Unsere Hilfe im Libanon

Unsere Aktivitäten im Überblick:

Ärzte ohne Grenzen konzentriert die medizinische Hilfe im Libanon auf die Versorgung von Flüchtlingen. Die Situation im Land ist weiterhin sehr instabil. Der Zuzug von Geflüchteten bedeutet eine enorme Belastung für die öffentliche Versorgung und verschärft die Spannungen im Land. Die Lebensbedingungen für Flüchtlinge im Libanon sind sehr prekär, und immer mehr leben in ungeeigneten Unterkünften. Da es nur wenige Möglichkeiten gibt, Geld zu verdienen und die finanziellen Ressourcen der Menschen zur Neige gehen, hängen die Geflüchteten weitgehend von humanitärer Hilfe ab. Unser Hauptanliegen ist der Zugang zu medizinischer Basis- sowie weitergehender Versorgung, sicheren Geburten und die Behandlung von chronischen Krankheiten. Unsere Hilfe im Libanon umfasste von Januar bis Juni 2015 mehr als 126.000 Konsultationen für syrische Geflüchtete.

Die im Dezember 2014 implementierten Maßnahmen der Regierung (wie teure Visa-Bestimmungen für Syrer) haben die Zahl der Syrerinnen und Syrer im Libanon reduziert. Sie stellen zurzeit rund 30 Prozent der Bevölkerung des Landes. Seit Anfang Mai 2015 hat das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) die Neu-Registrierung von Geflüchteten ausgesetzt und kommt damit einer Aufforderung der libanesischen Regierung nach. Dementsprechend werden Geflüchtete, die im Libanon auf ihre Registrierung warten, nicht mehr in die offiziellen Angaben von Flüchtlingszahlen einbezogen. Hohe Gebühren halten Menschen, die  aus Syrien geflohen sind, davon ab, ihre Pässe und Aufenthaltsgenehmigungen erneuern zu lassen. Dadurch steigt die Zahl derer, die sich ohne Papiere im Libanon aufhalten, nur noch weiter.

Die Hilfe im Libanon im Einzelnen (Auszug):

  • Im Bekaa-Tal, wo sich ein Großteil der syrischen Flüchtlinge niedergelassen hat, bietet Ärzte ohne Grenzen seit 2012 eine medizinische Grundversorgung an. Dazu gehören u.a. auch psychologische Sprechstunden und organisierte Gesundheitsaufklärungsaktivitäten. Die Projekte richten sich an syrische Flüchtlinge ungeachtet ihres Registrierungsstatus und bedürftige Libanesen. Unsere Hilfe umfasst auch wöchentliche Beratungsangebote für Mädchen und Frauen, in denen sie Ärztinnen und Hebammen aufsuchen können.
  • Im Rahmen der Hilfe im Libanon arbeitet ein Team in der nördlichen Küstenstadt Tripoli im Krankenhaus Dar al-Zahraa, wo wir seit Februar 2012 eine Basisgesundheitsversorgung, die Behandlung chronischer Krankheiten und reproduktive Gesundheitsversorgung für syrische Flüchtlinge und bedürftige Libanesen anbieten. Zudem unterstützen wir verschiedene Gesundheitszentren bei der medizinischen Basisgesundheitsversorgung und Behandlung von akuten Krankheiten. In Jabal Mohsen leisten wir überdies Unterstützung bei leichten operativen Eingriffen, um Patienten bei Gewaltausbrüchen für den Transport zu stabilisieren.
  • Zudem eröffneten wir nördlich von Tripoli eine neue Klinik in Abde. Auch dort bieten wir eine medizinische Grundversorgung, die Behandlung von akuten, nicht-übertragbaren Krankheiten sowie sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung, psychologische Sprechstunden, organisierte Gesundheitsaufklärungsaktivitäten und Impfungen an.
  • Seit September 2013 umfasst die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen im Libanon auch die Arbeit im Flüchtlingslager Schatila im Süden von Beirut. Wir konzentrieren uns dort auf die medizinische Grundversorgung, die Behandlung chronischer Krankheiten und psychologische Unterstützung. Das Team hat zudem Strukturen zur Unterstützung von Patienten mit dringender chirurgischer Behandlung implementiert, mit denen die Betroffenen in zwei Krankenhäuser überwiesen werden können, mit denen Ärzte ohne Grenzen Übereinkommen hat. Der Fokus liegt auf nicht-registrierten Flüchtlingen, die keinen Anspruch auf offizielle Hilfe haben und auf registrierten Geflüchteten mit dringenden chirurgischen Bedürfnissen.
  • Im Januar 2015 haben wir zudem ein Gesundheitszentrum für Frauen eröffnet, welches eine umfassende Schwangerschaftsbetreuung für verletzliche Frauen im Libanon anbietet. In dem Zentrum werden rund 100 Geburten pro Monat begleitet. Die Gesamtzahl an Patientinnen beträgt pro Monat rund 4.000 Personen.
  • Im Süden des Libanon umfasst die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken. Die medizinische Versorgung steht sowohl geflüchteten Syrerinnen und Syrern als auch der libanesischen Bevölkerung in der Region zur Verfügung.
  • Bevor im März 2011 die Aufstände in Syrien begannen, lebten dort rund 500.000 palästinensische Flüchtlinge. Die palästinensischen Flüchtlingslager unter anderem in Aleppo, Daraa und Damaskus wurden angegriffen und belagert, wodurch zahlreiche Menschen ums Leben kamen und verletzt wurden. Bis April 2014 wurden mehr als 3.000 Palästinenserinnen und Palästinenser aus Syrien im Libanon vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) registriert.
  • Seit Juni 2013 umfasst unsere Hilfe im Libanon zudem die grundlegende medizinische Versorgung für syrische und palästinensische Flüchtlinge im Human-Call-Krankenhaus im Ein-al-Helweh-Lager.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1976 Hilfe im Libanon an.