Syrien

Syrien: Unser Einsatz gegen das Coronavirus

Syrien - Beispiel Region Idlib: Wenn sich das Coronavirus ausbreiten sollte, wird es die vom Leid des Krieges betroffenen Menschen hier besonders hart treffen.
MSF

In Syrien hat der jahrelange Krieg das Gesundheitssystem geschwächt, mehr als 80 Krankenhäuser mussten in der Region Idlib schließen. Fast eine Million Menschen wurde vertrieben. Die Coronavirus-Pandemie macht vor den ohnehin schutzbedürftigen Menschen nicht Halt. Der Fall eines potentiellen Covid-19-Patienten zeigt, wie schwer die Hilfe ist. Im Nordwesten und Nordosten Syriens versuchen wir mit unseren Aktivitäten bestmöglich zur Vorbereitung gegen die Ausbreitung des Coronavirus beizutragen.

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In den Krankenhäusern und mobilen Kliniken, in denen wir aktiv sind, verbessern wir unser „Triage-System“: Wir behandeln Notfall-Patient*innen je nach Dringlichkeit und isolieren potentiell an Covid-19-Erkrankte. Hygienemaßnahmen, Schutzanzüge und Social Distancing schützen unser Personal vor einer Infektion. Wir trainieren z.B. medizinisches Personal in der Region Idlib und in Azaz im Umgang mit Covid-19-Erkrankten. Wir erleichtern Transportwege in die Labore und ermöglichen so mehr Coronavirus-Tests. In den Geflüchtetenlagern kümmern wir uns um eine stete Wasserversorgung und mobile Stationen zum Händewaschen. Dort isolieren wir in den mobilen Kliniken Menschen mit Verdacht auf Covid-19.

Im Nordosten Syriens unterstützen unsere Teams unter schwierigen Bedingungen das medizinische Personal im Rakka National Hospital, der Rakka Ambulanz und dem Kobane Maternity Hospital. Im Al-Hol-Lager, wo überwiegend Frauen und Kinder leben, helfen wir denjenigen, die die Kliniken nicht erreichen können, mit einem Ernährungszentrum und einem Wundversorgungsprogramm. Wir kümmern uns um die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

Menschen in Idlib vor der Coronavirus-Pandemie schützen

Unser Einsatzkoordinator Cristian Reynders erzählt am Beispiel der Region Idlib Mitte April von der schwierigen Situation:

„Wie wird das Gesundheitssystem der Region Idlib mit der Verbreitung von Covid-19 zurechtkommen? Das Gesundheitswesen stieß bereits vor der Ausbreitung des Coronavirus an seine Grenzen.

Auch wenn sich Covid-19 im Nordwesten Syriens noch nicht verbreitet hat, stehen die Menschen bereits jetzt vor einer Reihe offener Fragen. Die meisten Empfehlungen sind nicht umsetzbar.

Wie kann man Menschen bitten, zu Hause zu bleiben, um sich nicht zu infizieren? Wir sprechen von fast einer Million Vertriebener - mindestens ein Drittel der Gesamtbevölkerung von Idlib – wovon die meisten in Zelten in Geflüchtetenlagern leben. Sie haben kein Zuhause mehr. Viele Familien müssen ihre Zelte mit anderen Familien teilen. Wie sollen Menschen, die inmitten von Dreck wohnen, sich häufig die Hände waschen? Wohin sollen Patient*innen gehen, wenn es nur eine Handvoll bereits überlastete Krankenhäuser gibt?

Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Nordwest-Syrien

Mediziner*innen im Nordwesten Syriens stehen in der Vorbereitung auf eine Verbreitung von Covid-19 vor schwierigen Entscheidungen. Das medizinische Personal in Idlib tut mit seinen wenigen verfügbaren Mitteln sein Bestes. Ich werde mich mein Leben lang an das Engagement dieser Menschen erinnern.

Auch humanitäre Organisationen müssen unter diesen Umständen unmögliche Entscheidungen treffen. Wie können wir arbeiten und zeitgleich verhindern, dass sich das Coronavirus ausbreitet?

Stellen wir die Arbeit in den Camps ein, sammeln sich zwar keine Menschen mehr vor den mobilen Kliniken. Es würde aber auch die einzige medizinische Versorgung wegfallen. Die Entscheidung, die wir getroffen haben, ist weiterzumachen. Denn wir wissen, dass unsere Hilfe für Zehntausende Menschen lebenswichtig ist.

Bei der Bekämpfung des Coronavirus in Syrien braucht es mehr als eine medizinische Strategie

Wir setzen alles Mögliche in Bewegung – auch wenn das wahrscheinlich nicht ausreichen wird. Im Nordwesten Syriens besteht bereits jetzt eine humanitäre Notlage. Eine zusätzliche öffentliche Gesundheitskrise durch Covid-19 könnte schnell katastrophal enden.
Es sei denn,

  • es gäbe eine sofortige internationale Mobilisierung.
  • Ärzt*innen und humanitären Organisationen erhielten die Mittel, Vorräte und Schutzausrüstungen, um eine potentielle Katastrophe zu verhindern.
  • Menschen erhielten ausreichend Nahrungsmittel, Unterkünfte und sanitäre Anlagen

Region unvorbereitet auf Covid-19-Pandemie

Der Fall eines potentiellen Covid-19-Patienten zeigt die schwierige Situation vor Ort. Wir nahmen den 65-jährigen Mann mit Atemnot und Fieber in das Beobachtungszelt vor dem Krankenhaus auf. Nach der Erstversorgung sollte er für den Test mit dem Rettungsdienst in eine weitere Einrichtung überwiesen werden. Doch diese war nicht bereit. Schließlich testete ein WHO-Team den Mann bei uns. Er verstarb kurz darauf an Herzversagen.

Wir sind traurig über den Tod dieses Patienten. Und obwohl der Test negativ ausfiel, zeigte sich, wie unvorbereitet die Region auf die Pandemie ist. Das Gesundheitssystem in Idlib ist völlig überlastet. Im Krankenhaus gibt es bereits sechs weitere Patient*innen mit Verdacht auf Covid-19. In den vergangenen Monaten und Jahren haben wir die kritische Situation in Nordwest-Syrien immer wieder angesprochen und aufgezeigt, welche Grenzen unserer und der Arbeit anderer medizinischer Akteure gesetzt werden. Dennoch hindern sie uns massiv daran, unseren Einsatz auszuweiten. Das könnte dramatische Folgen haben. Wir erneuern unsere Appelle, den dringenden Transit lebenswichtiger Güter und den Zugang von Personal nach Nordwest-Syrien zu erleichtern.

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Ihre Spende lässt uns in Syrien und weltweit Leben retten.

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie es uns, jederzeit auf humanitäre Krisen reagieren zu können, so wie auch jetzt angesichts der Coronavirus-Pandemie. Wir helfen nicht nur in Syrien, sondern passen auch überall dort, wo wir bereits vor dem Ausbruch von Covid-19 im Einsatz waren, unsere Hilfe entsprechend an und führen gleichzeitig unsere Nothilfe fort. Denn noch immer benötigen weltweit viele Menschen dringend medizinische Hilfe. Im Tschad impfen wir zum Beispiel Kinder gegen Masern, in Afghanistan oder dem Jemen helfen wir Frauen dabei, ihre Kinder gesund und sicher zur Welt zu bringen. Und wir versorgen in zahlreichen Ländern wie Bangladesch, Mexiko oder dem Südsudan Geflüchtete und Vertriebene.

Dank Ihnen können wir unabhängig, schnell und professionell helfen, überall dort, wo Menschenleben in Gefahr sind.

 

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