Über uns

Die Medikamentenkampagne wurde im Jahr 1999 ins Leben gerufen, als Ärzte ohne Grenzen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Seitdem engagieren wir uns für den verbesserten Zugang zu und die Entwicklung von lebensnotwendigen Medikamenten, Diagnostika und Impfstoffen für Patienten in ärmeren Ländern.

Dr. James Orbinski

Ein Grund dafür, dass Menschen an Krankheiten wie AIDS, Tuberkulose, Schlafkrankheit und anderen tropischen Krankheiten sterben, ist, dass lebensrettende Medikamente zu teuer sind oder schlicht nicht zur Verfügung stehen, weil sie als nicht profitabel gelten und keine neue Forschung und Entwicklung zu wichtigen tropischen Krankheiten besteht. Dieses Marktversagen ist unsere nächste große Herausforderung, der wir uns widmen müssen. Vor dieser Herausforderung stehen wir allerdings nicht alleine. Es ist genauso die Aufgabe von Regierungen, internationalen staatlichen Organisationen, der Pharmaindustrie und anderen Nichtregierungsorganisationen, diese Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Was wir als zivilgesellschaftliche Bewegung fordern, ist Wandel, nicht Wohltätigkeit.

Dr. James Orbinski, Präsident von Médecins sans Frontières, Dankesrede zur Verleihung des Nobelpreis 1999.

Es fehlt an Medikamenten, Tests und Impfstoffen

Die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen zielt darauf ab, die bestmögliche Versorgung für Menschen in ärmeren Ländern zu leisten und Menschenleben zu retten. Dabei sind unsere medizinischen Teams häufig mit der frustrierenden Realität konfrontiert, dass eine lebensnotwendige Behandlung von Menschen in den Einsatzgebieten nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Denn allzu oft fehlen medizinische Instrumente und Arzneimittel oder werden nur zu extrem hohen Preisen verkauft, die sich Patienten und Hilfsorganisationen nicht leisten können. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine wichtige Rolle spielt das (globale) Patentsystem: Es schafft einerseits keine ausreichenden Anreize, um in bestimmten Bereichen in die Forschung und Entwicklung zu investieren, und verteuert andererseits massiv lebensnotwendige Medikamente.

Über Leben und Tod darf nicht der Geldbeutel entscheiden

Die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen übt daher Druck auf die Verantwortlichen in Politik, Industrie und Forschung aus. Ziel ist es, dringend benötigte Medikamente in ärmeren Ländern zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen und neue Arzneimittel, Impfstoffe und Diagnostika zu erforschen.

Mangel an Forschung und Entwicklung

Seit ihren Anfängen steht die Medikamentenkampagne vor zwei großen Herausforderungen:

  • den hohen Kosten für aktuell verfügbare Medikamente und 
  • dem Mangel an geeigneten Therapien für viele Krankheiten, unter denen Patienten in ärmeren Ländern leiden.
Unser Lösungsansatz ist daher zweigleisig:
  • Wir setzen uns dafür ein, dass die Preise für bestehende Medikamente gesenkt werden, beispielsweise zur Behandlung von HIV/AIDS.
  • Wir engagieren uns dafür, dass die Erforschung neuer Medikamente für vernachlässigte Krankheiten wie Tuberkulose, Schlafkrankheit, Kala-Azar und Chagas gefördert wird.
Die Arbeit der Medikamentenkampagne hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie eng der Zugang zu Medikamenten mit dem biomedizinischen Forschungssystem verflochten ist. Auf beiden Gebieten haben wir gemeinsam mit anderen Akteuren Fortschritte erzielt. Doch wir können noch längst nicht zufrieden sein, denn:
  • Monopolstellungen verursachen hohe Preise. Viele Medikamente sind nach wie vor unerschwinglich für Patienten oder Regierungen in ärmeren Ländern. Ein Grund dafür ist, dass der immer stärkere Patentschutz in ärmeren Ländern die Preise in die Höhe treibt und den Wettbewerb erstickt: Patente verleihen den Originalherstellern für 20 Jahre ein Marktmonopol.
  • Forschung und Entwicklung orientieren sich nicht an den medizinischen Bedürfnissen in ärmeren Ländern. Medikamente, Diagnostika und Impfstoffe werden auf Grundlage ihres zukünftigen Marktpotenzials und nicht auf Grundlage der Bedürfnisse der Patienten in ärmeren Ländern erforscht. So sind nur 4% von den 850 neuen Medizinprodukten und nur 1% der neuen Wirkstoffe, die zwischen 2000 und 2011 auf den Markt kamen, zur Behandlung von vernachlässigten Krankheiten gedacht, obwohl diese Krankheiten 11% der globalen Krankheitslast ausmachen (Quelle: DNDi). Ein besonders eindrückliches Beispiel stellt die Forschung und Entwicklung von Tuberkulose-Medikamenten dar: In den vergangenen 50 Jahren sind gerade einmal zwei neue Mittel auf den Markt gekommen – und das bei einer Krankheit, die mit 1,5 Millionen Todesopfern jedes Jahr die tödlichste Infektionskrankheit weltweit darstellt.

Die Medikamentenkampagne unterstützen

Die bisherigen Erfolge sind nur dank der aktiven Mitarbeit vieler Freiwilliger möglich. Wenn auch Sie sich engagieren möchten, können Sie folgende Optionen wählen:

Möchten Sie bei der Medikamentenkampagne mitarbeiten? Hier finden Sie die internationalen Stellenausschreibungen.