Unsere Hilfe in Syrien

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Trotz erheblicher Einschränkungen betreibt Ärzte ohne Grenzen weiterhin medizinische Einrichtungen in Syrien. Zudem unterstützen wir mehr als 150 Standorte im ganzen Land, an denen medizinische Hilfe geleistet wird. In den Nachbarländern Syriens haben wir 2015 unsere Aktivitäten ausgeweitet und neue Projekte eröffnet. Die Bedürfnisse der Menschen vor Ort sind nach wie vor enorm.

Angesichts der anhaltenden Not von Millionen Menschen und der prekären Versorgungslage müsste Ärzte ohne Grenzen in Syrien eines der größten Hilfsprogramme in der Geschichte der Organisation durchführen. Das Ausmaß der Gewalt, die Unberechenbarkeit des Syrien Konflikts und der involvierten Parteien führt jedoch dazu, dass wir unsere Arbeit nur mit starken Einschränkungen aufrechterhalten können. Nach der Entführung und Freilassung von Mitarbeitern unserer Organisation 2014 wurde die schwierige Entscheidung getroffen, die Aktivitäten in vom IS kontrollierten Gebieten zu beenden. Ärzte ohne Grenzen hat versucht, Sicherheitsgarantien von der Führung des IS zu erlangen – so, wie das unsere Teams in allen Konfliktgebieten weltweit mit den Konfliktparteien tun. Doch gab es keinerlei Zusagen von dieser Seite. Dadurch sind die Menschen in großen Teilen des Landes außerhalb unserer Reichweite. Auch von der syrischen Regierung haben wir bis heute keinerlei Erlaubnis bekommen, in den Gebieten unter ihrer Kontrolle zu arbeiten, wodurch auch dort Millionen von Menschen keine direkte Hilfe von außerhalb des Landes kommenden Organisationen erhalten können.

Unsere Hilfe im Syrien Konflikt: Aktivitäten im Einzelnen (Auszug):

  • Aleppo: Die Auswirkungen des Syrien Konflikts auf den Regierungsbezirk Aleppo im Nordwesten des Landes sind verheerend und die Situation hat sich 2015 weiter verschlechtert. Die Bevölkerung im nördlichen Teil des Bezirks leidet unter willkürlicher Gewalt genauso wie unter gezielten Angriffen auf Einrichtungen, die vom  Gesundheitssystem übrig geblieben sind. In einem Krankenhaus, das von syrischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen geführt wird, leisten wir ambulante und stationäre Hilfe, es gibt eine Notaufnahme, chirurgische Versorgung und eine Geburtsstation. Zudem wird auch psychologische Unterstützung angeboten. Zwischen Januar und August 2015 wurden in dem Krankenhaus 900 Operationen durchgeführt, 23.010 Patienten wurden ambulant und 1.069 stationär behandelt. 11.251 Menschen kamen zu uns in die Notaufnahme.
  • Ayn Al Arab / Kobane: Seit März 2015 arbeitet Ärzte ohne Grenzen in dem Gebiet im Norden von Syrien mit der Gesundheitsverwaltung von Kobane zusammen. Ziel ist es, Basisgesundheitseinrichtungen wieder aufzubauen, ambulante Gesundheitsversorgung anzubieten, Impfungen durchzuführen und psychologische Unterstützung zu leisten. Im August unterstützte Ärzte ohne Grenzen die lokalen Gesundheitsbehörden zudem bei der Bereitstellung von Masern-Impfungen und Vitamin A für insgesamt 5.776 Kinder.
  • Idlib: Im Regierungsbezirk Idlib betreibt Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus mit 15 Betten und einer kleinen Notaufnahme. Unser Team aus syrischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird von einem Team aus internationalen Kollegen unterstützt, welches aus dem Süden der Türkei operiert. In dem Krankenhaus werden vor allem Verbrennungsopfer behandelt. Unsere Teams führen Hauttransplantationen durch, versorgen Wunden, wechseln Verbände und bieten Physiotherapie an. Darüber hinaus führt Ärzte ohne Grenzen Projekte für die mehr als 100.000 durch den Syrien Konflikt Vertriebenen in der Region durch. In diesem Zusammenhang kümmern sich unsere Teams insbesondere um die Überwachung von Krankheitsausbrüchen und routinemäßige Impfungen.
  • Hasakah: Im Regierungsbezirk Hasakah im Nordosten lebt ein großer Teil der kurdischen Minderheit Syriens. Seit rund einem Jahr nehmen auch hier Zusammenstöße zwischen unterschiedlichen bewaffneten Gruppen zu. Zudem ist die Grenze zum Irak nur noch für Menschen offen, die nach Syrien zurückkehren wollen. Ärzte ohne Grenzen unterhält in Hasakah mehrere medizinische Zentren, wo wir eine Grundversorgung anbieten und einen besonderen Schwerpunkt auf Mütter und Kinder sowie auf die Behandlung chronischer Krankheiten legen. Die Gesundheitsversorgung richtet sich sowohl an Vertriebene, als auch an die Bewohner und Bewohnerinnen der Gemeinden vor Ort. Zwischen Januar und Juni 2015 führten unsere Teams 18.618 Untersuchungen durch und halfen bei 767 Geburten. Zudem verteilten wir Wasser, Nahrungsmittel, Hygiene-Sets und Decken an Menschen in Lagern, in die sie vor der Gewalt des Syrien Konflikts geflohen sind.
  • Externe Unterstützung medizinischer Einrichtungen im ganzen Land: Seit 2011 unterstützt Ärzte ohne Grenzen eine wachsende Zahl medizinischer Einrichtungen sowohl in von der Regierung als auch in von der Opposition kontrollierten Gebieten von außerhalb des Landes aus. Ein Schwerpunkt liegt auf der Versorgung belagerter Gebiete. Bis Oktober 2015 unterstützte Ärzte ohne Grenzen mehr als 150 medizinische Einrichtungen, von kleinen Gesundheitsposten in ländlichen Regionen bis zu größeren Krankenhäusern in Städten (unter anderem in Homs, Hama oder der Umgebung von Damaskus). In enger Zusammenarbeit mit syrischen medizinischen Netzwerken, werden die Strukturen in Syrien von den Nachbarländern aus mit medizinischen Geräten und Material, Trainings für die Teams vor Ort und Unterstützung für Krankentransporte versorgt.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 2009 Hilfe im Syrien Konflikt an.

Zudem arbeiten unsere Teams in den Nachbarländern Libanon, Jordanien und Irak. Darüber hinaus unterstützen wir Menschen auf der Flucht mit Projekten in Tunesien, Italien, Griechenland, Serbien und Kroatien und leisten Seenotrettung im Mittelmeer.