Syrien

Letztes Kinderkrankenhaus in Ost-Aleppo nach Angriffen geschlossen

Ein zehnjähriger Junge erholt sich  am 8. November von einer Operation, bei der ihm mehrere Steine in der Harnblase entfernt wurden. Das Krankenhaus, in dem er hier liegt, zählt zu den Krankenhäusern, die nach den Angriffen der vergangenen Tage den Betrieb einstellen mussten.

Berlin/Gaziantep, 19. November 2016. Das letzte verbliebene Kinderkrankenhaus im belagerten Ostteil Aleppos ist am Freitag bereits zum zweiten Mal angegriffen worden, seit die Luftschläge auf das Gebiet am Dienstag wieder begonnen haben. Drei Stockwerke wurden zerstört, so dass das Krankenhaus den Betrieb einstellen musste. Drei weitere Krankenhäuser wurden ebenfalls direkt getroffen, wobei sowohl Mitarbeiter als auch Patienten zu Schaden kamen. Dadurch mussten das größte Allgemeinkrankenhaus Ost-Aleppos und zwei der wichtigsten chirurgischen Kliniken ihren Betrieb einstellen.

„Dies ist ein schwarzer Tag für Ost-Aleppo. Die Schwere der Bombardements hat den wenigen Krankenhäusern, die noch rund um die Uhr arbeiteten, massiven Schaden zugefügt“, erklärt Teresa Sancristoval, Nothilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Die Angriffe haben ganze Krankenhäuser, Stromgeneratoren, Notaufnahmen und Stationen zerstört, so dass die Kliniken ihre medizinische Arbeit einstellen mussten. Ärzte ohne Grenzen verurteilt diese willkürlichen Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastrukturen wie Krankenhäuser. Sie sind ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Unsere Botschaft ist einfach, aber ich weiß nicht, wie wir es noch lauter sagen können: Hört auf, Krankenhäuser zu bombardieren!“

„Das Kinderkrankenhaus wurde durch die Luftangriffe zum zweiten Mal beschädigt”, sagt Luis Montial, stellvertretender Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen für Syrien. „Es ist das einzige Krankenhaus für Kinder im belagerten Gebiet und jetzt außer Betrieb. Die Konsequenzen der willkürlichen Bombenabwürfe  sind deutlich zu sehen: Menschen sterben, medizinische Hilfe wird dezimiert und das Leid der Menschen in der belagerten Stadt wird unvorstellbar. Wir wissen nicht, wie lange die letzten Gesundheitseinrichtungen, die schon jetzt am Boden sind, noch funktionieren können. Die Bombardements müssen dringend aufhören und medizinische Lieferungen müssen in die Stadt gelassen werden.“

Die Krankenhäuser in Ost-Aleppo wurden seit dem Beginn der Belagerung im Juli bei mehr als 30 verschiedenen Angriffen durch Bomben getroffen. Alle noch verbliebenen Krankenhäuser in Ost-Aleppo werden von Ärzte ohne Grenzen und weiteren Organisationen unterstützt.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt seit 2014 acht Krankenhäuser im Ostteil von Aleppo mit medizinischem Material. Die Organisation betreibt darüber hinaus sechs weitere medizinische Einrichtungen im Norden Syriens und unterstützt mehr als 150 Krankenhäuser und Gesundheitszentren im ganzen Land, viele davon in belagerten Gebieten. Trotz größter Bemühungen gibt es viele Gebiete – darunter der Westteil von Aleppo –, in denen Ärzte ohne Grenzen im Moment nicht arbeiten kann oder darf. Die Organisation arbeitet weiterhin daran, auch in diesen Gebieten humanitäre und medizinische Hilfe anzubieten.