Somalia

Somalia: Jedes zweite Kind mangelernährt

Eine Betreuungsperson hält einem Kind auf einem Klinikbett einen Trinkbecher an den Mund. Das Kind sitzt in Decken gewickelt neben medizinischem Material und ist deutlich mangelernährt.
Eine Mutter mit ihrem schwer mangelernährten Sohn im Ernährungszentrum in Baidoa, Somalia, Juli 2026.

Baidoa / Berlin, 11. August 2026. Eine Erhebung von Ärzte ohne Grenzen deckt schockierende Zahlen auf: Jedes zweite Kind, das in Vertriebenencamps in Baidoa im Südwesten Somalias untersucht wurde, leidet an akuter Mangelernährung. Jedes vierte Kind ist sogar schwer mangelernährt. 

Hinter jeder Zahl steht ein Kind. Was wir hier sehen, geht weit über die Schwelle einer extremen Notsituation hinaus. Trotzdem reduzieren Geber ihre Unterstützung für Somalia.

Allara Ali, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Somalia

Von Januar bis Juli 2026 haben Teams von Ärzte ohne Grenzen 21.000 Kinder unter 5 Jahren in Ernährungszentren in Baidoa untersucht. Bei rund 50 Prozent der Kinder wurde akute Mangelernährung festgestellt. Das Ergebnis deckt sich mit einer Ernährungsstudie, die Ärzte ohne Grenzen im Juli 2026 unter 888 Haushalten in 14 Vertriebenencamps in Baidoa durchgeführt hat. Dabei zeigte sich zusätzlich, dass jedes vierte Kind sogar unter schwerer Mangelernährung leidet. Ein Drittel der Familien lebt außerdem von nur einer Mahlzeit am Tag.

Aufeinanderfolgende ausbleibende Regenfälle und eine sich verschlimmernde Dürre haben Hunderttausende Menschen in Somalia getroffen und Familien ihrer Nahrungsmittel, ihres Wassers, ihrer Ernten und ihres Viehs beraubt. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in den ersten 3 Monaten des Jahres 2026 mehr als eine halbe Million Menschen in Somalia vertrieben, wobei 93 Prozent der Vertreibungen auf die Dürre zurückzuführen waren.

In den vergangenen Monaten hat Ärzte ohne Grenzen die Zahl der Krankenhausbetten in Ernährungszentren erweitert, Hilfsgüter an vertriebene Familien verteilt und sauberes Wasser an vertriebene Gemeinschaften in Mudug und Baidoa geliefert.  

„Ein Krankenhausbett kann heute ein Kind retten. Aber es kann das Kind nicht schützen, wenn es in eine Notunterkunft zurückkehrt, in der es weder Nahrung noch sauberes Wasser gibt“, sagt Ali.

Neben der Mangelernährung breiten sich Masern und Diphtherie aus, während Impfkampagnen nicht alle Menschen wirksam erreichen. Besonders gefährdet sind zudem mangelnährte Mütter, da sich die Gesundheitsrisiken auf ihre Babys erstrecken. Allein in den vergangenen 2 Monaten hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 2.600 schwangere und stillende Frauen zur Behandlung von Mangelernährung aufgenommen.

Trotz des Ausmaßes des Leids wurde der humanitäre Hilfsplan für Somalia 2026 um 40 Prozent gekürzt und war bis Juli zu weniger als einem Drittel finanziert. Einmal mehr schwächen Mittelkürzungen die ohnehin fragilen Gesundheitsdienste in der Krise.

„Die Krise im Südwesten Somalias ist ein Warnsignal für gefährliche Gleichgültigkeit und Verantwortungsversagen. Das Ausmaß dieser Krise sollte ein Weckruf für die internationale Gemeinschaft sein“, sagt Ali. „Die Welt kann nicht auf die Ausrufung einer Hungersnot warten, bevor sie handelt. Es muss jetzt gehandelt werden, um den Verlust von Menschenleben zu verhindern.“

Ärzte ohne Grenzen fordert die Gebergemeinschaft, internationale Organisationen und Gesundheitsbehörden auf, unverzüglich eine angemessen finanzierte Nothilfe in Baidoa und anderen betroffenen Gebieten Somalias sicherzustellen. 

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