Genf

Schlangenbisse: Bessere Heilungschancen für Hunderttausende Menschen. Ärzte ohne Grenzen begrüßt neue Strategie der WHO

Weltweit sterben jährlich mehr als 100.000 Menschen an den Folgen eines Giftschlangenbisses. Insbesondere in ländlichen Gegenden - wie hier im Südsudan - haben viele Menschen zu wenig Zugang zu einer wirksamen Behandlung.

Genf, 23. Mai 2019. Hunderttausende Menschen werden jedes Jahr von Giftschlangen gebissen. Für sie könnte ein neues Strategiepapier der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bessere Heilungschancen bringen. Die WHO veröffentlicht das Papier am Donnerstag anlässlich der Weltgesundheitsversammlung (WHA). Ziel der WHO ist es, die Zahl der Todesfälle sowie körperlicher Einschränkungen infolge von Schlangenbissen bis 2030 zu halbieren. Regierungen und Geberorganisationen müssen die WHO-Strategie nun mit konkreten Schritten finanzieren und umsetzen.

„Wir sind vorsichtig optimistisch, dass das Strategiepapier der WHO ein Wendepunkt in der Bekämpfung von Schlangenbissen ist“, sagt Julien Potet von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Regierungen und internationale Geber müssen dieses Momentum nutzen und die Strategie der WHO sowohl politisch als auch finanziell umsetzen, damit sie zum Erfolg führt.“

Jährlich sterben weit mehr als 100.000 Menschen an den Folgen eines Giftschlangenbisses, rund 400.000 Menschen tragen körperliche Einschränkungen und Entstellungen davon. Es trifft meist die Ärmsten, darunter Saisonarbeiter, Bauern und von Gewalt Vertriebene. Neben den körperlichen Folgen eines Bisses leiden oft ganze Familien und Gemeinden an den wirtschaftlichen Konsequenzen, da die Betroffenen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können und sich für die Behandlung des Bisses verschulden müssen.

Schlangenbisse sind mit Antiveninen gut behandelbar. Vor allem in ländlichen Gegenden haben viele Menschen jedoch zu wenig Zugang zu einer wirksamen Behandlung. Dort mangelt es oft an entsprechend ausgebildetem Gesundheitspersonal sowie Krankentransporten. Auch Gegengifte sind oft nicht verfügbar oder so teuer, dass die Menschen die Behandlung nicht bezahlen können. Betroffene wenden sich darum an traditionelle Heiler oder lassen sich mit qualitativ schlechteren Produkten behandeln. Mehrere Pharmaunternehmen haben zudem die Herstellung von auf die Anwendung in afrikanischen Ländern zugeschnittenen Antiveninen kürzlich gestoppt, da diese nicht lukrativ genug ist.

Bislang war die Antwort der internationalen Gemeinschaft auf diese Gesundheitskrise ungenügend, unter anderem bei der Finanzierung von entsprechenden Programmen. Die jetzt von der WHO veröffentlichte Strategie enthält klare Finanzierungsvorgaben, die gewährleisten sollen, dass Betroffene nicht mehr selbst für ihre Behandlung aufkommen müssen. Die Strategie zielt außerdem darauf ab, dass neue sichere Gegengifte entwickelt werden und bezahlbar sind und dass in den am stärksten betroffenen Regionen mehr Menschen behandelt werden. Weitere Säulen der Strategie betreffen Aufklärung und Prävention sowie die Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern des Gesundheitswesens.

„Wir brauchen mehr Gelder, mehr Forschung sowie einen internationalen Finanzierungs-Mechanismus, der sicherstellt, dass qualitativ hochwertige Antivenine zur Verfügung stehen, für die Betroffene nicht zahlen müssen“, sagt Potet. „Wenn Menschen, die von einer giftigen Schlange gebissen werden, schnell und richtig behandelt werden, können wir sehr viele Leben retten.“

Ärzte ohne Grenzen behandelt Schlangenbisse vor allem in Ländern in Subsahara-Afrika und im Nahen Osten. Die meisten Patienten behandelten die Teams in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan, in Äthiopien und im Jemen, aber auch in Tansania, Kenia, Kamerun, dem Sudan und in Sierra Leone.