Südsudan

30.000 Vertriebene im Norden des Landes benötigen Wasser und Nahrung

Eine Gruppe von Vertriebenen rastet bei Aburoch nördlich von Kodok, wo Ärzte ohne Grenzen ein Gesundheitszentrum eingerichtet hat. Die Menschen waren tagelang zu Fuß unterwegs, um der Gewalt in Wau Shilluk zu entkommen. Jetzt brauchen sie Wasser, Nahrung, Unterkünfte und medizinische Versorgung. 

Nairobi/Berlin, 10. März 2017. Zehntausende Menschen sind in den vergangenen Wochen vor Kämpfen in der Region „Greater Upper Nile” geflohen und benötigen dringend humanitäre Hilfe. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben ein medizinisches Nothilfeprogramm für 30.000 Vertriebene nahe der Stadt Kodok gestartet. Die Menschen sind aus der Stadt Wau Shilluk weiter südlich am Weißen Nil geflohen, die nun fast komplett verlassen ist. Auch die Teams von Ärzte ohne Grenzen mussten vor einigen Wochen wegen der nahenden Kämpfe ihre Klinik in Wau Shilluk verlassen.

„Die Vertriebenen sind in großer Not und ihre Bedürfnisse werden nur unzureichend gedeckt“, sagt Abdalla Hussein Abdalla, stellvertretender Landeskoordinator für den Südsudan. „Die meisten mussten all ihr Hab und Gut zurücklassen. Sie sind auf der Flucht vor der Gewalt tagelang gelaufen und brauchen nun dringend Wasser, Lebensmittel, Unterkünfte und medizinische Hilfe.“

Ärzte ohne Grenzen hat angesichts der akuten medizinischen Bedürfnisse der vertriebenen Bevölkerung ein Gesundheitszentrum in Aburoch nördlich von Kodok eingerichtet. Es umfasst einen stationären und einen ambulanten Bereich sowie eine Notaufnahme. Nach Aburoch sind rund 15.000 Menschen geflohen. Zwei mobile Teams sind im Süden von Kodok im Einsatz, wo weitere Vertriebene Zuflucht gesucht haben. In den vergangenen zwei Wochen haben die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen rund 300 Konsultationen pro Tag abgehalten – rund sechs Mal so viele, wie sie vor der Evakuierung im Krankenhaus von Wau Shilluk geleistet haben.

Es fehlt an Wasser und grundlegenden Materialien

Die Menschen, die in die Gegend rund um Kodok geflohen sind, müssen mit sehr wenig überleben. Im Durchschnitt bekommt jede Person lediglich zwei Liter sauberes Wasser pro Tag, deutlich weniger als nötig. Die Situation hat sich in den letzten Tagen leicht verbessert. Trotzdem liegen die verfügbaren Wassermengen weiterhin deutlich unter den Mindestmengen, die in Notsituationen notwendig sind, damit die Menschen gesund bleiben. Rund 90 Prozent der Familien, die die Teams von Ärzte ohne Grenzen besucht haben, fehlt es an grundlegenden Materialien wie Kochtöpfen, Kanistern für sauberes Wasser oder Plastikplanen als Schutz gegen die Sonne am Tag und die Kälte in der Nacht.

„Unsere Mitarbeiter sehen viele Menschen mit Atemwegserkrankungen oder akutem Durchfall, was sich teilweise mit den furchtbaren Lebensbedingungen erklären lässt“, sagt Abdalla. „Kinder, Schwangere und alte Menschen sind in dieser Situation besonders verletzlich. „Wenn nicht bald mehr Latrinen gebaut werden und sich der Zugang zu Wasser nicht verbessert, steigt das Risiko für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.“

Für die meisten Menschen, die aus Wau Shilluk kommen, ist es nicht die erste Flucht. Viele von ihnen haben zuvor in der Stadt Malakal gelebt, bis sie gezwungen waren, die Stadt wegen der dortigen Gefechte zu verlassen. Einige haben dort noch Verwandte in der UN-Schutzzone für die Bevölkerung. Sie haben aber keine Möglichkeit, diese zu kontaktieren und über ihre aktuelle Situation zu informieren.

Schutz der Zivilisten vor weiteren Gefechten

Ärzte ohne Grenzen ist besorgt darüber, dass die Menschen zu wenig humanitäre Hilfe erhalten. Wir rufen alle Konfliktparteien erneut dazu auf, die Sicherheit von Zivilisten zu garantieren. „Viele Menschen wissen nicht, wo sie sich niederlassen sollen. Sie haben Angst, dass sie durch den Konflikt erneut zur Flucht gezwungen werden. Sie dürfen nicht weiterer Gewalt ausgesetzt werden. Es ist dringend notwendig, dass sie dort Hilfe erhalten, wo sie letztlich bleiben“, sagt Abdalla.

Unser Team konnte Wau Shilluk vor kurzem besuchen. Unsere Mitarbeiter halfen 47 dort verbliebenen Menschen in und um der Stadt, die zurückgeblieben waren. Die meisten von ihnen waren ältere oder behinderte Menschen, die nicht hatten fliehen können. 38 von ihnen wurden auf ihren Wunsch hin in die UN-Schutzzone nach Malakal gebracht. Die in Wau Shilluk verbliebenen Zivilisten brauchen deutlich mehr Hilfe und Schutz. Humanitären Helfern sollte es erlaubt sein, ihnen zu helfen.  

Medizinisches Personal und Einrichtungen müssen respektiert werden

Während dieses Besuchs konnte das Team auch unser Krankenhaus in Wau Shilluk besuchen und den Zustand der Einrichtung einschätzen: „Die gesamten Vorräte an medizinischem Material sind geplündert worden, inklusive lebensrettender Medikamente. Leider ist das Krankenhaus in einem katastrophalen Zustand. Medikamente für die Behandlung von Tuberkulose, HIV/Aids und Kala Azar fehlen jetzt“, sagt Abdalla. „Wir fordern alle Konfliktparteien auf, den geschützten Status medizinischer Einrichtungen zu respektieren.“