunia ein festes Hospital. Neben der medizinischen Hilfe für Kinder bildet dort gegenwärtig die medizinische und psychologische Betreuung von Vergewaltigungsopfern einen Schwerpunkt des Engagements.

Für die Helfer in der Region ist nicht nur die Arbeit eine Herausforderung. Auch dem Privatleben sind während ihres Einsatzes enge Grenzen gesteckt. Aus Sicherheitsgründen durfte die gebürtige Senftenbergerin ihren abgesperrten Wohnbereich nach Einbruch der Dunkelheit zu Fuß nicht verlassen. Weite Teile der Stadt waren auch tagsüber tabu. Einmal gingen Gerüchte um, dass Rebellengruppen Entführungen planen würden. "Ich fühlte mich zwar nie konkret bedroht, da unmittelbar gegenüber Blauhelmsoldaten stationiert waren, aber nach neun Monaten habe ich das ,freie' Leben in Deutschland doch sehr vermisst."

Inzwischen ist Dr. Eva Matzker, wie schon vor ihrem Auslandsaufenthalt, in der Kinderklinik in Cottbus tätig. Es tue gut, wieder in solch organisiertem Umfeld zu arbeiten - auch wenn man in Deutschland als Arzt oft zur Hälfte mit Verwaltung beschäftigt sei. Den Wunsch, auch in armen Ländern zu arbeiten, hatte sie schon in ihrer Jugend in Senftenberg. Als Schülerin war sie 1995 Mitbegründerin des Eine-Welt-Laden e. V. der Stadt. Dort kümmerte sie sich um den Verkauf von Produkten aus fairem Handel und knüpfte dadurch bereits erste Kontakte zu Projekten in Afrika. Nach dem Medizinstudium in Leipzig und Dresden sowie zweieinhalb Jahren als Assistenzärztin in Cottbus belegte sie im November 2006 im indischen Kalkutta einen Tropenmedizinkurs. Als kurz darauf die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" eine Stelle als Kinderärztin ausschrieb, musste sie nicht lange überlegen.

"Erlebnisse haben mich geprägt"

"Was ich in den neun Monaten in Afrika erlebt habe, war unheimlich prägend - beruflich wie privat" , sagt Dr. Eva Matzker. Die nächsten Jahre will sie nun dennoch erst einmal in Deutschland bleiben, um noch mehr praktische Fähigkeiten zu erwerben und möglichst bald ihre Facharztprüfung zu machen. Wenn sich die Gelegenheit ergebe, könne sie sich aber durchaus vorstellen, irgendwann wieder für "Ärzte ohne Grenzen" ins Ausland zu gehen. ...