Sudan

Sudan: Ärzte ohne Grenzen fordert Wiederaufnahme von Routineimpfungen

Mitarbeiter hält Spritze mit Impfstoff
Unser Mitarbeiter im Lehrkrankenhaus von Zalingei, Sudan, hält eine Spritze. Routineimpfungen wurden 2023 in ganz Zentral-Darfur eingestellt, da Stromausfälle und Versorgungsengpässe die kühlpflichtigen Impfstoffe unbrauchbar machten.
  • Fast 30.000 Masernfälle in Darfur, die hätten vermieden werden können 
  • Gravierende Lücken bei Impfschutz 

Al Dschuneina/Berlin, 4. November 2026. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in der sudanesischen Region Darfur innerhalb von rund zwei Jahren fast 30.000 Patient*innen behandelt, deren Erkrankungen durch Impfungen hätten vermieden werden können. Das geht aus einem neuen Bericht der Organisation hervor. 

Zwischen Januar 2024 und April 2026 verzeichneten von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Einrichtungen in vier Bundesstaaten von Darfur demnach mehr als 28.000 Masernfälle und fast 2.000 Keuchhustenfälle. 75 Prozent der wegen Masern behandelten Patient*innen waren nicht geimpft, 69 Prozent waren Kinder unter fünf Jahren. Besonders hoch waren die Fallzahlen in Süd-Darfur. 

Durch Impfungen vermeidbare Krankheiten sind besonders gefährlich, wenn parallel noch weitere Erkrankungen wie Malaria oder Mangelernährung vorliegen, die in Darfur weit verbreitet sind. 

Ausbrüche könnten sich verschärfen 

Es ist an mehreren Orten über Jahre hinweg immer wieder zu Übertragungswellen gekommen. Dies deutet daraufhin, dass die Ausbrüche nicht vollständig eingedämmt werden konnten und trotz aller Gegenmaßnahmen weiterhin Immunitätslücken bestehen.

Sebastián Traficante, Nothilfekoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Darfur

Ohne sofortige Maßnahmen zur Wiederaufnahme der Impfaktivitäten im Land werden sich die Ausbrüche weiter verschärfen. 

Viele Kinder überleben die Krankheiten nicht 

 „Unsere Teams behandeln ständig Kinder wegen Krankheiten, die durch eine Impfung hätten verhindert werden können. Viele Kinder kommen in kritischem Zustand in unsere Einrichtungen und überleben nicht.“ 

Auch bei der Krankheitsüberwachung gibt es große Lücken. Oft bleiben Ausbrüche unentdeckt, bis sich die Krankheit bereits weit verbreitet hat und Notimpfkampagnen beginnen zu spät. 

Akute Impfkampagnen reichen nicht 

Zwar retten diese gezielten Notfallkampagnen viele Leben und anschließend beobachten Teams von Ärzte ohne Grenzen einen Rückgang der Fallzahlen. Doch ohne nachhaltige Investitionen in Routineimpfungen, die Kühlketteninfrastruktur, Impfpersonal und die Krankheitsüberwachung werden Ausbrüche von Masern, Keuchhusten und anderen vermeidbaren Krankheiten in ganz Darfur immer wieder auftreten.  

Gleichzeitig müssen Impfmaßnahmen in Darfur und im Rest des Landes an die Realität des Konflikts angepasst werden. 37 Prozent der Gesundheitseinrichtungen im Sudan sind nicht mehr funktionsfähig und die Menschen haben oft nicht die nötigen Mittel, um den Transport in die nächstgelegene Einrichtung zu bezahlen. 

Ärzte ohne Grenzen fordert die sudanesischen Gesundheitsbehörden, Geberländer und UN-Organisationen auf, dringend mobile Impfkampagnen in ganz Darfur und im übrigen Sudan zu finanzieren und zu ermöglichen. Alle Konfliktparteien und Behörden im Sudan müssen außerdem unverzüglich administrative Hindernisse für die Einfuhr und den Transport von Impfstoffen beseitigen. 

Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns an.