Afrika

Übersicht der Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz gegen Ebola

Ärzte ohne Grenzen hilft seit März 2014 bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika. Es handelt sich um den größten bekannten Ebola-Ausbruch. Mehr als 11.300 Menschen starben in Westafrika an Ebola, mehr als 28.600 Menschen infizierten sich mit dem Virus. Auf dem Höhepunkt der Epidemie beschäftigten wir knapp 4.000 nationale und mehr als 325 internationale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Die ohnehin schwachen Gesundheitssysteme der betroffenen Länder wurden durch die Epidemie empfindlich getroffen. Gemeinsam mit den Behörden muss daher am Wiederaufbau des Gesundheitssektors gearbeitet werden, damit möglichst rasch qualitativ hochwertige, kostenlose Gesundheitsversorgung zugänglich ist – vor allem für verletzliche Gruppen wie Kinder im Alter von unter fünf Jahren, Schwangere und Stillende.

Ein weiterer Aspekt ist die Versorgung der rund 15.000 Ebola-Überlebenden in Westafrika. Vielen von ihnen leiden unter physischen und psychischen Problemen. Auch sind sie immer noch mit sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung in ihren Gemeinden konfrontiert. Daher muss die Unterstützung der Überlebenden verstärkt werden, darunter auch ihre medizinische und psychosoziale Betreuung sowie der Schutz vor Stigmatisierung.

Finanzbericht zum Einsatz

In unseren Behandlungszentren wurden insgesamt 10.310 Patienten und Patientinnen aufgenommen, von denen 5.201 mit dem Ebola-Virus infiziert waren – das ist ein Drittel aller laut Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigten Fälle. Während der ersten fünf Monate des Ausbruchs versorgte Ärzte ohne Grenzen in den betroffenen Ländern mehr als 85 Prozent aller stationär betreuten Ebola-Kranken. Insgesamt wurden im Kampf gegen die Ebola-Epidemie von März 2014 bis Dezember 2015 knapp 104 Millionen Euro aufgewendet.

Finanzbericht: Ebola-Einsatz von Ärzte ohne Grenzen in Westafrika

Heute leisten unsere Teams weiterhin Hilfe in Guinea, Liberia und Sierra Leone:

Guinea: Hilfe für Überlebende

In Guinea wurde die Ebola-Epidemie am 28. Dezember 2015 für beendet erklärt. Ärzte ohne Grenzen betreibt in der Hauptstadt Conakry weiterhin eine Klinik für Überlebende. Allein im Februar 2016  wurden dort 126 psychosoziale Beratungen und 181 medizinische Behandlungen angeboten. Zusätzlich führen unsere Teams Sensibilisierungsmaßnahmen in der Klink und in der Gemeinde durch.

Am 17. März gab die guineische Regierung zwei weitere bestätigte Todesfälle und drei Verdachtsfälle bekannt – das erste Wiederauftreten des Virus, seit der Ausbruch im Dezember für beendet erklärt worden war.

Liberia: Wiederaufbau des Gesundheitssystems

Am 4. Dezember 2015 konnte der letzte Ebola-Patient negativ getestet und aus der Behandlung entlassen werden. In Liberia wurde daraufhin am 14. Januar 2016 die Epidemie für beendet erklärt.

Das liberianische Gesundheitssystem, das bereits vor dem Ausbruch zu den schwächsten der Welt zählte, wurde durch die Epidemie empfindlich getroffen: Fast 200 liberianische Mitarbeiter des Gesundheitspersonals starben laut offiziellen Angaben an dem Virus. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich darauf, die Wiederherstellung der Gesundheitsversorgung zu unterstützen, vor allem durch ein pädiatrisches Krankenhaus in der Hauptstadt Monrovia.

Die pädiatrische Klinik von Ärzte ohne Grenzen im „Barnesville Junction Hospital“ (BJH) in Monrovia hat eine Kapazität von 91 Betten und eine Intensivstation für Neugeborene mit 22 Betten. Ziel der Einrichtung ist es, nun nach der Ebola-Epidemie den Zugang zu Nothilfe und  medizinischer Versorgung für Kinder wieder zu ermöglichen. Im Jahr 2015 wurden in der Notaufnahme des Krankenhauses mehr als 3.400 Behandlungen durchgeführt, und mehr als 3.000 Kinder wurden stationär aufgenommen.

Ärzte ohne Grenzen betreibt auf dem Gelände des Krankenhauses auch eine Klinik für Ebola-Überlebende. Ehemalige Patienten sind Stigma und Diskriminierung ausgesetzt, wenn sie medizinische Hilfe aufsuchen, und kämpfen mit sozialen und ökonomischen Problemen (Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust der Unterkunft, etc.). Ärzte ohne Grenzen bietet ambulant allgemeine Beratungen an und kümmert sich um die psychosozialen Bedürfnisse einer Gruppe von mehr als 500 Betroffenen.

Unsere Teams versorgen zudem Patienten und Patientinnen, die kein Zertifikat über die Entlassung aus einem Behandlungszentrum besitzen. Im Vergleich zu dokumentierten ehemaligen Ebola-Kranken ist für sie der Zugang zu medizinischer und sozialer Unterstützung noch schwieriger. Häufige Beschwerden sind Gelenkschmerzen und Probleme mit den Augen.

Seit April 2015 wurden von uns rund 400 Überlebende versorgt, 168 werden weiterhin aktiv betreut. 32 Überlebende befinden sich in psychiatrischer Behandlung. Ärzte ohne Grenzen leistet auch psychosoziale Hilfe für die Angehörigen von Überlebenden sowie für Menschen, die an vorderster Front gegen die Epidemie gekämpft haben – darunter Mitarbeiter von Ebola-Behandlungszentren, Bestattungsteams etc.

Sierra Leone: Mutter-Kind-Gesundheit im Fokus

In Sierra Leone wurde die Ebola-Epidemie am 7. November 2015 für beendet erklärt – doch am 14. Januar 2016 wurde ein neuer Todesfall in Zusammenhang mit dem Virus bestätigt, gefolgt von einem weiteren Fall am 20. Januar. Infolgedessen wurde am 17. März der Ausbruch im Land erneut für beendet erklärt.

Ärzte ohne Grenzen nahm eine tragende Rolle bei der Versorgung von Ebola-Kranken ein und leistet auch heute noch medizinische und psychosoziale Hilfe in der Hauptstadt Freetown und im Bezirk Tonkolili für einige der rund 4.000 Überlebenden. In verschiedenen Städten des Landes wurden neue Projekte mit Fokus auf Mutter-Kind-Gesundheit eröffnet, nachdem das ohnehin fragile Gesundheitssystem von Sierra Leone durch die Last der Ebola-Epidemie noch weiter geschwächt worden war. Ärzte ohne Grenzen hält auch weiterhin ein kleines Einsatzteam für Nothilfe-Aktivitäten bereit.

Die Klink für Ebola-Überlebende in Freetown leistet primäre Gesundheitsversorgung und psychosoziale Unterstützung für Betroffene. Derzeit werden monatlich rund 140 Behandlungen pro Monat angeboten, sowie zusätzlich Maßnahmen zur Sensibilisierung und Verringerung der Stigmatisierung Überlebender durchgeführt.

Ende Februar 2016 wurden die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen zur Betreuung Überlebender in Magburaka, Bezirk Tonkolili, in das Versorgungssystem des Gesundheitsministeriums integriert. Wir kümmern uns immer noch um eine kleine Gruppe Überlebender – doch die Großzahl der Patienten wurde aus unserem Programm entlassen. Im Krankenhaus in Magburaka unterstützen wir weiterhin die pädiatrische Abteilung sowie die Geburtshilfe-Station. Zehn Tage nach dem Beginn unserer Aktivitäten wurde in Magburaka ein neuer Ebola-Fall identifiziert. Ärzte ohne Grenzen hilft in der Klinik auch beim Screening und der Isolation von Verdachtsfällen. Im Februar wurden 152 Kinder in der Pädiatrie sowie 83 Frauen in der Geburtshilfe stationär betreut.

Im Kabala-Krankenhaus im Bezirk Koinadugu wird Ärzte ohne Grenzen ein neues Mutter-Kind-Projekt eröffnen. So soll der Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung in den Bereichen Geburtshilfe, Neonatologie und Pädiatrie verbessert werden. Gleichzeitig soll auch für Ebola-Überlebende im Bezirk weiterhin medizinische Hilfe zur Verfügung stehen und im Fall eines Neuausbruchs in der Region eine rasche Reaktion möglich sein.