Weltgesundheitsversammlung in Genf: Ärzte ohne Grenzen fordert Forschungsfonds gegen vernachlässigte Krankheiten

Genf/Berlin, 15. Mai 2014. Als Konsequenz aus der Ebola-Epidemie in Westafrika fordert Ärzte ohne Grenzen von der Weltgesundheitsversammlung einen Fonds zur  Erforschung vernachlässigter Krankheiten. Damit sollen bezahlbare Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika entwickelt werden. Das Gremium tagt ab kommender Woche in Genf.

„Ebola hat das Versagen der Welt bei der globalen Gesundheitsforschung drastisch offen gelegt“, erklärt Philipp Frisch von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Auch weil es keinen Impfstoff gibt, konnte sich die Epidemie ungehindert ausbreiten. Wegen fehlender Medikamente sind mehr als 11.000 Menschen in Westafrika gestorben. Und auch über Ebola hinaus sind unsere Teams oft hilflos, weil wirksame, angepasste und bezahlbare Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika fehlen. Das gilt etwa für Krankheiten wie Tuberkulose, die Schlafkrankheit oder Chagas und für die zunehmenden Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika. Die Politik muss hier endlich substanziell etwas tun – denn für die Pharmaindustrie sind diese Bereiche wirtschaftlich einfach nicht interessant.“

Die Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden bei ihrer jährlichen Versammlung in der kommenden Woche auch über die Einrichtung eines Forschungsfonds beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird dort am Montag eine Rede halten. Zuletzt hat eine internationale Expertengruppe einen öffentlich finanzierten Fonds vorgeschlagen, um das Marktversagen im Gesundheitsforschungssystem auszugleichen.

„Es darf nicht nur darum gehen, einzelne Lücken in der Forschung zu stopfen“, sagt Frisch. „Es ist nicht sinnvoll, die Debatte auf einzelne Krankheiten wie Ebola zu reduzieren, da die Probleme eine ganze Reihe von Krankheiten betreffen. Vielmehr muss eine nachhaltige, verlässliche und kohärente Lösung gefunden werden, die durch verpflichtende Beiträge der Mitgliedsstaaten eine langfristige Finanzierung von Forschungsvorhaben sicherstellt.“

Auch im Rahmen ihrer G7-Präsidentschaft muss die Bundesregierung sich stärker für Forschungsförderung engagieren. „Auf der Agenda des G7-Gipfels im Juni stehen Ebola, antimikrobielle Resistenzen und vernachlässigte Krankheiten. Deutschland hat als Gastgeber eine besondere Verantwortung. Angela Merkel muss in Elmau die Weichen für mehr öffentliche Forschung stellen“, so Frisch.

Auf nationaler Ebene wird am kommenden Donnerstag im Bundestag über ein stärkeres Engagement gegen vernachlässigte Krankheiten beraten. Diskutiert wird die künftige Finanzierung von nicht-profitgetriebenen Forschungspartnerschaften durch das Forschungsministerium. „Das bisherige finanzielle Engagement der Bundesregierung in diesem Bereich ist leider sehr gering. Deutschland stellt nicht einmal halb so viele Mittel zur Verfügung wie Großbritannien – und lediglich drei Prozent der US-Ausgaben“, so Frisch. „Will Deutschland sowohl in der G7 als auch in der WHO bei diesem Thema ernst genommen werden, muss der nationale Beitrag deutlich steigen.“

Die Publikation der internationalen Expertengruppe finden sie hier.

Philipp Frisch ist vom 17.-20.5. in Genf und steht für Interviews zur Verfügung: +49 163 8808 410