Covid-19 in Indien: Gesundheitsversorgung in Mumbai am Limit

Unsere Mitarbeiter*innen bereiten sich auf eine schwierige Zeit vor. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen, wie Tuberkulose, sind durch das Coronavirus gefährdet.

Die zweite Covid-19-Welle in Indien hat drastische Auswirkungen auf das Gesundheitssystem der Stadt Mumbai. Sehr viele Menschen erkranken dort so schwer, dass sie ins Krankenhaus müssen und mit Sauerstoff versorgt werden müssen. Die personellen Ressourcen im medizinischen Bereich sind maximal ausgelastet. Angesichts der Entwicklung der Fallzahlen ist es wahrscheinlich, dass das Gesundheitssystem noch stärker belastet wird.

„Niemand war auf diese zweite Welle ausreichend vorbereitet“, sagt Mabel Morales, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Indien. „Sie hat alle überrollt und in sehr kurzer Zeit zu einer großen Krise geführt. Die Behörden hier sind gut organisiert und reagieren auf die Situation, so gut sie können. Doch die Fallzahlen steigen, und wird es immer schwieriger, noch Betten für die Erkrankten zu finden.“

Um auf den großen Bedarf an medizinischer Versorgung in Mumbai zu reagieren, weitet Ärzte ohne Grenzen die Aktivitäten dort aus. 60 Mitarbeitende haben ihre Arbeit bereits aufgenommen, weitere Teams mit Erfahrungen im Management von Covid-19 sind unterwegs. Ärzte, Krankenschwestern, Anästhesietechniker und Psychologen unterstützen das BKC Krankenhaus mit 2.000 Betten in Mumbai.

Besonders gefährdet sind in der aktuellen Situation Menschen mit Krankheiten wie Diabetes, HIV oder Tuberkulose. Ein wichtiger Teil der medizinischen Hilfe von Ärzte ohne Grenzen besteht darin, die Versorgung von mehr als 1.000 Menschen mit resistenter Tuberkulose aufrechtzuerhalten und sie vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Unter anderem werden hierfür etwa die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen sowie die Testkapazitäten erhöht.

Teams von Ärzte ohne Grenzen kümmern sich zudem um Infektionsprävention, indem sie etwa ein Projekt zur besseren Versorgung mit Wasser und sanitären Einrichtungen im sehr dicht bevölkerten M-East Ward, einem besonders armen Stadtviertel Mumbais, wiederaufgenommen haben. Die Teams informieren darüber hinaus über Infektionsprävention und verteilen Hygiene-Kits mit Masken.

Wie es in einer improvisierten Covid-19-Station aussieht, berichtet Gautam Hari Govind, Koordinator für medizinische Aktivitäten in Mumbai: „Stellen sie sich ein behelfsmäßig errichtetes Krankenhaus in einem riesigen Zelt vor. Als ich es zum ersten Mal betreten habe, war das eine surreale Erfahrung. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist, als würde man ein riesiges Schiff betreten. Die Decke ist wirklich hoch, aber die Belüftung ist nicht besonders gut. Morgens wird es in Mumbai sehr schwül. Es ist unerträglich heiß. Und acht Stunden lang in einem Schutzanzug zu arbeiten, das ist unvorstellbar. Die Hitze ist fast nicht zu ertragen.“