Tagung: A dangerous liaison? Humanitarian action and Western foreign policies in the era of counter-insurgencies and stabilisation

In der Berliner Villa Elisabeth veranstaltete Ärzte ohne Grenzen im April 2011 eine Tagung, um über das Für und Wider einer engen Kooperation von humanitären und militärischen Akteuren zu debattieren.

Libyen und Afghanistan sind nur zwei Beispiele, die aufzeigen, wie schwer es für unabhängige Hilfsorganisationen ist, sich gegenüber militärischen Einsätzen westlicher Staaten abzugrenzen. Zumal, wenn Letztere unter der Flagge „humanitäre Interventionen“ laufen. Manche Hilfsorganisationen kritisieren vor allem, dass es der Politik an Respekt für ihre unabhängige humanitäre Arbeit mangelt. Sie sehen ihre Sicherheit und die Möglichkeit gefährdet, Menschen in Not erreichen zu können.

Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) bekommen bei ihrer Arbeit auch zu spüren, dass die Menschen, denen sie helfen, nicht immer klar unterscheiden können, in wessen Namen humanitäre Hilfe geleistet wird. Dies mag die Politik vielleicht begrüßen, aber für die Arbeit von unabhängigen Hilfsorganisationen birgt dies ein hohes Risiko.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Bei der Konferenz „A dangerous liaison? Humanitarian action and Western foreign policies in the era of counter-insurgencies and stabilisation“ von Ärzte ohne Grenzen in der Villa Elisabeth wurde über dieses Thema heiß diskutiert.

Als Gäste geladen waren Andrew Wyllie von UN-OCHA, Oliver Owcza vom Auswärtigen Amt und Frank Leidenberger von der Bundeswehr. Sie vertraten die politisch-militärische Seite. Paul Fishstein von der Harvard University und Samir Elhawary vom Overseas Development Institute (ODI) brachten die wissenschaftliche Perspektive ein. Die Organisationen wurden durch Christopher Stokes von Ärzte ohne Grenzen, Beat Schweizer vom ICRC und Mathias Mogge von der Deutschen Welthungerhilfe vertreten.

Es mag nicht verwundern, dass die Vertreter aus der Politik, vom Militär und von den wissenschaftlichen Institutionen unterschiedlicher Meinung waren, wenn es um die Kooperation von humanitären und militärischen Akteuren geht. Dass sich aber auch die Hilfsorganisationen in ihrer Positionierung uneins waren, hat einige Teilnehmer durchaus irritiert.

Rege Teilnahme

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen verteidigten zwar strikt ihre Unabhängigkeit bei Einsätzen in Krisenregionen wie Afghanistan. Doch die Deutsche Welthungerhilfe vertrat den Standpunkt, dass die Unabhängigkeit der Organisationen keineswegs nur dadurch gefährdet sei, Gelder einer Regierung anzunehmen, die im entsprechenden Land selbst Kriegspartei ist.

Auf welch großes Interesse diese Diskussion stieß, ließ sich vor allem daran ablesen, dass trotz traumhafter Frühlingstemperaturen mehr als 100 Menschen an der Veranstaltung teilnahmen und sich rege beteiligten.

Programm

10:30 Welcome note Frank Dörner (General Director, Médecins Sans Frontières Germany)

10:35 Panel 1: “Stabilisation, humanitarian action and population needs – which responsibility for whom?”

Moderation: Martin Gerner

Discussant: Beat Schweizer (former Deputy General Director, ICRC)

  • “Stabilisation and its implications for humanitarian action”, Samir Elhawary (Senior Researcher, ODI)
  • “Foreign policy and independent humanitarian action”, Oliver Owcza (Deputy Head, Task Force for Humanitarian Aid, German Federal Foreign Office)
  • “Humanitarian action – an integral part of COIN operations”, Frank Leidenberger (Brigadier General, Response Force Operations Command, Deputy Chief of Staff Operations, German Armed Forces)
  • “The many and sometimes conflicting mandates of the UN”, Andrew Wyllie (Chief of Civil-Military Coordination Section, UN OCHA)

12:00 Lunch break

13:00 Panel 2: “In the field: humanitarian practice and its limitations today  – case studies”

Moderation: Monika Jones

Discussant: Beat Schweizer (ICRC)

  • “Aid and security in Afghanistan: winning hearts and minds?”, Paul Fishstein (Fellow, Carr Center for Human Rights Policy, Kennedy School of Government, Harvard University)
  • “Humanitarian and development assistance in a highly politicised and militarised environment – experiences from a NGO working in Afghanistan”, Mathias Mogge (Exec. Director Programmes, Welthungerhilfe)      
  • “Aid in conflict. Time to make some hard choices”, Christopher Stokes (General Director, MSF Operational Centre Brussels)

14:30 Discussion with panel and audience

16:00 Reception