Syrien

Syrien: Unser Einsatz gegen das Coronavirus

Beispiel Nordwest-Syrien: Wenn sich das Coronavirus weiter ausbreitet, gibt es kaum medizinische Kapazitäten, um Schutzmaßnahmen gegen SARS-CoV-2 einzuführen. (Video von April 2020)
MSF

Vier Monate, nachdem Covid-19 offiziell zu einer internationalen Pandemie erklärt wurde, hat die Krankheit jetzt auch Nordwest-Syrien erreicht. Der erste Fall wurde am 9. Juli 2020 bestätigt. Seither wurden weitere 18 Menschen in der Region positiv auf Covid-19 getestet. Bei mehr als der Hälfte der bisher bestätigten Fälle handelt es sich um Gesundheitsfachkräfte, die in den wenigen noch funktionierenden Krankenhäusern gearbeitet haben. Dies könnte das Gesundheitssystem in Syrien, das durch den jahrelangen Krieg stark mitgenommen ist, weiter belasten. „Selbst, wenn nur ein paar Ärzt*innen in Syrien in Quarantäne müssen, hat dies enorme Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung“, so Cristian Reynders, unser Projektkoordinator in Nordwest-Syrien.

Helfen Sie jetzt! Helfen Sie jetzt mit Ihrer Spende!

Schon vor dem Ausbruch von Covid-19 fehlte medizinisches Personal in Syrien. Viele Ärzt*innen sind vor dem Krieg in Syrien geflohen, so dass die Kliniken sich heute das medizinische Personal teilen müssen, um überhaupt funktionieren zu können. Gleichzeitig haben Krankenhäuser in Nordwest-Syrien ihre Leistungen entweder auf Anweisung der lokalen Behörden oder aus Vorsicht vor einer möglichen Coronavirus-Pandemie eingeschränkt oder für mehrere Wochen geschlossen. „Natürlich ist es wichtig, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen“, so Cristian Reynders. „Aber diese Region hat einfach keine medizinischen Kapazitäten übrig, um sich solche Maßnahmen aufzuerlegen.“ Da die infizierten Mediziner*innen an verschiedenen Orten in den Provinzen Aleppo und Idlib gearbeitet haben, könnte sich das Coronavirus schon auf eine größere Region ausgebreitet haben. 

Testkapazitäten reichen nicht aus, um vor Covid-19 zu schützen

Ärzt*innen vor Ort berichten, dass bereits Tests eingeführt und Kontaktketten verfolgt wurden, um eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern. Das ist in einem Kontext wie Nordwest-Syrien besonders wichtig, wo rund 2,7 Millionen Menschen vertrieben wurden und zumeist in überfüllten Lagern leben. Die hygienischen Bedingungen in den Lagern sind katastrophal und eine physische Distanzierung unmöglich.

„Testkapazitäten sind ein reales Problem in Nordwest-Syrien”, berichtete Cristian Reynders. „Es wurden nur sehr wenige SARS-CoV-2-Tests zur Verfügung gestellt, und das vermehrte Testen nach bestätigten Fällen verschlingt die verfügbaren Test-Kits sehr schnell. Wenn es keine mehr gibt, besteht das Risiko, dass sich das Coronavirus in den Lagern rasant verbreitet und es unmöglich sein wird, die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie zu stoppen.“

Aktivitäten gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Nordwest-Syrien

Nach den ersten bestätigten SARS-CoV-2-Fällen in Nordwest-Syrien haben wir unsere Teams in Idlib verstärkt, die dort im Covid-19-Behandlungszentrum innerhalb des Nationalen Krankenhauses arbeiten. In unserer Einheit für Brandverletzungen in Atmeh liegt der Fokus darauf, die Triage der Patient*innen  zu verbessern, Maßnahmen zur Infektionsvorbeugung und -kontrolle einzuführen, das Personal zu schulen und eine Isolierstation einzurichten. Auch in den Krankenhäusern an anderen Standorten geht es darum, die Triage und den Patient*innen-Fluss mit Blick auf Covid-19-Verdachtsfälle zu verändern: Die Erkrankten müssen so schnell wie möglich von den anderen Patient*innen getrennt werden. In einigen Kliniken haben wir zudem Hygienekomitees gegründet, sie mit zusätzlichem Personal ausgestattet und bei Bedarf Schutzmaterial geliefert.

In den Lagern, in denen wir arbeiten, laufen Aktivitäten, um über die Coronavirus-Pandemie aufzuklären. Zudem verteilen wir humanitäre Hilfsgüter und Hygienekits. So haben wir in einem Vertriebenenlager im Norden der Provinz Idlib Hygienematerial an 8.000 Familien verteilt.

Unsere Maßnahmen gegen SARS-CoV-2 in Nordost-Syrien

Ärzte ohne Grenzen ist Teil der Covid-19-Einsatzgruppe unter Vorsitz der lokalen Gesundheitsbehörden in Nordost-Syrien. Im Nationalen Krankenhaus al-Hasaka und im Lager al-Hol haben wir Schulungen gestartet und Vorbereitungsmaßnahmen getroffen, wie die Eröffnung einer Isolierstation mit 48 Betten, die Covid-19-Fallerkennung und -Versorgung, die Verbesserung der Triage und des Patient*innen-Flusses sowie Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle oder Schulungen zur richtigen Anwendung der Schutzkleidung.

Bislang hat sich die Covid-19-Situation in Nordost-Syrien nicht so schnell verschlechtert wie zunächst vermutet. Aus diesem Grund haben wir unsere Covid-19-Aktivitäten im Nationalen Krankenhaus al-Hasaka an die Behörden übergeben. Dies schließt auch die Isolierstation ein. Unsere Teams stehen auf Abruf bereit, sobald die SARS-CoV-2-Fallzahlen ansteigen sollten.

Unsere Hilfe gegen die Covid-19-Pandemie im Vertriebenenlager

Im Lager al-Hol leben zu 94 Prozent Frauen und Kinder. Unsere Teams betreuen dort weiterhin ein stationäres Ernährungszentrum und ein Wundversorgungsprogramm für diejenigen, die sich nicht ins Krankenhaus begeben können. Zudem unterstützen sie die Wasserversorgung, da weder die Qualität noch die Quantität dem Bedarf entsprechen. Darüber hinaus zeichnen wir auf, wer am gefährdetsten ist, als Folge einer Ansteckung mit dem Coronavirus eine schwere Krankheit zu entwickeln. Dieser Personenkreis erhält von uns gezielte Coronavirus-Informationen.

Unabhängig von unseren SARS-CoV-2-Aktivitäten setzen wir unsere Unterstützung im Rakka-Nationalen-Krankenhaus fort. Dies betrifft die Notaufnahme, die Chirurgie und stationäre Maßnahmen. Außerdem betreuen wir eine ambulante Klinik in der Stadt Rakka. In Kobane unterstützen wir Routine-Impfungen und erkunden die humanitären Bedarfe von Menschen, die informellen Siedlungen oder Lagern in der Region untergekommen sind.

Helfen Sie jetzt! Helfen Sie jetzt mit Ihrer Spende!

Ihre Spende lässt uns in Syrien und weltweit Leben retten.

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie es uns, jederzeit auf humanitäre Krisen reagieren zu können, so wie auch jetzt angesichts der Coronavirus-Pandemie. Wir helfen nicht nur in Syrien, sondern passen auch überall dort, wo wir bereits vor dem Ausbruch von Covid-19 im Einsatz waren, unsere Hilfe entsprechend an und führen gleichzeitig unsere Nothilfe fort. Denn noch immer benötigen weltweit viele Menschen dringend medizinische Hilfe. Im Tschad impfen wir zum Beispiel Kinder gegen Masern, in Afghanistan oder dem Jemen helfen wir Frauen dabei, ihre Kinder gesund und sicher zur Welt zu bringen. Und wir versorgen in zahlreichen Ländern wie Bangladesch, Mexiko oder dem Südsudan Geflüchtete und Vertriebene.

Dank Ihnen können wir unabhängig, schnell und professionell helfen, überall dort, wo Menschenleben in Gefahr sind.