Unsere Hilfe in Indien

Weil in Indien die zweite Covid-19-Welle zurzeit immer größere Ausmaße annimmt, haben wir ab 17. April 2021 unseren Einsatz gegen das Corona-Virus in Mumbai wieder aufgenommen. (Archivbild von 2020 aus dem Shatabdi-Krankenhaus)

Unsere Aktivitäten gegen die Covid-19-Pandemie

In Indien haben die täglichen Neuinfektionen am 10. Mai 2021 Höchstwerte von mehr als 329.900 Menschen pro Tag erreicht. "Die Situation ist sehr besorgniserregend. Das ist der größte Anstieg seit Beginn der Pandemie", sagt unser dortiger Koordinator für Covid-19-Aktivitäten, Dilip Bhaskaran. Die Gesundheitseinrichtungen im Land sind völlig überfordert und benötigen dringend Unterstützung bei der Bekämpfung der zweiten Covid-19-Welle. Daher haben wir unsere Aktivitäten in Mumbai im Frühjahr 2021 wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr hatten wir dort schon einmal mit dem Gesundheitsministerium u.a. an Maßnahmen zum Screening und bei der Behandlung von betroffenen Patient*innen zusammengearbeitet. 

Helfen Sie jetzt! Helfen Sie jetzt mit Ihrer Spende!

Die Stadt Mumbai im Bundesstaat Maharashtra ist sehr dicht besiedelt. 42 Prozent der Menschen leben von niedrigen Einkommen und in entsprechenden Wohnverhältnissen mit sehr unzureichender Sanitärausstattung. Diese Faktoren haben zur Folge, dass die Bewohner*innen einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.  

Durch den hohen Bedarf an Hilfe für Covid-19-Patient*innen ist das gesamte Gesundheitssystem überlastet, weshalb wir uns auch um die Behandlung von Patient*innen mit chronischen Krankheiten wie Tuberkulose, Diabetes oder HIV sorgen. Für sie ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus besonders gefährlich, denn sie gehören oft zu den potentiellen Intensivpatient*innen mit dringendem Bedarf an Sauerstofftherapie. Zudem sind wir in Sorge um das medizinische Personal. Die Infektionsschutzmaßnahmen zu stärken, gehört daher für uns zu den wichtigen Aufgaben. Im Bezirk M-East haben wir außerdem Aktivitäten zur Gesundheitsaufklärung und solche im Wasser- und Sanitärbereich wieder aufgenommen.  

Beobachtung von Erkrankten, Triage und Sauerstofftherapie 

Wir unterstützen das BKC-Krankenhauses (auch Jumbo-Krankenhaus genannt), das über zwei Stationen zur Behandlung von Covid-19-Patient*innen mit jeweils 1.000 Betten verfügt. Außerdem arbeiten wir mit der Kommunalen Verwaltung im Großraum Mumbai in Maharashtra zusammen und leiten eines der Covid-19-Gesundheitszentren. Ein Team von 60 Mitarbeiter*innen (Stand: 11. Mai) arbeitet daran, die Kapazitäten für das gemeinsame Management von mittelschwer bis schwer an Covid-19 erkrankten Patient*innen zu verbessern. Auch Psycholog*innen und Gesundheitspädagog*innen arbeiten dort mit. Unter anderem kümmern wir uns um die Beobachtung von Erkrankten, um die Triage in sechs Stationen und die Sauerstofftherapie. 

Screening, Überweisungen und Abschirmung von Risikogruppen 

Wir sorgen für die Kontinuität der Versorgung von fast 1.290 an resistenter Tuberkulose erkrankten Patient*innen in der Projektambulanz des Shatabdi-Krankenhauses und unserer eigenen Klinik. In den verschiedenen Einrichtungen, darunter auch in Gesundheitsposten, weiten wir die Aktivitäten für das Screening der Betroffenen, zu ihrer Abschirmung und für Überweisungen aus. Unter den Zielgruppen, um deren Schutz vor einer Ansteckung wir uns kümmern, gehören zudem auch Risikogruppen in informellen Siedlungen, Patient*innen mit Diabetes, ältere Menschen und HIV-Patient*innen, die antiretrovirale Therapie erhalten. 

Hilfe für Wanderarbeiter*innen - eine besonders schutzbedürftige Gruppe 

Unter den Gruppen, die besondere Risiken tragen, sind auch Wanderarbeiter*innen. Sie kommen aus anderen Regionen Indiens nach Mumbai und in den zum Stadtraum gehörenden Bezirk M-East (MEW), um Arbeit zu suchen. Diese Tagelöhner*innen wurden im vergangenen Jahr, während der ersten Welle, besonders hart getroffen. Viele verloren ihre Arbeit und waren gezwungen, in ihre Heimat zurückzugehen. Unter ihnen sind Menschen, die an resistenten Tuberkuloseformen erkrankt sind. Für sie bedeutete eine Rückkehr die Unterbrechung ihrer wichtigen Behandlung, da die benötigten Medikamente in kleineren Städten oder ländlicheren Gegenden oft nicht verfügbar sind. Um eine solche Situation in diesem Jahr zu vermeiden, wenden wir uns proaktiv an Betroffene und bitten sie, uns zu kontaktieren, wenn sie abreisen müssen. Wir nehmen dann Kontakt mit Gesundheitseinrichtungen in den Regionen auf, in die sie gehen, schicken Medikamente dorthin und stoßen eine Weiterbehandlung an. 

Psychosoziale Hilfe gehört dazu 

Die psychologische Betreuung von Patient*innen mit Ängsten und Sorgen ist wichtig, besonders wenn sie erkrankt sind und sich in Isolation begeben mussten. Doch auch unsere Mitarbeiter*innen benötigen psychosoziale Unterstützung: Sie müssen nicht nur bei ihrer Arbeit fast täglich schwierige Situationen bewältigen, sondern sind auch in Sorge um die eigenen Angehörigen. 

14. Mai 2021

 

Unsere Aktivitäten im Rückblick 2019:

  • 55.000 ambulante Sprechstunden
  • 4.540 psychologische Einzelgespräche
  • 2.360 antiretrovirale Behandlungen der ersten Therapielinie
  • 1.440 neue Tuberkulose-Patient*innen
  • 1.390 neue Hepatitis C-Behandlungen
  • 960 Patient*innen in ambulanten Ernährungsprogrammen aufgenommen

Im Bundesstaat Manipur versorgten wir in Churachandpur, Chakpikarong und Moreh Patient*innen, die an HIV, Hepatitis C und herkömmlicher oder resistenter Tuberkulose erkrankt waren. Unsere Teams boten zudem im Unionsterritorium Jammu und Kaschmir psychologische Hilfe an, da die Bevölkerung unter den Folgen des jahrelangen Konflikts litt. Im Bezirk Jahangirpuri, im Norden Dehlis, betreuten wir eine Klinik für Überlebende sexueller und häuslicher Gewalt. Im Bundesstaat Bihar behandelten wir HIV-Patient*innen im fortgeschrittenen Stadium, und im Bundesland Jharkhand versorgten wir mangelernährte Kinder.

In Mumbai setzten wir die enge Kooperation mit den Nationalen Tuberkulose- und HIV-Programmen fort, um die Häufigkeit der Erkrankungen und die Todesraten zu senken. Das Hepatitis C-Programm, das wir im Bundesstaat Uttah Pradesh unterstützten, übergaben wir 2019 an die Behörden. Zudem betreuten wir mobile Kliniken, um Menschen in entlegenen Dörfern der Bundesstaaten Andhra Pradesh, Chhattisgarh und Telangana zu versorgen.

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 Hilfe in Indien an.

Nachrichten aus Indien

Seiten