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Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine

Hilfe in den Nachbarländern der Ukraine

Zu Fuß, mit dem Auto oder dem Zug fliehen vor allem Kinder, Frauen und alte Menschen vor der Gewalt in der Ukraine. Mehr als 4 Millionen Menschen haben mittlerweile ihre ukrainische Heimat verlassen. Sie suchen Schutz in Nachbarländern wie Polen, der Slowakei oder der Republik Moldau. Es gibt diejenigen, die dort bleiben werden, und jene, die in ein anderes Land weiterreisen. Allein in Polen sind mehr als drei Millionen Menschen angekommen, und täglich werden es mehr. 

So helfen wir auf beiden Seiten in den Grenzgebieten

  • Wir liefern Hilfsgüter, zum Beispiel an polnische Notunterkünfte.
  • Wir behandeln Geflüchtete, zum Beispiel an der ukrainisch-moldauischen Grenze.
  • Wir bieten den Menschen auf der Flucht psychologische Unterstützung an.

Im Moment können lokale Behörden und die Zivilgesellschaft die humanitären und medizinischen Bedarfe weitestgehend decken. Eine große Frage ist, was längerfristig geschieht. Viele Freiwillige werden an ihren Arbeitsplatz zurückkehren müssen. Gleichzeitig ist noch immer eine große Zahl von Menschen unterwegs. Irgendwann könnte das System ins Wanken geraten. Unser Blick richtet sich deshalb auch darauf, perspektivisch Lücken zu schließen. Überall dort, wo unsere medizinische Arbeit dringend gebraucht wird, unterstützen wir die Geflüchteten und die lokalen ehrenamtlichen und professionellen Helfer*innen mit unserer Expertise. 

Unterstützen Sie unsere weltweite Hilfe für Menschen auf der Flucht!

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Große Hilfsbereitschaft in Polen

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Notunterkunft für Flüchtende aus der Ukraine in Polen
28. Februar 2022: Menschen, die wegen des Konflikts in der Ukraine geflohen sind, finden in einer Notunterkunft in Korczoa, Polen Zuflucht.
©MSF

Dank des großen Engagements der Bevölkerung ist unsere Hilfe für Flüchtende in Polen begrenzt, wohin nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks drei Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen sind. Lokale Behörden, Nichtregierungsorganisationen, zivilgesellschaftliche Gruppen und Freiwillige helfen an der Grenze, stellen Tee, Suppe oder Decken bereit. In Warschau, Lodz, Breslau, Kattowitz und Krakau haben wir Transitzentren und Notunterkünfte für Geflüchtete besucht. Dem Roten Kreuz in Lublin und zu einer Aufnahmestelle nahe des Grenzübergangs Zosin haben wir Hilfsgüter geliefert. Zudem bringen wir auch von Polen aus Hilfsgüter in die Ukraine. Polen war bisher unsere wichtigste Route, um Personal und Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen.

In medizinischer Hinsicht ist eines meiner Hauptanliegen für die nächsten Wochen die Kontinuität der Versorgung von Patient*innen mit chronischen Krankheiten. Die Geflüchteten aus der Ukraine müssen ihre üblichen Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes, Epilepsie, psychiatrische Erkrankungen, Tuberkulose und andere gesundheitliche Probleme erhalten. Wenn sie nicht regelmäßig Zugang zu Medikamenten haben, wird sich ihre Krankheit verschlimmern und vielleicht sogar einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen. 

- Felipe van Braak, medizinischer Projektleiter in Polen

Die polnische Stadt Przemyśl, mit ihren etwa 60.000 Einwohner*innen, liegt nur etwa 15 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Seit Kriegsbeginn haben dort Tausende Menschen die Grenze überquert.

Katharina Rusanova berichtet am Grenzübergang über ihre Flucht mit ihren beiden Kindern Daria und Daniel.

 

Grenzübergang Palanca, Republik Moldau: Flucht vor den Bomben

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Republik Moldau Geflüchtetes Kind im Zelt mit Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen
19. März 2022: Am Grenzübergang in Palanca, Republik Moldau, kümmern sich unsere Mitarbeiter*innen um die Geflüchteten. Viele von ihnen sind Kinder.
©Peter Bräunig/MSF

Am Grenzübergang Palanca kommen täglich Tausende Ukrainer*innen an. Für mehr als die Hälfte der Geflüchteten ist die Republik Moldau mit ihren 2,6 Millionen Einwohner*innen nur ein Zwischenstopp auf ihrer Flucht nach Polen, Rumänien und in andere europäische Länder. Seit Beginn des Krieges kamen eine halbe Million Geflüchtete in der Republik Moldau an.

Am 12. März begann Ärzte ohne Grenzen in Palanca mit der medizinischen und psychologischen Erstversorgung der Menschen sowie mit der Unterstützung von Familien, die aus Mykolajiw und der Region Odesa geflohen waren - diese Aktivitäten sind inzwischen abgeschlossen und wurden an andere humanitäre Organisationen übergeben. Am Grenzübergang Otaci und in der Hauptstadt Chișinău haben wir vergleichbare Aktivitäten begonnen. In Otaci schulen wir bereits lokale Freiwillige in psychologischer Ersthilfe, in Chișinău leisten unsere Teams psychologische Ersthilfe in den Aufnahmeeinrichtungen. In verschiedenen Krankenhäusern der Stadt evaluieren wir, wie der Zugang zur Gesundheitsversorgung für Geflüchtete verbessert werden kann.

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Sergei ist einer der wenigen Männer, die die Ukraine verlassen dürfen. Er wurde wegen einer Hepatitis C-Erkrankung aus dem Militär entlassen. Nachdem er seine schwangere Frau und den 6-jährigen Sohn in Polen in Sicherheit gebracht hatte, kehrte er in das Land zurück. Mittlerweile konnte er selbst die Ukraine über die Republik Moldau verlassen.

Sergei, 32 Jahre, geflohen aus der Ukraine

Erschöpft und traumatisiert erreichen Geflüchtete die Slowakei

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6. März 2022: Hunderte Menschen warten in der Schlange, um die Grenze zur Slowakei von der Stadt Uzhhorod in der ukrainischen Region Transkarpatien aus zu Fuß zu überqueren
©Santi Palacios

An der gemeinsamen Grenze der Slowakei und der Ukraine gibt es drei Übergangsstellen. Vyšné Nemecké ist die größte. An manchen Tagen ist dort die Schlange der Fliehenden sehr lang. Die ankommenden Menschen sind hungrig, traumatisiert und völlig erschöpft. 

Noch können die lokalen Behörden und die Zivilgesellschaft den Unterstützungsbedarf in der Slowakei decken. Wir haben eine Absichtserklärung mit dem örtlichen Gesundheitsministerium unterzeichnet, um medizinische Hilfsgüter ins Land bringen zu können. Zudem planen wir einen Einsatz, bei dem es voraussichtlich um die medizinische Betreuung von ankommenden Geflüchteten im Bereich Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und um psychologische Ersthilfe gehen soll.

Auf ukrainischer Seite sind wir dabei, Stützpunkte in Uzhhorod und Iwano-Frankiwsk einzurichten. Das größte Problem für das ukrainische Gesundheitssystem ist eine Unterbrechung der Versorgung mit lebenswichtigen medizinischen Gütern. Wir etablieren ein Netzwerk zur Unterstützung mit medizinischem Material und Hilfsgütern für Vertriebene. 

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Unser erstes Nothilfeteam traf Anfang März in der Slowakei ein. Nach einer ersten Bewertung arbeiten wir nun mit dem Gesundheitsministerium zusammen, um die Hilfe zu unterstützen. Außerdem verhandeln wir über ein Abkommen, damit wir medizinische Hilfsgüter importieren und hier arbeiten können. 

Marta Wnorowska, Projektkoordinatorin in der Slowakei

09.05.2022

Ungarn: Unterstützung lokaler Initiativen

In Zusammenarbeit mit ungarischen Organisationen und Ärzt*innen haben wir mit mobilen Kliniken begonnen. Neben medizinischer Unterstützung bieten wir auch psychologische Ersthilfe an.  

Russland: Evaluierung in der Grenzregion

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks sind bereits mehr als 550.000 Menschen aus der Ukraine über die Grenze nach Russland gekommen. Wir prüfen zurzeit, ob dort ein Bedarf an medizinischer humanitärer Hilfe entstanden ist. Unser Team hat Rostow, Woronesch und Belgorod besucht. In Rostow haben wir Lebensmittel, Hygienesets, wichtige Hilfsgüter und Medikamente gespendet, die an die Vertriebenen verteilt werden sollen.

Belarus: Bereitschaft zur Hilfeleistung

Schätzungen zufolge haben seit dem 22. März fast 23.000 Ukrainer*innen die Grenze nach Belarus überquert. Wir haben dort die Lage geprüft und stehen bereit, Unterstützung zu leisten, sollte medizinisch-humanitärer Bedarf entstehen. 

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Mit Ihrer Spende helfen Sie uns Leben zu retten. Wir helfen zum Beispiel Geflüchteten aus der Ukraine, Syrien oder Venezuela, mangelernährten Kindern in Afghanistan, nach Überschwemmungen im Südsudan oder Dürren in Madagsakar. In mehr als 70 Ländern sind wir aktiv.

Unsere Hilfe in der Ukraine

Angesichts des Kriegs leisten wir humanitäre Hilfe in der Ukraine. Wir liefern Hilfsgüter und evaluieren, wo und wie wir medizinisch helfen können. In den Nachbarländern der Ukraine unterstützen wir die Versorgung von Flüchtenden. Zivilist*innen müssen geschützt werden!

Menschen auf der Flucht

Flucht macht krank. Mehr als 80 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Gewalt und Verfolgung in Syrien, Myanmar oder dem Südsudan. Die meisten Menschen sind jedoch Binnenvertriebene. Wir helfen ihnen an verschiedenen Stationen ihres Weges.