Der weite Weg nach Bossangoa

Mangelernährung und Malaria in der Zentralafrikanischen Republik

Deutlich mehr Patienten als im vergangenen Jahr

In einem Raum der Ernährungsabteilung nippt ein kleines Kind an einer Tasse Milch. Sein Name ist Ginasse. Seine Großmutter Marie Mbora Koméssé passt auf den Jungen auf. Vor circa zwei Wochen kam sie im Krankenhaus in Bossangoa an. Aber Ginasse ist so krank, dass er noch länger braucht, um sich zu erholen. „Ich kam hierher, als ich sah, dass sich die Haut an seinen Beinen abschälte. Wegen der Schmerzen weinte er viel. Ich wollte sein Leben retten“, erklärt Marie und legt ihre Hand auf den Kopf ihres Enkels.

Mangelernährung ist in der Zentralafrikanischen Republik seit Jahren Realität. In letzter Zeit jedoch verzeichnet das Krankenhaus, das von uns unterstützt wird, einen enormen Anstieg komplizierter Fälle. In den ersten acht Monaten des Jahres 2018 haben wir bereits 721 schwere Fälle von Mangelernährung behandelt. Das sind 50 mehr als im gesamten Jahr 2017. Allein im September 2018 nahm die Station mit 45 Betten mehr als 80 mangelernährte Patienten auf.

Prudence Ressama und ihr Enkelsohn
"Wie könnte ich mir keine Sorgen machen? Ich kam mit einem kranken Kind und jetzt sehe ich viele weitere wie ihn."

Bei Ankunft sind die Kinder oft schon sehr krank

Die Fälle schwerer Mangelernährung können auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden: die fragile Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik führt immer wieder zu Vertreibungen. In weiten Teilen des Landes haben die Menschen nur begrenzten Zugang zu Lebensmitteln oder funktionierenden Gesundheitseinrichtungen. Viele Menschen müssen weite Strecken zurücklegen, um die wenigen funktionierenden Gesundheitseinrichtungen zu erreichen. Die weiten Wege führen dazu, dass die Menschen, die in Bossangoa ankommen, oft schon sehr krank sind.

Auch Guillaume Belossous Sohn Oscar ist stark mangelernährt. Er kommt aus einem Dorf in der Nähe der mehr als 100 Kilometer entfernten Stadt Markounda. „Ich weiß, dass mein Sohn mangelernährt ist. Wir essen nur Maniok, weil wir nichts Anderes kaufen können. Ich habe 12 Kinder und meine Frau ist vor zwei Wochen gestorben. Ich musste alle meine anderen Kinder zurücklassen, um hierher zu kommen. Ich hoffe, mein Kind wird überleben, alles liegt in Gottes Hand.“

Fünf Fotos, sechs Schicksale

Malaria und Mangelernährung töten mehr Kinder als Waffen

Einen besonderen Teufelskreis setzt die Regenzeit in Gang, erklärt unser Pfleger Nathanaël Momba: „Jedes Jahr, wenn die Regenzeit beginnt, steigt die Zahl der Malariafälle. Malaria und Mangelernährung sind eng miteinander verbunden. Wenn ein Körper, der bereits leicht mangelernährt ist, von Malaria betroffen ist, wird er sehr schnell geschwächt. Eine moderate Mangelernährung wird akut. Und wenn es so weit ist, ist unsere Einrichtung der einzige Ort in der Region, an dem Menschen behandelt werden können. Es gibt keinen anderen Ort.“

 Als Reaktion darauf haben wir ein erfolgreiches Überweisungssystem eingerichtet, das jeden Monat mehr als 200 schwere Fälle per Mototaxi transportiert. Ohne diesen Service würden viele das Krankenhaus nie erreichen, da die Transportkosten für viele Menschen unerschwinglich sind. Wir schließen die Gesundheitslücken in der gesamten Region und verkürzen die Wege für Menschen, die zur medizinischen Versorgung reisen müssen. So könne man an den steigenden Fallzahlen auch Positives ablesen, wie Hilaire Doutoumbay, einer unser Ärzte in Bossangoa, erklärt: „Die steigende Zahl an Patienten bedeutet, dass die Menschen einen besseren Zugang zu den Gesundheitseinrichtungen haben und dass die Gesundheitsförderung und -vermittlung von Ärzte ohne Grenzen wirksam war.“ 

Zwischen Januar und Juni 2018 haben wir in Bossangoa und Umgebung 95.561 Patientinnen und Patienten mit Malaria behandelt.

2018 behandelten wir in Bossangoa bis September bereits 721 Fälle schwerer Mangelernährung. Das waren 50 mehr als im gesamten Jahr 2017.

Im Jahr 2018 behandelten wir 112.052 Patientinnen und Patienten mit Malaria und 1.246 Kinder mit Mangelernährung in der gesamten Region.

Sylvia Schaber, Internistin

"Seit einigen Wochen ist der Patientenandrang enorm. Viele teils schwer mangelernährte Kinder erreichen das Krankenhaus von Bossangoa. In Deutschland sieht man solche Fälle nicht. Ich bin froh, dass ich in dieser Situation helfen kann, aber vor allem lerne ich eine ganze Menge von meinen zentralafrikanischen Kollegen."