Tschad

Tausende Kinder in der Hauptstadt mangelernährt – Ärzte ohne Grenzen eröffnet Ernährungszentrum

In der Region des Tschadsees testen wir mit dem MUAC-Band, einem speziellen Maßbändchen, den Ernährungsstatus eines Kindes (Archivbild, Mai 2018).

N´Djamena/Berlin, 27. Juli 2018. Alarmierend viele Kinder in der tschadischen Hauptstadt N´Djamena sind akut mangelernährt. Weil das stationäre Ernährungszentrum in der Stadt vollkommen überfüllt ist, hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium am Donnerstag ein weiteres therapeutisches Ernährungszentrum mit 50 Betten eröffnet.

Schon im Juli vergangenen Jahres hat das Gesundheitsministerium des Tschad einen sehr hohen Anteil an schwer mangelernährten Kindern unter fünf Jahren festgestellt, der über der Schwelle lag, ab der man von einer Notlage spricht. Seit Januar liegt die Zahl der stationär behandelten schwer mangelernährten Kinder im Ernährungszentrum der „Tschadisch-Chinesischen Freundschaftsklinik“ um 45 Prozent höher als im selben Zeitraum des Vorjahrs. In dem Krankenhaus, das von der Organisation Alima unterstützt wird, wurden bis zu 170 kranke mangelernährte Kinder gleichzeitig behandelt, obwohl die Einrichtung bisher nur 80 Betten hatte.

Akute Mangelernährung bei Kindern ist in N´Djamena und im ganzen Tschad verbreitet. Verschärft wird die Notlage derzeit jedoch durch eine besonders schlimme Lebensmittelknappheit, durch die sinkende Kaufkraft der Bevölkerung wegen steigender Preise und neu eingeführter Gebühren sowie durch einen Streik im öffentlichen Dienst, der auch Gesundheitseinrichtungen betrifft.

Ärzte ohne Grenzen dringt auf eine schnelle Ausweitung der Kapazitäten zur stationären Behandlung von schwer mangelernährten Kindern und auf eine frühe Behandlung in ambulanten Einrichtungen. Die Organisation plant, zusammen mit den Behörden mehrere ambulante Ernährungszentren in N’Djamena zu eröffnen. Diese sind entscheidend, um Kinder, die zuhause behandelt werden, beobachten und so eine Verschlechterung ihres Zustands verhindern zu können. Bislang sind die meisten dieser ambulanten Stellen in der Stadt nur einen Tag in der Woche geöffnet, und es fehlt oft an therapeutischer Fertignahrung, die durch das UN-Kinderhilfswerk UNICEF bereitgestellt wird.

„Der Zugang von mangelernährten Kindern und ihren Eltern zu Notfallmedizin ist ein mühsamer Kampf in N’Djamena. Deshalb muss mit allen Mitteln verhindert werden, dass diese Kinder so krank werden, dass sie ins Krankenhaus müssen. Die Zahl und die Kapazitäten der ambulanten Behandlungszentren müssen vergrößert werden und es muss sichergestellt sein, dass sie effektive Hilfe anbieten können“, sagt Natalie Roberts, die die Notfallhilfe von Ärzte ohne Grenzen leitet. „Dabei sollten auch Kinder besser versorgt werden, die bereits mangelernährt sind, jedoch noch nicht lebensgefährlich. Denn wir wissen: Sobald sie zuhause sind, kann eine moderate Mangelernährung schnell zu einer akuten werden, weil die Mütter den Kindern nicht genug zu essen geben können.“

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 37 Jahren im Tschad. Die medizinische Hilfsorganisation versorgt die Bevölkerung sowie Vertriebene und Geflüchtete in den Regionen Salamat, Mandoul und Logone Orientale. Während der jährlichen Zeit der Nahrungsknappheit von Mai bis September, die mit der Malariasaison zusammenfällt, baut die Organisation die Kapazitäten zum Screening und zur Behandlung von mangelernährten Kindern aus. Dieses Jahr ist die Situation in N`Djamena besonders kritisch. Ärzte ohne Grenzen hat daher zusätzlich zur Behandlung von akuter schwerer Mangelernährung ein Noternährungsprogramm gestartet.