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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe im Irak

  • 72.7
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 68.6
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1076
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 38.7
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Unsere Hilfe im Irak 2020  

  • 80.900 ambulante Beratungen   
  • 69.100 Notaufnahmen   
  • 15.800 psychologische Einzelberatungen   
  • 14.400 begleitete Geburten   
  • 4.380 chirurgische Eingriffe   

Ärzte ohne Grenzen bot 2003 zum ersten Mal medizinische Hilfe im Irak an. 

Wir sind derzeit in sechs irakischen Regierungsbezirken im Einsatz und unterstützten das nationale Gesundheitssystem, das sich noch im Wiederaufbau befindet. Wir schließen Lücken in der medizinischen Grundversorgung, behandeln Covid-19-Patient*innen, führen Schulungen durch und unterhalten Programme zur psychischen Gesundheit. In zwei Krankenhäusern bieten wir orthopädische Chirurgie an.

 

29.07.2021

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Unterstützung der Notfallvorsorge   

2019 und 2020 fanden im Irak Demonstrationen statt, die durch die steigende Arbeitslosigkeit und sich verschlechternden Lebendbedingungen ausgelöst wurden. Infolge der Gewalt, die die Proteste begleiteten, behandelten wir zunehmend Teilnehmer*innen, deren Verletzungen an Kriegswunden erinnern.  

In den Bezirken Nadschaf, Dhi Qar und Basra leiteten wir Notfallmaßnahmen ein, um auf die steigende Zahl von Patient*innen mit gewaltbedingten Verletzungen zu reagieren. Außerdem boten unsere Teams in verschiedenen Bezirken Schulungen an, um das Personal besser auf die Bewältigung eines plötzlichen Zustroms von Patient*innen vorzubereiten. 

Hilfe bei der Bekämpfung von Covid-19 

Das geschwächte Gesundheitssystem im Irak war dem erhörten Bedarf und den durch die Covid-19-Pandemie entstehenden Herausforderungen nicht gewachsen. Wir haben deshalb die Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle verstärkt sowie Triage- und Überweisungsverfahren zum Schutz unserer Patient*innen und Mitarbeiter*innen eingeführt. 

In Bagdad, der am stärksten von der Ausbreitung des Virus betroffenen Stadt, unterstützten wir das Ibn Al-Khateeb-Krankenhaus mit Schulungen. Außerdem unterstützten wir das Al-Kindi-Krankenhaus in der Hauptstadt bei der Behandlung von Patient*innen, die einen schweren Verlauf von Covid-19 erlebten. Die Covid-19-Station wurde auf 36 Betten erweitert. 

In Mossul wandelten wir eine Station des Al-Wahda Krankenhauses mit 64-Betten zeitweise in eine Covid-19-Station und eröffneten im Al-Salam-Krankenhaus eine zusätzliche Intensivstation mit 15 Betten, um Patient*innen mit schweren Verläufen der Infektion eine Behandlung zu bieten. 

Die Patient*innen, die zu uns kommen, sagen uns oft, dass sie nicht wissen, was sie getan hätten, wenn wir nicht hier wären. Indem wir unsere Aktivitäten anpassen und erweitern, können wir relevante medizinische Dienstleistungen für mehr Menschen anbieten, die sie benötigen.

Dr. Yuely Capileno, medizinische Teamleiterin im Al-Wahda-Krankenhaus Ost-Mossul

In medizinischen Einrichtungen in Ninewa sowie in den Bezirken Erbil, Diyala, Kirkuk und Dohuk haben wir Schulungen mit Schwerpunkt auf der Infektionskontrolle abgehalten. Darüber hinaus richteten wir im Vertriebenenlager Laylan in Kirkuk eine Isolierstation und eine Behandlungseinrichtung ein, um uns auf einen möglichen Anstieg der Covid-19-Fälle vorzubereiten.

Gesundheitsversorgung für gefährdete Bevölkerungsgruppen   

Im übrigen Land führten wir die allgemeine und fachärztliche Gesundheitsversorgung in unseren laufenden Projekten für Vertriebene, Rückkehrende und gefährdete Bevölkerungsgruppen fort. An allen Standorten, einschließlich unserer Covid-19-Zentren, hielten wir unsere Notaufnahmen und unsere Dienste für psychische Gesundheit aufrecht. Letzteres ist insbesondere in Regionen wie Sinuni oder Mossul, wo die Bevölkerung schwere Traumata erlebt hat, wichtig.

Die jesidische Bevölkerung hat nicht vergessen, was ihr 2014 angetan wurde. Die Folgen des Massakers beherrschen die Region noch immer. Nach wie vor werden Massengräber gefunden. Ich sehe die Hoffnungslosigkeit in den Gesichtern der Menschen. Manche von ihnen haben nicht einmal genug Geld, um Nahrungsmittel kaufen zu können. In Sinjar gibt es einfach nichts, manchmal kann man nicht einmal das Wasser trinken.

Aeed Nasir, Pflegeleiter im Krankenhaus in Sinuni

Im Vetriebenencamp in Laylan, Kirkuk waren wir bis zu dessen Schließung im November tätig. In den Camps Alwand und Sinsil (Diyala) übergaben wir unsere Aktivitäten an das Gesundheitsministerium und andere Organisationen.

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Steve Mirza, 31, Sinuni
Steve Mirza, 31, Sinuni
©Emilienne Malfatto, Instagram: @emiliennemalfatto

"Ich habe Migräne und Schmerzen im ganzen Körper. Wir waren drei Jahre lang in Vertriebenenlagern in der Nähe von Dohuk. Durch das Trauma des Völkermords erblindete meine Mutter, dann bekam sie Krebs und starb. Und mir ging es immer schlechter". 

- Seve Mirza, 31, in ihrem Haus in Sinuni 

Überbrückung durch Online-Angebote 

In Bagdad führten wir die Zusammenarbeit mit dem nationalen Tuberkuloseprogramm fort und implementierten eine neue, wirksamere orale Behandlung für resistente Tuberkulose. 

Aufgrund des Covid-19-Ausbruchs waren wir zeitweise gezwungen, unsere Arbeit im medizinischen Rehabilitationszentrum in Bagdad auszusetzen. Dort erhalten Menschen, die bei Gewalttaten oder Unfällen verletzt wurden, eine umfassende Betreuung, die auch psychologische Unterstützung einschließt. Wir waren jedoch in der Lage, unsere Unterstützung für die Patient*innen durch Onlineangebote in den Bereichen Physiotherapie psychischen Gesundheit aufrechtzuerhalten und nahmen auch die anderen Aktivitäten später im Jahr wieder auf.