Russische Föderation

Tuberkulose-Konferenz in Moskau: Millionen Menschen mit Tuberkulose brauchen bessere Therapien

Zaurbek, 64, wird seit 2016 in Grozny gegen multiresistente Tuberkulose behandelt. Durch die neue Therapie mit Bedaquilin und Delamanid geht es ihm inzwischen schon deutlich besser.

Alle 18 Sekunden stirbt ein Mensch an Tuberkulose (TB), obwohl die Krankheit vermeidbar, behandelbar und heilbar ist. Doch noch immer haben viele TB-Patienten keinen Zugang zu wirksamen Medikamenten und adäquater Versorgung. Mehr als vier Millionen TB-Erkrankungen wurden im Jahr 2016 gar nicht erst diagnostiziert.

Die Behandlung resistenter Formen von TB ist immer noch mit extremen Nebenwirkungen verbunden, die Heilungsrate liegt bei unter 50 Prozent. Rund 1,7 Millionen Menschen sind im Jahr 2016 an TB gestorben. TB ist damit die derzeit tödlichste Infektionskrankheit.

Mit dem Ziel, TB wirksamer zu bekämpfen, lädt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Minister aus mehr als hundert Ländern, Vertreter internationaler Organisationen und von Nichtregierungsorganisationen zur ersten globalen TB-Konferenz für den 16. und 17. November nach Moskau ein. Aus diesem Anlass fordern Ärzte ohne Grenzen und die Allianz „Stop TB Partnership“ die besonders von TB betroffenen Länder auf, bis zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März 2018 die neusten internationalen Standards zur Bekämpfung der Erkrankung einzuführen und umzusetzen.

In Osteuropa und Zentralasien ist eine Epidemie resistenter TB auf dem Vormarsch

Ärzte ohne Grenzen und die "Stop TB Partnership" veröffentlichen diese Woche den Bericht „Out Of Step in Eastern and Central Asia“. Er beinhaltet eine Untersuchung der nationalen TB-Behandlungsprogramme in acht Ländern Osteuropas und Zentralasiens, die besonders hohe TB-Raten aufweisen: Armenien, Weißrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, die Russische Föderation, Tadschikistan und die Ukraine. Wie der Bericht zeigt, sind in diesen Ländern resistente Formen von TB auf dem Vormarsch. Bei fast der Hälfte aller registrierten Fälle von TB handelt es sich dort um multiresistente Formen. Die Zahl der Patienten mit resistenter TB steigt in der Region jedes Jahr um rund 20 Prozent. Geschätzte 46.000 Menschen mit resistenter TB wurden im Jahr 2015 nicht als solche diagnostiziert. Dies zeigt, wie groß die Lücken in der Diagnose und Behandlung von TB in diesen Ländern sind.

Dazu Marco Alves von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen Deutschland:

„Die neue Bundesregierung sollte die besonders stark von Tuberkulose betroffenen Länder finanziell und mit technischer Expertise unterstützen, um eine bestmögliche Prävention und Behandlung der Krankheit sicherzustellen. Gleichzeitig muss Deutschland die Forschung an neuen wirksamen Antibiotika gegen resistente Formen von TB stärken. Auch eine neue Bundesregierung muss das Engagement gegen die tödlichste Infektionskrankheit der Welt ernst nehmen und im Koalitionsvertrag verankern. Als ambitionierter Akteur in der globalen Gesundheit muss Deutschland seinen Beitrag dafür leisten, TB auch im Kontext von antimikrobiellen Resistenzen weltweit adäquat anzugehen und vermeidbares Leiden und Sterben von Millionen Menschen weltweit zu beenden.“

Ärzte ohne Grenzen behandelt Patienten mit TB seit rund 30 Jahren und ist heute einer der größten nichtstaatlichen Akteure in der Behandlung der Krankheit. Im Jahr 2016 waren mehr als 20.000 Menschen mit TB in den Programmen von Ärzte ohne Grenzen in Behandlung, darunter 2.700 mit resistenten Formen.

Hier finden Sie den Bericht auf Englisch: Out of Step in Eastern Europe and Central Asia (EECA)

Hier finden Sie unseren allgemeinen TB-Bericht: Out of Step: TB policies in 29 countries, 3rd Ed. (2017)