Syrien

Syrien: Unser Einsatz gegen Covid-19

In unseren Einsätzen in Syrien im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie bieten unsere Mitarbeiter*innen u.a. Beratungen über Präventionsmaßnahmen gegen das Coronavirus an.

Anfang Juli 2020 wurde im Nordwesten Syriens der erste Fall einer Coronavirus-Infektion bestätigt. Seither steigen die registrierten Covid-19-Fälle in der Region stark an, insgesamt sind dort 7.059 Menschen an Covid-19 erkrankt (Stand: 4.11.2020). Am 3. November wurde mit 524 Neuinfizierten an einem einzigen Tag die bisher höchste Zahl von Fällen verzeichnet.  Am 6. November verhängten die örtlichen Behörden in Nordwest-Syrien eine begrenzte Ausgangssperre, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.

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Hohe Infektionszahlen bei Gesundheitspersonal

„Wir sind besonders besorgt über die hohe Infektionsrate unter den Beschäftigten im Gesundheitswesen“, sagt unser Notfall-Manager für Syrien, Will Turner.  Das belaste das durch den Krieg stark gebeutelte Gesundheitssystem in Syrien zusätzlich. „Selbst wenn nur ein paar Ärzt*innen in Syrien in Quarantäne müssen, hat dies enorme Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung“, ergänzt Cristian Reynders, unser Projektkoordinator in Nordwest-Syrien. Schon vor dem Ausbruch von Covid-19 fehlte medizinisches Personal in Syrien, da viele Ärzt*innen vor dem Krieg geflohen sind. 

„Als Reaktion auf die gestiegenen Infektionsraten bei den Gesundheitsmitarbeiter*innen haben die lokalen Behörden nun neue Vorschriften eingeführt, die es dem Gesundheitspersonal verbieten, in mehr als einem Gesundheitszentrum zu arbeiten“, sagt Turner. Gleichzeitig bieten die Kliniken wegen der Covid-19-Pandemie nur noch eingeschränkte oder keine Leistungen mehr an. 

Die Menschen in den Geflüchtetencamps trifft es besonders schwer

In den Vertriebenencamps ist das Risiko einer Übertragung von Covid-19 besonders hoch. „Wir versuchen den Bewohner*innen zu helfen, sich vor dem Virus zu schützen, aber wir können nichts daran ändern, dass sie unter solchen Bedingungen leben müssen“ sagt Dr. Ammar, unser medizinischer Leiter in Nordwest-Syrien. In der gesamten Region haben zwei Millionen Vertriebene und damit mehr als die Hälfte der Bevölkerung in überfüllten Camps Zuflucht vor dem Krieg gesucht. Dort gibt es kaum Wasser, Toiletten und Waschgelegenheiten. Abstandhalten, Händewaschen und Isolation sind praktisch unmöglich.

Umm Firas (39) versorgt allein ihre Familie, nachdem ihr Mann bei einem Luftangriff schwer verletzt wurde und nun querschnittsgelähmt ist. Bis vor kurzem verdiente sie den Lebensunterhalt für ihre 11-köpfige Familie, indem sie die Zelte der Menschen im Lager renovierte und ihre Matratzen und Laken flickte. Jetzt muss sie die Notwendigkeit des einzigen Einkommens der Familie gegen die Risiken einer Ansteckung abwägen. "Ich habe immer Angst, dass ich mir das Virus einfangen und auf meine Kinder übertragen könnte, aber was kann ich sonst tun?“

Von ihren neun Kindern gingen nur drei Töchter zur Schule. Jetzt, nachdem auch die Schüler*innen Masken tragen müssen, ist auch das nicht mehr möglich. "Der Lehrer hat meine Töchter gebeten, Masken aufzusetzen, aber wie soll das gehen?" fragt Umm Firas. "Ich habe noch nie eine Maske gekauft - ich kann kaum Brot kaufen. Wenn ich die Wahl habe, nehme ich immer das Brot."

Verteilung von Hilfsgütern und Einrichtung von Covid-19-Zentren

Unsere Teams haben seit April in mehreren Vertriebenencamps in den Provinzen Idlib und Aleppo in Nordwest-Syrien 63.000 Kisten mit Hygieneartikeln wie Seife und Waschmittel an mehr als 26.000 Familien verteilt. Unsere Mitarbeiter*innen sind in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen tätig. In jedem Krankenhaus, das wir betreiben oder unterstützten, haben wir ein Triagesystem eingeführt, um mit Covid-19 infizierte Patient*innen gleich am Eingang zu erkennen und zu isolieren. Wir betreiben zudem ein Covid-19-Behandlungszentrum mit 30 Betten für schwer erkrankte Patient*innen und haben in der Stadt Salkin eine Isolationsstation eingerichtet, die bei Bedarf schnell die Arbeit aufnehmen kann.

Stand: 13.11.2020

1.221 bestätigte Covid-19-Fälle in Nordost-Syrien

Derzeit scheinen die Städte Hassakeh und Qamischli die Infektionsbrennpunkte zu sein. Auch die „Stadt Rakka, ein weiteres dicht besiedeltes Gebiet, das viele Vertriebene beherbergt und sich noch immer von den Kriegszerstörungen erholt hat, ist betroffen. Es gibt kaum Gesundheitsdienste für die 700.000 Vertriebene. Der Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen ist schlecht. Es gibt nur wenige Krankenhausbetten für die Isolation oder Intensivpflege. 

Zusammen mit dem Kurdischen Roten Halbmond unterstützt Ärzte ohne Grenzen das einzige Spezialkrankenhaus für Covid-19 in Nordost-Syrien am Rande der Stadt Hassakeh. Als Teil der humanitären Taskforce Covid-19 unter dem Vorsitz der lokalen Gesundheitsbehörden führten die Teams zudem Schulungen durch und halfen bei der Renovierung einer 48-Betten-Isolationsstation im Hassakeh National Hospital, dem größten Allgemeinkrankenhaus der Region.

In dem Lager Al-Hol betreiben unsere Teams ein stationäres Ernährungszentrum, ein Wundversorgungsprogramm und verbessern die Wasserversorgung. „Am 22. September hörten wir von drei bestätigten Fällen. … Das Camp ist auf einen Ausbruch von Covid-19 nicht gut vorbereitet“, weiß Notfall-Manager Will Turner.  Unsere Teams haben im Lager bereits 1.900 Menschen identifiziert, die durch Diabetes, Bluthochdruck, Asthma oder Herzerkrankungen besonders anfällig sind. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um diese Menschen mit Medikamenten, Seife und anderen lebenswichtigen Dingen zu versorgen.“ Hier mehr über unsere Hilfe in Syrien erfahren.

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