„Zwischen Rhetorik und Realität – Die humanitäre Lage in Afghanistan“

Patienten warten vor dem Trauma-Zentrum in Kundus, im Norden von Afghanistan.

Am 22. Mai 2014 veranstaltete Ärzte ohne Grenzen in Berlin eine Konferenz zur humanitären Lage in Afghanistan.

Broschüre zur Konferenz Finden Sie hier die Broschüre zu der Konferenz

Die humanitäre Lage vieler Menschen in Afghanistan ist nach wie vor schlecht, wird aber viel zu selten thematisiert. Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich seit längerem vor allem auf den Abzug der internationalen Truppen und die bevorstehenden Wahlen, die allzu oft beschönigende Rhetorik vieler politischer und militärischer Akteure täuscht über die Realität im Land hinweg: Afghanistan ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt, und es mangelt der Zivilbevölkerung vielerorts an einer adäquaten Gesundheitsversorgung.

Insbesondere die Müttersterblichkeit sowie die Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren sind besorgniserregend hoch. Die Wege zur nächsten Krankenstation sind in ländlichen Gebieten oft zu gefährlich oder zu weit. Zudem existieren für viele Teile des Landes bis heute keine verlässlichen Informationen über die Versorgungslage der Bevölkerung.

Herausforderungen für humanitäre Organisationen

Nationale wie internationale Hilfsorganisationen haben seit 9/11 oft große Schwierigkeiten, in einigen Teilen des Landes zu arbeiten – wo Hilfe dringend nötig wäre. Der Zugang muss mühselig verhandelt werden, und die Erfahrung zeigt: Für die Sicherheit der Projekte und deren Mitarbeiter zu garantieren, ist ein Drahtseilakt.

Die politische Situation in Afghanistan wird sich 2014 deutlich verändern. Der bereits begonnene Abzug der internationalen Truppen wird die westliche Militärpräsenz im Land weiter reduzieren. Bei den Präsidentschaftswahlen im April wird Ministerpräsident Karzai nicht wieder kandidieren. Wie eine neue Regierung mit der Korruption, der regionalen Zersplitterung und dem Kampf mit den Oppositionsgruppen umgehen wird, ist ungewiss. All dies wird auch Auswirkungen auf die humanitäre Situation im Land haben.

Zentrale Fragen der Konferenz

Diese soll im Mittelpunkt der Frühjahrskonferenz 2014 stehen. Wie ist die Lage in Afghanistan nach mehr als 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen und mehr als zehn Jahren westlicher Präsenz? Was sind die Nöte der Bevölkerung? Wo müssen internationale Hilfsorganisationen aktiv(er) werden und wie ist das möglich?

Im Rückblick auf die Interventionsstrategie der westlichen Staaten soll auch diskutiert werden, welchen Einfluss die Vernetzung von zivilen und militärischen Aufgaben auf die Arbeit der humanitären Organisationen hatte und hat. Sind sie durch die Integration in die Counter-Insurgency-Strategie zur Zielscheibe von Angriffen geworden? Wie kann die Bevölkerung zwischen politisch motivierter und unabhängiger Hilfe unterscheiden?

Im Kontext der sich verändernden Situation in Afghanistan soll es auf der Konferenz darum gehen, aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre zu lernen und auf die Notlage vieler Menschen im Land aufmerksam zu machen.

In Afghanistan ist Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus "Ahmad Shah Baba" im Osten Kabuls und im Boost-Krankenhaus in Laschkar Gah in der Provinz Helmand tätig. Im Norden Afghanistans betreibt die Organisation in Kundus eine chirurgische Klinik und führt dort lebensrettende chirurgische Eingriffe durch. In der östlich gelegenen Provinz Chost betreibt die Organisation eine Frauenklinik.
Die Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan werden ausschließlich aus privaten Spenden finanziert. Die Organisation nimmt dafür keine staatlichen Gelder an.

 

Videomitschnitt der Konferenz (Teil 1)

 

Videomitschnitt der Konferenz (Teil 2)

 

Videomitschnitt der Konferenz (Teil 3)

 

Programm

16.00 – 16.15     Begrüßung

  • Ulrike von Pilar (Leiterin Humanitäre Fragen, Ärzte ohne Grenzen)

16.15 – 17.00     Impulsreferate

17.00 – 18.30     Diskussion

  • Michael Brand (CDU, Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe)
  • Bärbel Dieckmann (Präsidentin der Welthungerhilfe)
  • Frank Dörner (Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen)
  • Generalleutnant a.D. Rainer Glatz (ehem. Befehlshaber Einsatzführungskommando der Bundeswehr)
  • Masood Karokhail (Geschäftsführer von The Liaison Office /TLO, Afghanistan)
  • Botschafter Rüdiger König (Beauftragter für Vereinte Nationen, Auswärtiges Amt)

Moderation

18.30 – 19.00     Empfang

 

Die Konferenzsprachen sind deutsch und englisch. / The conference will be held in English and German. For more information in English, please read the invitation flyer (PDF zum Download)

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