Millionen Kinder brauchen Pneumokokken-Impfung

Unser Arzt Stefanos Tsallas impft in einem Geflüchteten-Camp auf den griechischen Inseln Kinder gegen Pneumokokken (Archivbild).

Genf, 21. Januar 2020. Mehr als 55 Million Kinder weltweit werden aus Kostengründen nicht gegen Lungenentzündungen geimpft. Fast eine Million Kinder sterben jedes Jahr an dieser Krankheit, die oft von Pneumokokken ausgelöst wird und weltweit die häufigste Todesursache von Kindern unter fünf Jahren ist. Es gibt zwei wirksame Impfstoffe, die von den US-amerikanischen Pharmafirmen Pfizer und GlaxoSmithKline (GSK) hergestellt werden, die aber sehr teuer sind. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Impfallianz Gavi fordert Ärzte ohne Grenzen, dass Impfstoffe gegen Pneumokokken günstiger werden, damit mehr Kinder geimpft werden können. Auch Deutschland sollte sich als Vorstandsmitglied bei Gavi für niedrigere Impfstoff-Preise und einen effizienteren Mitteleinsatz einsetzen.

Pfizer und GSK haben zusammen bis dato rund 50 Milliarden Dollar Umsatz mit dem Verkauf der Impfstoffe gemacht. Zusätzlich hat Gavi an die beiden Unternehmen Subventionen in Milliardenhöhe ausgeschüttet. Seit Dezember 2019 steht ein alternativer Impfstoff zur Verfügung, der vom Serum Institute of India hergestellt wird und voraussichtlich 30 Prozent weniger kosten wird.

Dies ist insbesondere für Länder mit mittlerem Einkommen langfristig wichtig. Diese bilden die Mehrheit der 50 Länder, die die Impfungen aufgrund der hohen Preise bislang noch nicht eingesetzt haben. Denn anders als die ärmsten Länder haben sie keinen Anspruch auf eine finanzielle Förderung durch Gavi. Die Impfallianz ist die wichtigste Organisation für die Finanzierung von Impfstoffen in ärmeren Ländern. 

„Wir haben seit zehn Jahren daran gearbeitet, dass unsere Patienten zu erschwinglichen Preisen gegen Pneumokokken geimpft werden können“, sagt Kate Elder, Impf-Expertin bei der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Jetzt gibt es endlich einen Impfstoff, für den sich die Gesundheitsbehörden vieler Länder nicht in den Ruin stürzen müssten. Alle relevanten Akteure, wie etwa Gavi oder die Weltgesundheitsorganisation WHO, müssen sich jetzt dafür einsetzen, dass auch das letzte Kind vor dieser lebensbedrohlichen Krankheit geschützt wird, und sich für die Einführung des neuen, günstigeren Impfstoffs stark machen.“

„Als Ärzte ohne Grenzen Deutschland fordern wir auch die deutsche Bundesregierung auf, im Rahmen der diesjährigen sogenannten Wiederauffüllungskonferenz ihren finanziellen Beitrag zu Gavi von 600 auf 700 Millionen Euro zu erhöhen“, so Marco Alves von der Medikamentenkampagne in Deutschland. „Zudem muss Deutschland seine Mitgliedschaft im Gavi-Vorstand nutzen, um auf Veränderungen zu drängen. Die Preise für Impfungen gegen Pneumokokken und andere teure Impfungen müssen sinken, damit mehr Kinder geimpft werden können.“

Die globale Impfallianz Gavi wird von Regierungen, multilateralen Organisationen (wie der Weltgesundheitsorganisation WHO oder dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF), Pharmafirmen, Forschungseinrichtungen, der Zivilgesellschaft, philanthropischen Stiftungen (wie der Bill & Melinda Gates Stiftung) und Privatpersonen getragen. Gavi wurde im Jahr 2000 gegründet, Deutschland leistet seit 2007 Beiträge.