Projektstart

 

Sobald Ärzte ohne Grenzen Meldungen über eine ernsthafte Krise vorliegen, wird ein kleines Team auf Erkundungsfahrt geschickt. Das Team - meist eine medizinische Fachkraft und ein Logistiker - ist innerhalb von 24-48 Stunden mit dem Auftrag vor Ort, Informationen zu sammeln über:

  • den Hintergrund der Krise
  • die Bevölkerungsstruktur
  • die Bedürfnisse der Menschen
  • die Infrastruktur
  • die Mittel vor Ort
  • die potenziellen Partner vor Ort
  • die logistische Durchführbarkeit

Das Team hat in der Regel innerhalb von drei Tagen alle nötigen Informationen zusammengetragen. Nach folgenden Kriterien wird dann über einen Nothilfeeinsatz entschieden:

Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate?

Sterblichkeitsraten von mehr als einem Todesfall pro 10.000 Menschen pro Tag signalisieren eine medizinisch akute Notfallsituation. Bei mehr als fünf Todesfällen pro 10.000 Menschen pro Tag handelt es sich um eine extreme Notfallsituation. Zum Vergleich: Deutschland hatte 1990 eine Sterberate von umgerechnet 0,29 Todesfällen pro 10.000 Menschen pro Tag.

Wie wird sich die Krise entwickeln?

Muss mit einer Verschärfung der Situation gerechnet werden? Wird die Zahl der zu versorgenden Menschen ansteigen oder sinken? Wie sehen die klimatischen Bedingungen aus? Wenn beispielsweise die Regenzeit bevorsteht, muss bei Flüchtlingskrisen mit vielen Fällen von Durchfall- und Malariaerkrankungen gerechnet werden.

Wie sehen die möglichen Konsequenzen eines Einsatzes aus?

Kann es zu einer Überversorgung der betroffenen Bevölkerung kommen? Wie reagiert die Bevölkerung auf fremde Einflüsse? Werden die eigentlich Verantwortlichen durch einen Hilfseinsatz ungewollt entlastet?

Wie steht es um die Sicherheit?

Kann die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen gewährleistet werden? Müssen besondere Maßnahmen für deren Sicherheit ergriffen werden?

Wie viele Mitarbeiter mit welchen Qualifikationen werden gebraucht?

Überwiegen die medizinischen Notfälle, so dass mehr medizinisches Personal benötigt wird? Kann mit Prävention auf beispielsweise sanitärem Gebiet der Ausbruch von Seuchen verhindert werden, so dass mehr Wasser- und Sanitärexperten gebraucht werden?

Wie wird der Einsatz finanziert?

Sind ausreichend freie Finanzmittel vorhanden? Werden von überstaatlichen Organisationen Mittel zur Verfügung gestellt?

Beispiel für einen Projektstart

August 2003: Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR berichtet Anfang August 2003 über die Ankunft Tausender sudanesischer Flüchtlinge im Tschad. Ärzte ohne Grenzen schickt daraufhin sofort ein Erkundungsteam in den Osten des Tschad.

Lesen Sie den Bericht einer Mitarbeiterin: