Organisation vor Ort - Logistik

Logistik rettet Leben

Wenn irgendwo auf der Welt die Erde bebt, wenn Epidemien ausbrechen oder Hunderttausende vor Gewalt fliehen, dann ist schnelle medizinische Hilfe gefragt. Doch um vielen zu helfen, brauchen Ärzte und Pflegekräfte ausreichend Medikamente und Material.

Über die Jahre hat Ärzte ohne Grenzen die Logistik stets verbessert: In Haiti haben unsere Logistiker ein aufblasbares Krankenhaus aufgebaut, um darin Verletzte zu behandeln, denn die meisten Kliniken wurden durch das Erdbeben zerstört.

Um schnell auf humanitäre Krisen zu reagieren, hat Ärzte ohne Grenzen 500 verschiedene Notfall-Kits entwickelt. Diese lagern in unseren Logistikzentren – zum Beispiel in Brüssel – und enthalten alle notwendigen Medikamente und Materialien für unterschiedliche Notsituationen. Sie sind fertig gepackt und bereits vom Zoll abgefertigt: So kommen sie in kürzester Zeit zu den Menschen - z.B. nach dem Tsunami in Indonesien.

Kit „Basisversorgung“

Enthält: u.a. Antibiotika, Schmerzmittel, Fieberthermometer und Verbandsmaterial. Mit einem Kit können wir 1.000 Menschen in einem Krisengebiet drei Monate lang mit den wichtigsten Medikamenten versorgen.
Gewicht: 40 Kilogramm, Preis: 695 Euro (Stand 2013) Auf dem Trainingsgelände in Brüssel üben Ärzte ohne Grenzen Mitarbeiter für den Ernstfall: Auf 5.000 m² pumpen sie zum Beispiel Wasser aus einem Teich und desinfizieren es für den menschlichen Verbrauch, sie kühlen den Impfstoff für eine Impfkampagne oder bauen ein Cholera-Behandlungszentrum auf. „Was die Mitarbeiter hier lernen, kann kein Lehrbuch und keine Powerpoint- Präsentation vermitteln – denn hier fassen sie mit an und tauchen ein in die Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen“, so Robin Vincent Smith, Leiter des Trainings- und Innovationszentrums Espace Bruno Corbé.

Ein Logistiker ist:

  • Elektriker
  • Wasser-Sanitär-Experte
  • Kommunikationstechniker
  • KFZ-Mechaniker
  • IT-Spezialist
  • Buchhalter, Personalmanager und Materialverwalter und vor allem: flexibel, geduldig, strukturiert, kreativ und gut gelaunt…

Die Geschichte der Logistik bei Ärzte ohne Grenzen

Mit kaum mehr als einem Koffer voller Medikamente zogen sie in den ersten Jahren in die Krisengebiete: Ärzte und Krankenschwestern, die vor allem schnell vor Ort helfen wollten. Bricht heute eine Krise aus, ist Ärzte ohne Grenzen vorbereitet: Fertig gepackte Materialkisten wandern in Frachtflugzeuge, die Mediziner sind bereits informiert, was zu tun ist, und vor Ort schaffen Logistiker sofort die nötige Infrastruktur. Im Verlauf der 40-jährigen Geschichte hat Ärzte ohne Grenzen die Logistik der Hilfseinsätze Schritt für Schritt verbessert.

Den Anfang machte der Pharmazeut Jacques Pinel. Es ist das Jahr 1979. Pinel ist in Thailand und will den Menschen in den Vertriebenenlagern an der kambodschanischen Grenze helfen. Als Freiwilliger schließt er sich Ärzte ohne Grenzen an. „Ich war geschockt“, erzählt Pinel. Im Lager soll er sich um den Nachschub der Medikamente kümmern. „Aber alles war in Kartons unter einer Plastikplane gestapelt. Man brauchte jedes Mal eine Viertelstunde, bis man das richtige Medikament ausgegraben hatte. Ich dachte nur: Was für ein Chaos! Aber wie sollte man darüber böse sein? Die Lage war desaströs: so viele Kranke und Verletzte, keine Krankenstation, nur eine Strohhütte als Sterbeklinik.“*

Für die Helfer eine schwere Situation: „Ärzte und Krankenschwestern arbeiteten den ganzen Tag – bei 40 Grad im Schatten und mit leerem Magen. Niemand hatte Zeit, sich um Wasser und Essen zu kümmern“, berichtet Pinel. Als  Organisationstalent beginnt er, die Arbeit zu strukturieren. Er baut ein Materialzelt auf und sortiert die Medikamente nach Anwendungsgebieten. „Das waren wirklich die elementarsten Dinge, aber unsere Arbeit hat das revolutioniert.“ Außerdem organisiert er Trinkwasser und kümmert sich um Mahlzeiten. „Ärzte und Krankenschwestern sollen doch vor allem zur Versorgung der Kranken da sein. Alles andere muss bereit stehen“, so Pinel. Er begründete damit eine Logistik, die bis heute effektive und unabhängige Hilfe möglich macht.

Die Logistik von Ärzte ohne Grenzen ermöglicht heute genaue Planung, kontinuierliche Kostenübersicht und einen schnellen Transport. „Unsere Hilfsleistungen wurden immer komplexer – dafür sind sie heute genau auf die Notfallsituation abgestimmt und jederzeit planbar und nachvollziehbar“, sagt David Treviño. Nur so ist sichergestellt, dass bei den Menschen die Hilfe ankommt, die sie benötigen – unabhängig von politischen Konflikten oder der wirtschaftlichen Lage im Land.

Weitere Informationen über die Arbeit unserer Logistikerinnen und Logistiker finden Sie in unserer Fotogeschichte "Die Logistik hinter der Nothilfe".